Basel

«Die Basler sind mutige Fahrgäste»

Von Lukas Bertschmann. Aktualisiert am 24.10.2012 11 Kommentare

In Basel laufen die Bahnen schneller als am Münchner Oktoberfest. Dabei können schon mal Stromkosten im fünfstelligen Bereich anfallen – pro Bahn.

1/8 Wäre vielleicht ein Traum für viele: Mit nur zwei andern Gondeln zu oberst auf dem Riesenrad verweilen.
Bild: Lukas Bertschmann

«Die Basler sind mutige Fahrgäste»

   

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Die Herbstmesse nimmt immer mehr Form an. Der wohl aufwändigste Aufbau fand dieses Jahr im Rundhof der Messehalle 2 statt, beim Aufrichten des 66 Meter hohen «Power Tower». Sogar das Ingenieurbüro, das damals beim Bau der Rundhofhalle für die Statik verantwortlich war, schickte mehrere Ingenieure vorbei – denn der Rundhof-Platz ist unterkellert.

Beim Aufstellen des 180 Tonnen schweren Freifallturms musste genau darauf geachtet werden, dass die vier Füsse an der richtigen Stelle zu stehen kommen. «Durch das Fallen und Bremsmanöver wirken ungeheure zusätzliche Kräfte auf die Anlage», sagt der Power-Tower-Betriebsleiter Christian Preuss.

In London und München langsamer

Der 35-Jährige freut sich darauf, wenn das Geschäft am Samstag endlich losgehen kann und der Rundhof mit Kreischen und Freundenscheien erfüllt sein wird. Nach ein paar Jahren kenne man sein Publikum. «Die Basler sind mutige Fahrgäste», meint Preuss. Er kann das Vergnügen des 6,5 Meter pro Sekunden schnellen Hochfahrens und das 15 Meter pro Sekunde schnelle Fallen manuell steuern und so auf die Fahrgäste eingehen.

Im «Winter Wonderland» im Londoner Hyde Park etwa, wohin der «Power Tower» nach der der Basler Herbstmesse pilgert, muss er das Tempo regelmässig drosseln. «Die Engländer haben sensiblere Mägen», berichtet der Deutsche. Noch weniger würden nur die Leute am Münchner Oktoberfest aushalten. «Speziell während den letzten beiden Stunden vor Schluss muss ich Tempo rausnehmen. Dann läuft da keiner mehr nüchtern rum», so Preuss schmunzelnd.

Liebling aller Generationen

Das traditionelle Riesenrad auf dem Münsterplatz kennt Solches nicht – es ist die gemütliche, generationenübergreiffende Bahn schlechthin. «Unser ältester Fahrgast war 103 Jahre alt», so Oscar Bruch. Er ist stolzer Besitzer des nach eigener Aussage grössten transportablen Riesenrads der Welt, das satte 400 Tonnen auf die Waage bringt. Seit vergangenem Freitag sind seine 10 Mitarbeiter und er mit dem Aufbau beschäftigt. Das Material wurde nach und nach in 26 LKW-Containern auf den Münsterplatz geliefert. «In einem Teil davon müssen wir auch Leerraum spazieren Fahren», sagt Bruch und meint damit die Container mit den Gondeln.

Auf dieses Jahr hin hat er einen guten Teil der 40'000 Lampen durch LED-Leuchten ersetzt (alle roten), um Strom zu sparen. Dennoch braucht das Riesenrad einen 200 Kilowatt-Anschluss – ein durchschnittlicher Vier-Personen-Haushalt kommt mit einem 15 Kilowatt-Anschluss klar. Laut den IWB ist das Riesenrad vom Verbrauch her die zweitgrösste Bahn: «Ein Durchschnitts-Haushalt braucht in fünf Jahren soviel Strom wie das Riesenrad während den zwei Messe-Wochen», so IWB-Sprecher Erik Rummer.

Auf LED zu wechseln ist ein kleiner Beweis dafür, dass das Schausteller-Familienunternehmen Bruch sich ständig weiterentwickelt, seit Oscar Bruchs Urgrossvater Emil Bruch 1895 mit den ersten Riesenrad begann. Das knapp 10 Meter hohe Rad wurde damals «Russische Schaukel» genannt, von Hand betrieben und mit Karbidlampen beleuchtet. Das heutige Modell ist über 50 Meter hoch und kann in den 40 Gondeln maximal 320 Personen befördern. «Das Gewicht muss aber immer gleichmässig verteilt sein», so Bruch.

Astronomische Strommengen

Auch der «Power Tower» ist eine Bahn im Besitz einer Schausteller-Dynastie. «Das Palaver unserer Chefin ist unser Markenzeichen», so Preuss schmunzelnd. Der Freifallturm stellt aber beträchtlich grössere Anforderungen ans Stromnetz: Seine «Steckdose» bietet 1000 Kilowatt Leistung. «Nach der Messe erwartet uns eine Stromrechnung von gegen 20'000 Franken», rechnet Preuss vor, was rund 100'000 Kilowattstunden Stromverbrauch entspricht. Mit diesem innerhalb von zwei Wochen bezogenen Strom kämen 20 Durchschnitts-Haushalte ein Jahr lang aus.

«Nun wechseln wir noch die Bremsen und andere Kleinigkeiten aus», so Preuss ironisch. Danach sei alles bereit für das «Mässglöckli». Doch zuerst fährt er mit seinem Team am Freitag noch in den Europapark – denn dort seien die Bahnen noch grösser. (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 24.10.2012, 17:16 Uhr

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11 Kommentare

reto seiler

24.10.2012, 18:33 Uhr
Melden 57 Empfehlung 8

"..laufen die Bahnen schneller." Sollte es nicht heissen: weniger lang? Antworten


Frank Meier

25.10.2012, 10:48 Uhr
Melden 15 Empfehlung 8

Im Europapark sind nicht nur die Bahnen grösser sondern auch die Preise niedriger. Das was hier in Basel bei der Herbstmesse abläuft kann man ja als Normal-Verdiener nicht mehr ernstnehmen. Antworten



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