Basel
Die Bayern-Fans sind voll auf Sieg eingestellt
Von Katrin Roth. Aktualisiert am 21.02.2012 5 Kommentare
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Sie kommen im Minibus, pünktlich zum Anpfiff des Champions-League-Spiels FC Basel gegen FC Bayern: Die neun Mitglieder des FC-Bayern-Fanclubs Red Power. Von Basel selbst werden sie nicht viel sehen, direkt nach Spielende fahren sie wieder zurück, sagt der Clubvorsitzende, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. Gerne wären sie zahlreicher angereist, «aber leider haben wir nicht mehr Tickets bekommen». Das sei insofern besonders schade, weil in Basel immer gute Stimmung herrsche, «die tollen Fans bei euch haben uns schon beim letzten Spiel beeindruckt».
Das limitierte Kartenkontingent für den Champions-League-Match spürt auch Robert Ostermeier von der Firma FC Bayern Tours, dem offiziellen Reisepartner des FC Bayern: «Aufgrund der Anfragen hätten wir mindestens fünf Cars füllen können.» So aber werde man morgen Nachmittag «gerade mal» 100 Fans an den Match chauffieren, verteilt auf zwei Cars. «Für ein Auswärtsspiel sind das wenig, aber der Verein konnte uns einfach nicht mehr Tickets zur Verfügung stellen.»
14 Fanclubs in der Schweiz
Insgesamt fünf Prozent aller Eintrittskarten darf der FC Basel seinen Gästen zur Verfügung stellen, sagt Mediensprecher Josef Zindel, «so ist das immer bei internationalen Spielen». Im St.-Jakob-Park sind das 1800 Plätze im Fansektor, dazu kommen noch 200 auf der Haupttribüne. In Anbetracht der Tatsache, dass es weltweit 2950 FC-Bayern-Fanclubs gibt – 14 davon alleine in der Schweiz –, ist klar, dass es längst nicht alle Fans ins Stadion schaffen. Roland Schmaerlab vom FC Bayern schätzt denn auch, dass er für das Spiel gegen den FC Basel rund 25 000 Tickets hätte verkaufen können, «wie bei jedem Auswärtsspiel war die Nachfrage um ein Vielfaches grösser als das Angebot».
Umso zufriedener ist Holger Knobel, dass er acht der begehrten Tickets ergattern konnte. Dafür legte sich der Präsident des FC-Bayern-München-Fanclubs Zürich – mit 220 Mitgliedern der grösste in der Schweiz – aber auch mächtig ins Zeug. «Nachdem wir vom Verein zunächst eine Absage bekamen für die Bestellung von 100 Karten, schrieben wir ein Protestmail.» Der Einsatz lohnte sich, «die Fanbetreuer erbarmten sich unser und gaben uns Karten».
Ein Erfolg, auf den man im Stadion anstossen werde, sagt Knobel, «unsere Leute kommen aus der ganzen Schweiz, wir treffen uns wie immer bei Auswärtsspielen erst am Abend beim Gästeeingang». Für einen längeren Aufenthalt in Basel fehle den meisten die Zeit, «Sie müssen bedenken, wir haben alle drei bis vier Tage ein Spiel».
Brezn sind im Angebot
So wie Knobel und seine Kollegen halten es offenbar viele FC-Bayern-Fans: Das spezielle Bayern-Fan-Päckli von Basel Tourismus – günstige Hotelübernachtung plus Eintritt – stiess nicht auf das erwartete Interesse, wie Daniel Egloff sagt. «Im Gegensatz zu früheren Champions-League-Spielen konnten wir dieses Mal kein einziges dieser Spezialarrangements verkaufen, vermutlich, weil sich die Leute selbst organisieren.» Traurig sei er aber nicht deswegen, «Hauptsache, die Fans kommen überhaupt nach Basel».
Obwohl die Zeichen nicht auf einem riesigen Ansturm von Fans in der Innenstadt deuten, im Restaurant Zum Braunen Mutz ist man auf alles vorbereitet, sagt Alexandre Kaden von der Firma Candrian Catering: «Ich bin sicher, es gibt genügend Fans, die früher anreisen und dann bei uns einkehren, schliesslich war der ‹Braune Mutz› schon immer ein beliebter Treffpunkt für Fussballfans.» Kulinarische Vorkehrungen seien im Hinblick auf die Fans aber keine getroffen worden, «die bei den Bayern beliebten Brezn haben wir sowieso im Angebot». Auch biertechnisch sei man gerüstet, «wer Lust auf ein Weissbier hat, bekommt bei uns ein Ueli Weizen». Die Vorräte seien entsprechend aufgestockt, «wir sind bereit und freuen uns auf einen tollen Fussballabend».
«Diese Frage stellen wir uns nicht»
Ebenfalls gut vorbereitet auf das Champions-League-Spiel ist man bei der Basler Polizei, sagt Mediensprecher Martin Schütz. Über die Details hält er sich allerdings zurück, «wir äussern uns nie zur Polizeitaktik». Nur so viel sei verraten: «Wir stehen im ständigen Austausch mit allen involvierten Parteien.»
Dazu dürfte auch die Fanclub-Abteilung des FC Bayern gehören, wo man sich weniger bedeckt gibt – wenigstens, wenn es um das Innenleben eines richtigen FC-Bayern-Fans geht. «Basler, die uns besiegen, mögen wir zum Beispiel gar nicht», heisst es dort am Telefon, mit einem Lachen. Soso. Also sind die FC-Bayern-Fans schlechte Verlierer? «Diese Frage stellen wir uns gar nicht. Wir sind aufs Gewinnen eingestellt.» (Basler Zeitung)
Erstellt: 21.02.2012, 13:11 Uhr
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