Basel

Die Quoten-Killerinnen

Von Daniel Wahl und Denise Muchenberger. Aktualisiert am 20.09.2013 47 Kommentare

Sie sind jung, selbstbewusst und gut ausgebildet. Und sie wollen die Frauenquote zu Fall bringen. Acht junge Politikerinnen ergreifen das Referendum gegen den Grossratsbeschluss.

Geschlecht ist künftig wichtiger als Qualifikation: In allen Verwaltungsräten, die in der Wahlbefugnis des Kantons Basel-Stadt liegen, sollen Frauen mindestens einen Drittel der Sitze erhalten.

Geschlecht ist künftig wichtiger als Qualifikation: In allen Verwaltungsräten, die in der Wahlbefugnis des Kantons Basel-Stadt liegen, sollen Frauen mindestens einen Drittel der Sitze erhalten.
Bild: Keystone

Umfrage

Der Grosse Rat will, dass künftig im Verwaltungsrat öffentlicher Institutionen Frauen einen Drittel ausmachen müssen. Dagegen wehrt sich ein Komitee. Sind Sie für die Frauenquote?

Ja

 
17.9%

Nein

 
82.1%

1886 Stimmen


Diana Blome (Jungliberale, 26). ­Studentin der Kunstgeschichte.

Manuela Hobi (Junge CVP, 25). In Vorbereitung auf die Anwaltsprüfung.

Stephanie Gise (Jungliberale, 28). In Vorbereitung auf die Anwaltsprüfung.

Adrienne Strahm (Jungliberale, 21). Studentin der Rechtswissenschaften.

Fabienne Beyerle (Junge FDP, 33). Oberstufenlehrerin.

Tiziana Conti (Junge CVP, 24).­ Studentin der Rechtswissenschaften.

Tanja Steiner (Junge SVP, 33).­ Kaufmännische Angestellte und Mutter.

Alexandra Faass (Junge SVP, 20), Verkäuferin.

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Entschuldigen tun sie sich nicht dafür, frauenpolitisch nicht korrekt zu sein. Und schon gar nicht dafür, dass sie mit ihrem Referendum gegen die Frauenquote dem weiblichen Geschlecht in den Rücken fallen. «Eine Frauenquote ist falsch, ich bin gegen Zwangsmassnahmen», sagt Diana Blome, Jungliberale. «Wir Frauen sollen uns nicht über Quoten aufstellen lassen müssen. Wir sind doch nicht doof», sagt Alexandra Faass, Junge SVP. Oder: «Ich will aufgrund meiner Leistung einen Posten und nicht wegen meines Geschlechts», sagt Fabienne Beyerle, Jungfreisinnige.

Man vermisst es bei den acht Frauen aus den bürgerlichen Jungparteien CVP, FDP, LDP und SVP beinahe – die frauenschmeichelnden, genderfreundlichen Voten, wie sie sonst gestern im Grossen Rat von Parlamentariern zu hören waren, bevor in deren Reden das grosse Aber kam. Voten wie: «Wir sind uns einig, dass es qualifizierte Frauen gibt, aber...» Oder: «Es gilt eine angemessene Vertretung der Frauen in Verwaltungsräten zu erreichen, aber die Quote...»

Gegen das Ellbögeln

Erfrischend unverschämt ergreift eine junge Generation das Referendum gegen den gestrigen Grossratsbeschluss und postuliert ein anderes, «unverkrampftes» Zusammenarbeiten in ­Chefetagen, ohne Rücksicht auf den XY-Chromosomen-Mix. «Vermutlich denkt die jüngere Generation weitsichtiger und weiss, dass sich Chefetagen künftig automatisch ausgewogen zusammensetzen werden», antwortet Fabienne Beyerle, Oberstufenlehrerin, auf die Frage, weshalb nun ausgerechnet die bürgerlichen Jungparteien die heissen Kastanien für ihre Mutterparteien aus dem Feuer holen wollen.

Gar nicht vorstellen mag sich Diana Blome, Tochter des ehemaligen Direktors des Basler Antikenmuseums, wie sich das Klima in einem Kadergremium abkühlt, wenn alle wissen, dass nun eine Quotenfrau Einsitz genommen hat. «Existiert eine Geschlechterquote, fällt immer ein Schatten auf die Frau, selbst wenn sie qualifiziert ist», sagt sie. Ein entsprechend schlechtes Zeugnis stellt die Studentin der Kunstgeschichte und Medienwissenschaften dem Quotenland Norwegen aus. Dort ist Frauenförderung zum Schimpfwort geworden: «Golden Skirts» – vergoldete Röcke heissen die Damen, die wegen Personalmangels in Führungsetagen bis zu 15 Verwaltungsratsmandate innehaben.

Gegen den faden Beigeschmack

Stephanie Gise, Einzelkind, repräsentiert die typische Generation, denen Eltern alles ermöglicht haben: gute Ausbildung, Gymnasium, Reisen und so. Wohl deshalb ist das Ausfahren der Ellenbogen nicht ihre Sache: «Karrieregeil bin ich nicht, aber wenn es passt, dann bin ich auch nicht abgeneigt, in eine Kaderposition zu steigen.» Und sie fügt selbstbewusst hinzu: «Man unterschätzt Frauen, wenn man glaubt, sie mit einer Quote fördern zu müssen.» Sie sei so erzogen worden, dass man für sein Ziel arbeiten müsse.

Auch Manuela Hobi von der jungen CVP möchte auf den faden Beigeschmack verzichten, «den würde ich nämlich haben, wenn ich eine Stelle aufgrund der Frauenquote bekäme», sagt sie. Die 25-Jährige bereitet sich auf die Anwaltsprüfungen vor, alles Weitere wolle sie Schritt für Schritt planen. Eines sei ihr im Elternhaus aber vorgelebt worden: Dass man Familie und Beruf vereinen kann. «Ich habe viel Zeit und Energie in meine Ausbildung investiert, und möchte mich aufgrund meiner Leistungen durchsetzen. Und nicht, weil ich als Frau speziell gefördert werde.»

Angst, dass Fachkompetenz verloren geht

Ihre Parteikollegin, Tiziana Conti, studiert ebenfalls Jus. Die Tochter von Regierungsrat Carlo Conti ist mit zwei Brüdern aufgewachsen, alle drei Kinder konnten sich in jenem Bereich verwirklichen, den sie sich selber ausgesucht hatten. «Wir machen alle etwas anderes, der eine Bruder wird Primarlehrer, der andere studiert Wirtschaft», sagt sie. Conti befürchtet, dass mit der geplanten Frauenquote die Fachkompetenz verloren gehen könnte.

«In meinem Studiengang habe ich viele weibliche Kommilitonen, und ich sehe keinen Grund, weshalb sie keine Stelle finden sollten», sagt sie. Sie selber möchte ihre berufliche Karriere so planen, dass auch Zeit für eine Familie bleibt. «Von alldem bin ich aber noch weit entfernt», sagt die Studentin und lacht. Auch ob sie eine Politkarriere ins Auge fasse, lässt sie offen. «Aktuell macht es mir viel Spass, mich zu engagieren. Wir sind ein tolles Team.» Ob sie in die Fussstapfen ihres Vaters treten möchte, werde sie natürlich immer wieder gefragt. «Derzeit habe ich keine Ambitionen. Aber mal sehen, was die Zukunft bringt.» (Basler Zeitung)

Erstellt: 20.09.2013, 08:00 Uhr

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47 Kommentare

Werner Schweizer

20.09.2013, 08:31 Uhr
Melden 210 Empfehlung 18

Gott sei Dank gibt es noch junge, selbstbewusste Damen, welche die Sinnlosikeit einer Frauenquote einsehen. Antworten


Matthias Gratwohl

20.09.2013, 08:27 Uhr
Melden 177 Empfehlung 14

Das ist genau die richtige Einstellung. Ich befürworte es natürlich auch, wenn mehr Frauen in den Kaderpositionen sind. Aber eben wie oben im Artikel erwähnt lieber durch Qualifikation als durch Quoten. So wird es vielleicht ein klein wenig länger dauern, bis mehr Frauen vertreten sind, aber dafür sind es dann wirklich qualifizierte Frauen, die Kenntnis von der Materie haben. Antworten



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