Basel

Die Räuber sind wieder da

Von Mischa Hauswirth. Aktualisiert am 23.07.2014 99 Kommentare

Seit dem 6. Juli kam es in Basel zu mehreren, teils brutalen Überfällen und Diebstahldelikten. Viele Täter sind aus Nordafrika.

Basel erlebt eine Häufung von teils skrupellosen Überfällen.

Basel erlebt eine Häufung von teils skrupellosen Überfällen.
Bild: Keystone

Raubüberfälle sind an der Tagesordnung

Bei Überfällen gehen die Räuber meist nach dem gleichen Muster vor: Sie greifen unvermittelt an, schlagen die Opfer nieder und entwenden Portemonnaie, Mobiltelefon oder Schmuck. Nach einer Welle von Raubüberfällen im Frühling 2013 kommt es seit Anfang Juli wieder vermehrt zu brutalen Überfällen.

6. Juli: Um 4 Uhr morgens wurde in der Feldbergstrasse ein 24-jähriger Mann von drei Männern überfallen und dabei leicht verletzt. Die Täter raubten ihm seine Umhängetasche, mehrere hundert Franken sowie das Smartphone. Die Täter sprachen Deutsch und möglicherweise Kurdisch.

14. Juli: Kurz nach Mitternacht wurde in der Burgfelderstrasse ein 20-Jähriger von drei Männern mit einem Messer bedroht und ausgeraubt. Dem Mann wurden das Portemonnaie sowie das Smartphone abgenommen. Die drei Räuber sprachen Albanisch und Türkisch.

In der selben Nacht wurde gegen 4.30 Uhr ein 27-Jähriger in der Elisabethenanlage Opfer eines Raubes. Zwei Täter rissen dem Mann die Uhr vom Handgelenk und flohen. Die beiden südländisch aussehenden Männer sprachen gebrochenes Deutsch mit einem französischen Akzent.

15. Juli: Gegen 2.30 Uhr wurden mehrere parkierte Autos im Lehenmattquartier aufgebrochen. Kurze Zeit später konnte die Polizei in der Zürcherstrasse einen 25-jährigen Ägypter, einen 24-jährigen Syrer sowie einen 19- jährigen Algerier festnehmen, welche dringend der Tat verdächtigt werden.

15. Juli: Um 19.30 Uhr wurde an der Wiesendamm-Promenade eine 66-jährige Frau von einem Schwarzafrikaner und einem weiteren Unbekannten beraubt. Die beiden Räuber nahmen der Frau Bargeld, Armbanduhr, Fingerring und Halskette ab. Die beiden englischsprechenden Täter flohen in Richtung Lange Erlen.

16. Juli: Um kurz nach ein Uhr nachts überfiel in der Schnabelgasse ein mit einem Arafatschal maskierter Mann das Restaurant Tapas del Mar. Er bedrohte die beiden Angestellten mit einem grossen Messer (Machete) und forderte Geld. Der Räuber, der gebrochen Deutsch sprach, konnte fliehen.

19. Juli: Ein 19-Jähriger wurde in der Voltastrasse gegen 2.30 Uhr von vier jungen Männern überfallen, nachdem diese ihn zuvor angepöbelt hatten. Die Täter raubten dem 19-Jährigen das Smartphone und flüchteten in unbekannte Richtung. Das Opfer wurde bei dem Überfall leicht verletzt.

21. Juli: Gegen 8.45 Uhr wurde in der Schützenmattstrasse ein 19-jähriger Mann Opfer eines Raubes, als er die Tageseinnahmen eines Geschäfts zur Poststelle bringen wollte. Ein Unbekannter schlug den Mann in einer Unterführung nieder und raubte Bargeld in der Höhe von mehreren tausend Franken.

21. Juli: Kurz vor Mitternacht versuchte erneut ein mit einem Palästinenserschal maskierter Räuber das Restaurant Pizza Pronta in der Mülhauserstrasse zu überfallen. Weil die beiden Angestellten laut um Hilfe schrien, rannte der Täter ohne Beute aus dem Lokal und konnte trotz einer eingeleiteten Fahndung unerkannt entkommen. aag

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Fast täglich werden in Basel Res­taurants oder Passanten Opfer von Überfällen oder Gewaltattacken (siehe Box). Dabei gehen die Täter skrupellos vor. Eines der traurigen Highlights geschah am 15. Juli gegen 19.30 Uhr am Wiesendamm im Landschaftspark Lange Erlen: Eine Frau spazierte mit einem kleinen Hund dem Fluss Wiese entlang, als plötzlich zwei Männer rasch auf sie zukamen. Einer von ihnen packte grob den Hund und klemmte diesen mit den Armen fest.

Die Männer forderten die Frau auf, ihnen Geld auszuhändigen und drohten, sonst dem Hund etwas anzutun. «Aus Angst um ihren Hund händigte die Frau ihre Barschaft aus. In der Folge raubten ihr die Täter noch ihre Armbanduhr, einen Fingerring und ihre Halskette», heisst es in einer Mitteilung der Staatsanwaltschaft Basel-Stadt. Laut Opferaussagen war einer der Täter schwarz, der andere hatte eine auffällige dicke Lippe und war eher klein. Beide sprachen Englisch. Zur skrupellosen Vorgehensweise dieser Räuber sagt ­Peter Gill, Medienchef der Staatsanwaltschaft Basel-Stadt: «An ein solches Vorgehen bei einem Raub mag ich mich nicht erinnern.»

Auch zwei andere Fälle geben unter den Ermittlern zu reden: Am 16. und 21. Juli überfiel ein mit einem Palästinenserschal vermummter und einem langen Messer, möglicherweise einer Machete bewaffneter Mann zwei Res­taurants. Er soll gebrochen Deutsch gesprochen haben. Die Kriminalpolizei hält es für möglich, dass es sich bei beiden Restaurantüberfällen um den gleichen Täter handelt. Woher er kommt oder ob es sich um einen Asylsuchenden handelt, weiss sie nicht.

Tiefe Aufklärungsrate

Nach den Raubdelikten bleibt der Polizei meist nur wenig an Spuren für die Ermittlungen, und die Ermittler müssen sich auf die Personenbeschreibungen der Opfer abstützen. Deshalb sieht die Aufklärungsbilanz bei der jüngsten Gewaltwelle mager aus. Einzig bei den Aufbrüchen an parkierten Autos an der Lehenmatt-, Bechburger- und Zeughausstrasse vom 15. Juli gelang es, drei junge Männer festzunehmen.

Drei Asylbewerber aus Nordafrika werden dringend verdächtigt, mehrere parkierte Autos aufgebrochen und geplündert zu haben. Die Täter passen gut in ein Schema, das Gill so umschreibt: «Bei Raubdelikten werden von den Opfern häufig Personen aus dem Ausland ­beschrieben.»

Im Fall des am 19. Juli im Schützenmattpark angegriffenen Paars kann die Staatsanwaltschaft nicht ausschliessen, dass die Täter auch für den Angriff auf den jungen Mann in der Voltastrasse verantwortlich sind; eine Tat, die sich nur wenige Stunden später ereignet hatte. Die Opfer beschrieben die Gruppe als Männer, die Deutsch mit slawischem Akzent sprachen. In der Regel hätten es Räuber auf Geld abgesehen, aber auch auf Smartphones, sagt Gill. Diese seien begehrt, weil sie teilweise sehr teuer seien.

Tendenz ist rückläufig

Einer der jüngsten Überfälle erinnert an die brutale Raubattacke am helllichten Tag in der Gerbergasse vom vergangenen Oktober: Damals wurde ein Handwerker aus Deutschland auf dem Weg zum Bankomat von Nordafrikanern wegen einem Smartphone angegriffen, gewürgt und verletzt.

Am vergangenen Montagmorgen wurde ein 19-Jähriger Angestellter eines Geschäfts von hinten niedergeschlagen, als er die Tageseinnahmen zur Poststelle Spalen bringen wollte. Durch Schläge auf den Hinterkopf setzten der oder die Räuber das Opfer ausser Gefecht. «Bei diesem Fall stellt sich für uns unter anderem die Frage, woher die Täterschaft wusste, dass genau zu diesem Zeitpunkt jemand mit sehr viel Geld zur Post unterwegs war. Dies wird nun von der Kriminalpolizei abgeklärt», sagt Peter Gill.

Wie die Kantonspolizei Basel-Stadt auf die neuste Gewaltwelle reagiert, sagt sie aus taktischen Gründen nicht. Sie verweist lediglich darauf, dass «eine Häufung von ähnlichen ­Delikten oder Vorkommnissen an bestimmten Örtlichkeiten» berücksichtigt würden.

In der Tendenz gehen die Raubüberfälle im Vergleich zum ersten Halbjahr des Vorjahres zurück. (Basler Zeitung)

Erstellt: 23.07.2014, 07:08 Uhr

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99 Kommentare

Oliver Wyss

23.07.2014, 07:28 Uhr
Melden 505 Empfehlung 65

Ja für die asylsuchenden sind unsere regeln unbekannt. Diese haben gelernt sich das zu nehmen was sie haben möchten auf brutalste art und weise. Wann kapieren es die politiker endlich dass nicht jeder asylsuchende hier bleiben darf!! Ein schweizer wäre achon lange hinter gitter. Die schweiz hat jedoch angst vor der EU, und darum, unternimmt diese nichts Antworten


Heinz Schwendimann

23.07.2014, 09:06 Uhr
Melden 379 Empfehlung 8

Die Niederlande wickeln Asylgesuche im Schnellverfahren ab. In acht! Tagen bringen die das hin. Die Asylzentren befinden sich weit weg von den Stadtzentren bzw. weit weg von Städten überhaupt. Das scheint mir als Vorbild für die Schweiz absolut geeignet. Antworten



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