Basel

Dieses AKW ist «eine ernsthafte Bedrohung»

Aktualisiert am 22.03.2011 26 Kommentare

Das alte AKW im französischen Fessenheim nahe der Schweizer Grenze soll sofort stillgelegt werden, bis es gründlich kontrolliert ist. Das fordern die beiden Basler Regierungen.

Anfällig: Innerhalb von zehn Jahren kam es im Reaktorblock 1 des AKW Fessenheim zu 240 meldepflichtigen Zwischenfällen.

Anfällig: Innerhalb von zehn Jahren kam es im Reaktorblock 1 des AKW Fessenheim zu 240 meldepflichtigen Zwischenfällen.
Bild: Roland Schmid

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Das alte AKW im französischen Fessenheim nördlich von Basel soll sofort stillgelegt werden, bis es gründlich kontrolliert ist. Dies fordern die Regierungen der beiden Basel von den Behörden und der Electricité de France (EdF). Dieses AKW sei «eine ernsthafte Bedrohung».

Das 35 Kilometer von Basel entfernt am Rhein liegende AKW sei «veraltet», teilten die Regierungen am Dienstag mit. Gemäss einer Inspektionsnotiz der französischen Atomaufsichtsbehörde von 2001 wären bei einem schweren Erdbeben manche «Schutzfunktionen zur Sicherstellung der Reaktorkühlung ... nicht sicher gewährleistet.»

Eine Expertise der Kantone Basel-Stadt und Jura kritisierte bereits 2007, dass die in Frankreich angewandte Richtlinie zur Ermittlung der Erdbebengefährdung für Kernanlagen «nicht dem Stand der gegenwärtigen Kenntnisse und Praxis entspricht»: Bei einem Starkbeben auftretende Kräfte würden «signifikant unterschätzt».

Auf allen Ebenen

Der schwere nukleare Unfall in Japan bestärke nun die Regierungen in ihrer Meinung, dass das AKW Fessenheim eine Bedrohung für die regionale Bevölkerung sei. Der baselstädtische Regierungspräsident Guy Morin soll die Stilllegungsforderung am 1. April bei einem Treffen mit dem Präsidenten des Conseil Régional Alsace deponieren.

Die beiden Basler Regierungen wollen zudem per Brief den Bundesrat dazu auffordern, dass Doris Leuthard die Abschaltungsforderung bei einem Treffen mit der französischen Umweltministerin überbringt. Die Bundesrätin solle auch die Fessenheim-Risiken besprechen. Der Oberrheingraben sei eines der seismisch aktivsten Gebiete Europas.

Im AKW Fessenheim laufen die beiden ältesten Druckwasserreaktoren Frankreichs mit Inbetriebnahme 1977 und 1978. Die Zehnjahresinspektion dauert voraussichtlich bis 2012. Die EdF will die Betriebserlaubnis um zehn Jahre verlängern lassen. Der Entscheid der Atomaufsichtsbehörde zum Block 1 wird im April erwartet.

Basel gegen alle AKW

Basel-Stadt hat den französischen Behörden einen Fragenkatalog zu technischen Schwachstellen des störungsanfälligen AKW zugestellt. Ferner ist gegen die Verlängerung eine verwaltungsrechtliche Klage des trinationalen Atomschutzverbands der Bevölkerung um das AKW Fessenheim (TRAS) - dem Schweizer Gemeinden angehören - pendent.

Die beiden Basel hatten nach ihrem Kampf gegen das AKW Kaiseraugst vor ihren Toren ins kantonale Recht geschrieben, sich gegen Atomkraft einzusetzen. Basel-Stadt hat 2009 per Standesinitiative den Verzicht auf neue AKW gefordert. Die Industriellen Werke Basel versorgen den Kanton dank Zertifikaten seit 2009 Atomstrom-frei. (bru/sda)

Erstellt: 22.03.2011, 15:02 Uhr

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26 Kommentare

Eduard J. Belser

24.03.2011, 07:27 Uhr
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Das AKW Fessenheim ist eine tickende Zeitbombe und muss möglichst rasch endgültig stillgelegt werden. Dabei auf Frau Bundesrätin Leuthard zu vertrauen ist allerdings naiv. Sie hat selbst jahrelang am Verwaltungsratshonoraren-Backschischtropf der Stromindustrie gehangen und hat mit Mühleberg und Beznau I/II drei ähnliche Russisch-Roulett-AKWs in ihrem Leichenkeller liegen. Antworten


Hans Abächerli

26.03.2011, 18:32 Uhr
Melden 2 Empfehlung

Und wer ist wirklich daran schuld, dass solch alte AKW immer noch am Netz sind? Oder anders gefragt: Wer hat es verstanden, jahrzehntelang den Bau modernerer AKW zu verhindern? Wäräliwär??? Antworten



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