Basel

Drummeli 2011 – Das perfekte Monstre

Von -minu und Ralph Schindel. Aktualisiert am 28.02.2011 4 Kommentare

Was wurde über die «Raamestiggli» am Drummeli nicht schon diskutiert: In vergangenen Jahren wurde über sie die Nase gerümpft, heuer aber gehören sie zu den Höhepunkten am Monstre, sind sich -minu und Ralph Schindel einig.

1/25 Wilder Haufen: Die Basler Rolli überzeugen nicht nur als unorganisierte Bibeli im Stall, sondern auch mit ihrem «Monty».
Bild: Tino Briner

Drummeli 2011 – Das perfekte Monstre Drummeli 2011 – Das perfekte Monstre

   

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Drummeli 2011

Das Drummeli im Musical Theater läuft noch bis kommenden Freitag, 4. März. Die letzten verfügbaren Tickets gibt es nur noch direkt beim Fasnachts-Comité, an einer der Vorverkaufsstellen oder an der Abendkasse.
www.drummeli.ch

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Himmel – was für ein Quantensprung! Ein Monstre, wie wir es kaum, ja überhaupt noch nie erlebt haben – nun ist das Rahmenspiel perfekt. Die Regie grossartig. Die Schauspieler sind eine Wucht und die Texte wunderbar. Das Drummeli 2011 wird in die Fasnachtsgeschichte eingehen. (von -minu)

Es brauchte den mutigen Griff der Regie in die Profikiste – so hat das neue Drummeli nun fast Musical-Charakter (Anfangs- und Schlussszene). Und vielleicht war auch der Wegzug von der gigantischen Muba-Bühne nötig. Jetzt nämlich hat alles seinen richtigen Rahmen.

Schon der Prolog lässt ahnen, dass Grosses passiert – es ist Hornig. 2011. Und es ist Basel. Urs Bihler (er hat mit Kurt Walter die Highlight-Auftritte des Abends) singt das Couplet über ein Basel, das passé, ja nur noch Kulisse ist – alles zu den Beatles-Tönen von «Let It Be».

Loss es sy und gsehs doch yy…
S isch neu Ballebärg am Rhy!

Mitten in die Morgestraich-Stimmung wuseln d Basler Dybli als Waggis und Elsässere auf die Bühne – und eröffnen cliquenmusikalisch mit …? – NATÜRLICH DEM PERFEKTEN WAGGIS! D Rhygwäggi lassen die Serengeti zur Basler Pharmawüste werden – weisse Laborratten, Affen in Chemikerkitteln –, dies alles gibt eine Zolli-Safari und einen neuen Marsch von Cornelius Buser und Alain Gremaud (gut inszeniert, gut intoniert). Eines der Highlights: die traditionelle Trommelschule – dieses Jahr vom jubilierenden CCB –, die zur Schummelschuel wird. Michi Robertsons und Rolf Schlebachs «Fährimarsch» jubiliert in einem bravourösen Auftritt.

Perfekt dann auch d J.B.-Clique Santihans mit dem Luuser, der ab Plattenspieler kommt und der von frechen Luusern immer wieder aus dem Takt und Ton gebracht wird, während d Junteressli ein musikalisches Bauwerk hinlegen, das sich gepfiffen und gehämmert hat: «dr Spalebärg». Wir erleben nicht nur eine gelungene Michi-Robertson-Komposition, sondern auch die aktuelle Bauerei, und wünschten uns, die wäre wirklich so harmonisch.

D Schänzli-Fäger fegen einen ganz grossartigen Auftritt als «Sister Act»-Nonnen (nur die dirigierende Whoopi sollte sich eine Larve über die Birne knallen) – hervorragender Nonnenchor, grossartige Solistin. D Spezi aber segeln mit einem imposanten Auftritt und irischen Melodien zu neuen Ufern weg. Grossartig dann der Fäärimaa mit Hit-Värs Schlag auf Schlag – und zum Jubeljohr der Junte vo dr Alte Richtig ertönt nun der «Rittergässler» (vorne gar direkt ab fünf wallenden Junten-Trommeln gerusst). Gelungen schliesslich auch die Fusion Wettstai/BMG: Gemeinsam steuert man den Riesenkahn als Matrosen auf hoher See – gemeinsam (und dies zum nostalgischen Comedian-Harmonists-Medley «Das ist das Leben der Matrosen …») bezwingt man die hohen Wellen der Fasnacht.

Nach dem «Bonaparte» der Schnooggekerzli (uff – ein rechter Fingerbrecher!) und der feurigen Gundeli, die mit Samba, heissen Tänzerinnen und einem brasilianischen Rhythmen-Potpourri (Berry Batschelet, Maurice Rossel und Marco Zimmermann) den Carneval von Rio ins Musical-Theater holen, brillieren d Basler Rolli als wilder, kecker Kükenhaufen mit dem «Monty» (super!).

Ein perfekter Rahmen

All diese Cliquenauftritte (und die Cliquen werden sich an die kleinere Bühne erstmal gewöhnen müssen) lässt Regisseur Michael Luisier durch ein Schyssdräggziigli verbinden. Die einzelnen Nummern werden geschickt miteinander verwoben – manchmal gibt man ihnen auch einen Chor dazu (d SÿndiCats unter Georg Hausammann sind da die perfekte Formation).

Immer wieder schert einer aus dem Ziigli aus – und bringt eine Solonummer wie etwa den sensationellen Zungenbrecher zum Dialekt «Sage Si Epfel oder Öpfel?» Der Tod, der im Ziigli die Trommel rührt, schenkt uns die wunderbare Ballade vom Leben vor dem Tod. Und ganz einfach witzig-frech dann die Geschichte von der Ameise, die unter dem Löwen malocht und dann wegrationiert wird (von den drei Schauspielerinnen als «Es war einmal Moritat» bravourös vorgetragen).

Hat man früher das Monstre besucht, um ganz einfach die Cliquen zu geniessen und d Stiggli in Kauf zu nehmen, ist es dieses Jahr ein Doppelgenuss: Die Texte geben den Cliquenauftritten nicht nur einen würdigen Rahmen, sie polieren den Abend auch zu einem einzigartigen Spektakel auf, sodass man fast sagen muss, nach 105 Jahren ist das Drummeli erstmals ein perfektes Monstre. Noch nie waren die Texte «durchdiezeilenhinweg» so witzig, bissig, grossartig – noch nie das Rahmenspiel bis in die Fingerspitzen so ausgefeilt wie an diesem Drummeli 2011, das zweifellos in die Fasnachtsgeschichte eingehen wird.

Aus himmlischen Höhen in höllische Tiefen: Der zweite Drummeli-Teil setzt nahtlos am ersten an. Die Cliquen bieten einen soliden Jahrgang, die Raamestiggli ragen heraus. (von Ralph Schindel)

Das aus der Pause in den Saal strömende Publikum wird mit Gesang empfangen. Zwar ertönen nicht die reinen Stimmen der SÿndiCats, sondern die eher rauen Kehlen der Alte Glaibasler, die Muttenzer wird kurzerhand zur Monstre-Kurve. Wie die FCB-Fans feiern sich die AGB vor allem selbst, die Stewards passen auf, dass die Situation nicht ausufert und sogar der originale, ehemalige Sämfduube-General kommt zu neuen Ehren. D Glunggi machen danach das Ganze ein wenig offizieller mit dem «Rossignol» am «Offizielle». Die verschiedenen Kategorien werden gekonnt präsentiert. Und dann kommt eben die mit Spannung erwartete Balkonszene. Auf der einen Seite ist die ihrer Meinung nach bestens integrierte Deutsche auf dem Balkon, auf der anderen Seite das Ehepaar aus dem Daig und dazwischen der Plebejer. Die Szene wird immer derber, aber:

S Volgg will das
S Comité will das
also gänn mir ihne halt das!

Erstes Fazit: Es hat in jedem Raamestiggli garantiert mehr als zwei Pointen. Mit dem «Inca» der Sans Gêne geht es weiter. Der Auftritt ist imposant inszeniert, der Marsch entführt uns in die Anden. Die Sans Gêne und ein paar weitere Cliquen haben die ideale Aufstellung fürs Musical Theater gefunden: Die Tambouren stehen zentral und werden von Pfeifern flankiert. Das gibt einen ausgewogenen Klang, kein Instrument überwiegt. Sie haben den Sprung in die komplett anderen Bühnen- und Saaldimensionen geschafft. Schnell sind wir aus den Anden zurück mit dem Swiss Medley der Glaibasler Schränzbrieder, die bekannte Schweizer Schlager vereinen. Und Charlotte Heinimann erklärt uns danach die Probleme mit einem Junteressli an den drey scheenschte Dääg.

Bestes Standortmarketing

Danach tragen uns die Vereinigten Kleinbasler mit ihrem «Nundedie» in himmlische Höhe, bevor es weiter nach Moskau geht: Der Drummeli-Bangg singt in Basler Tracht mit Hockeyschuhen und -stock auf dem Roten Platz und betreibt bestes Standortmarketing – auch weil Regierungspräsident Guy Morin nicht zu Wort kommt. Die eher einfachen Bängg sind aufwendig inszeniert, werden von den SÿndiCats als Kosakenchor und einer Handorgel begleitet.

Wott ain vom Baaselbiet trotz allem an d Aida
Gits zur Begriessig an dr Bar e halbs Darvida
und macht är ooni Gschrei zwei Monetslöhn no füüre
Denn darf är zäh Minute loose – an dr Tüüre

Danach werfen d Rhyschnoogge die alte Druckmaschine an und verteilen «The Washington Post». Nostalgisch geht es weiter mit der Breo und ihren «Modern Times», einem Pfeifer-Medley mit den Melodien aus dem gleichnamigen Film. Dazu drehen die Tambouren die Zahnräder im Takt. Der folgende Raame dreht sich um die beste Armee der Welt, die noch aus 100 Mann besteht: drei Soldaten, 97 Generalstäbler und der Feststellung, dass es im Verteidigungsdepartement schon lange keine Granate mehr hat. Nach dieser Achtung-Stellung gibt es wieder Entspannung. Mit den Schnurebegge geht es an den Strand von Hawaii, wo Franz Eugen Nidl sein Geburtstagsständchen inklusive Ukulele und brechenden Wellen erhält.

Die Alte Stainlemer werfen uns danach in höllische Tiefen. Mit Hells Bells von AC/DC rocken sie das Publikum durch – leider nur mit Sonnenbrille und Wischmop auf dem Kopf. Gegen Ende der fulminanten zweiten Hälfte nimmt Marcel Mundschin in einem bewegenden Monolog stellvertretend für alle Drummeli-Protagonisten Abschied von der verstorbenen Erika «Bötschli» Giger. Hühnerhaut pur. Schön, dass danach der edel-elegante Auftritt der Spale im zarten Mondlicht folgt. Ihr «Spalier» ist eine DWUF (DrummeliWältUuruffiehrig).

Schliesslich spült der Epilog die anfängliche Ballenberg-Stimmung aus dem Prolog weg, wie der grosse Strom den Dreck aus der Stadt wegspült. «D Fasnacht kunnt uff Basel.» Im Musical Theater ist sie bereits angekommen – und zwar auf eine grossartige und begeisternde Weise. (Basler Zeitung)

Erstellt: 28.02.2011, 15:18 Uhr

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4 Kommentare

Kurt Schwab

28.02.2011, 16:05 Uhr
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BRAVO!!!!
Hervorragend gemacht.
Noch selten hatte ich so grosse Freude am "Drummeli"
Antworten


Peter Kuederli

01.03.2011, 06:16 Uhr
Melden

Ich freue mich fuer Euch liebe Basler, dass Ihr wieder ein echtes Drummeli habt. Schade, dass ich so weit weg bin, und Euch weder sehen noch hoeren kann. Ich gratuliere trotzdem. Pkuederli@cfl.rr.com in Florida Antworten



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