Basel

Durchgehende S-Bahn ins Elsass wieder ein Thema

Von Peter Schenk. Aktualisiert am 31.01.2012 10 Kommentare

Am Ende dieses Jahres dürften spezielle Flirt-Züge die Zulassung für Frankreich erhalten. In Frankreich aber scheint das Interesse für die Wiederaufnahme der grünen Linie gering.

Derzeit enden und starten die S-Bahnen zwischen Mulhouse und Basel im französischen Teil des Bahnhofs Basel SBB.

Derzeit enden und starten die S-Bahnen zwischen Mulhouse und Basel im französischen Teil des Bahnhofs Basel SBB.
Bild: Elena Monti

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Alain Groff, Leiter des Basler Amts für Mobilität, bringt es auf den Punkt: «Die fehlenden Fahrzeuge haben jegliche Diskussion obsolet gemacht.» Hintergrund: Den 14 Flirts, welche die SBB bei Stadler Rail für die durchgehende, grenzübergreifende S-Bahn-Verbindung von Frick über Basel nach Mulhouse bestellt hatten, wurde vom französischen Eisenbahnamt die Zulassung für Frankreich verweigert. Ausserdem hatte die Region Elsass, die Bestellerin für die sogenannte grüne Linie, den durchgehenden Betrieb Ende 2008 eingestellt und auf der Strecke im Elsass Bombardier-Züge eingesetzt. Aufgrund des fehlenden Zweistromsystems können diese in der Schweiz nicht fahren.

Nun aber könnte Bewegung in das Dossier kommen. Laut den SBB finden derzeit die Testfahrten für den Flirt-France statt. «Die Zulassung werden wir voraussichtlich gegen Ende 2012 erhalten», teilt Mediensprecherin Lea Meyer mit. Vincenza Trivigno, Mediensprecherin beim Hersteller Stadler Rail, bestätigt: «Unser Ziel für die Zulassung ist der Fahrplanwechsel im Dezember 2012.»

Im Unterschied zu den Bombardier-Zügen könnten die Flirts in Frankreich wie in der Schweiz fahren. «Die Zulassung würde die Ausgangslage sicher verändern», kommentiert Groff. Derzeit enden die S-Bahnen aus Mulhouse auf den Gleisen 30 bis 35 im Elsässer Bahnhof, dem französischen Teil des Basler Bahnhofs SBB, um nach einer Wartezeit in die entgegengesetzte Richtung wieder nach Mulhouse zurückzufahren.

Eine halbe Stunde zum Umsteigen

Groff führt mehrere Gründe für die Wiedereinrichtung der durchgängigen Linie an: «Immer mehr Menschen sind grenzüberschreitend unterwegs, aber nicht alle wollen nach Basel. Ausserdem gilt es, den extrem knappen Raum im Bahnhof zu nutzen. Es ist intelligenter, die Züge in einer Richtung fahren zu lassen, anstatt dass sie herumstehen.» Groff verweist ausserdem auf die «grosse politische Symbolkraft», die eine derartige Durchmesserlinie habe, bei der man nicht umsteigen muss. Die grüne Linie hatte am 31. Mai 1997 ihren Betrieb aufgenommen und galt als Schrittmacher für die Regio-S-Bahn Basel. Umso grösser war das Entsetzen auf Schweizer Seite, als die Elsässer ihren Betrieb elf Jahre später einstellten. «Für die Regio war das ein Riesenverlust – psychologisch wie auch materiell», urteilt Helmut Hersberger, Basler FDP-Grossrat und derzeit Präsident des Oberrheinrats, eines grenzüberschreitenden Gremiums, in dem die Parlamentarier der Oberrheinregion vertreten sind.

Wer heute von Mulhouse kommt und weiter Richtung Frick will, muss im Basler Bahnhof SBB eine halbe Stunde warten, bevor er umsteigen kann. Wie Alain Groff glaubt Helmut Hersberger, dass die Frankreich-Zulassung der Flirts die Frage der grünen Linie wieder aufleben lassen wird. Für Stephan Maurer, Präsident der IG öffentlicher Verkehr Nordwestschweiz, ist es von höchstem Interesse, bald die Entscheidung zu fällen, dass die Linie den Betrieb wieder aufnimmt.

Die SBB sehen das so: «Die Chancen stehen gut, dass die Linie Mulhouse–Frick im Laufe der nächsten drei Jahre wieder durchgehend befahren wird», teilt Mediensprecherin Lea Meyer mit. Sie verweist aber auch darauf, dass das Projekt von der Politik, will heissen vom Bundesamt für Verkehr, von den Kantonen und der Zusammenarbeit mit Frankreich abhängt.

Geringes Interesse im Elsass

Insbesondere in Frankreich aber scheint das Interesse für die Wiederaufnahme der grünen Linie gering. Von Floriane Torchin, Direktorin für öffentlichen Verkehr bei der Region Elsass, ist trotz mehrtägigen Versuchen keine Stellungnahme zum Thema zu erhalten. Bei der Region heisst es lediglich, dass Untersuchungen in Gange seien, man sich aber derzeit zum Thema nicht äussern könne.

Willi Rehmann, Präsident von Pro Bahn Nordwestschweiz, ist überzeugt davon, dass erst mit dem Bau des EuroAirport-Bahnanschlusses wieder Bewegung in das Dossier grenzübergreifende Regio-S-Bahn nach Frankreich komme. Wenn Rehmann recht hat, bleibt die Idee der Wiedereinrichtung der grünen Linie noch einige Jahre in der Versenkung. Der Bahnanschluss ist für 2017 geplant. (Basler Zeitung)

Erstellt: 31.01.2012, 09:40 Uhr

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10 Kommentare

Farah Ojono

31.01.2012, 10:44 Uhr
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Man wird den Eindruck nicht los dass sich das Elsass mehr und mehr von BS abkoppelt. Die Jungen wollen kein Deutsch mehr lernen und die Politik fördert die Zusammenarbeit auch nicht gerade. Seit letztem Jahr arbeiten mehr DE als FR in Basel. Zum Wandern gehe ich mittlerweile lieber Richtung Kandern als nach Altkirch wegen den öffentlichen Verkehrsmittel (in FR nicht existent). Schade ... Antworten


Ernst Michael Buchmann

31.01.2012, 10:55 Uhr
Melden 6 Empfehlung

Grenzen entstehen leider immer zuerst im Gehirn! Antworten



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