Basel
Ein Tee um sich die Kugel zu geben
Von Grégory Witmer. Aktualisiert am 06.09.2012 7 Kommentare
Dossiers
Artikel zum Thema
- Eine «Kalte Muschi» aus Sissach
- «Viel warmen Tee anstatt Alkohol trinken»
- «Na und? Ich fühle mich wohl»
Teilen und kommentieren
Stichworte
Etwas gesehen, etwas geschehen?
Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von baz.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an
4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...
Korrektur-Hinweis
Melden Sie uns sachliche oder formale Fehler.
Im ersten Bubble-Tea-Store Basels ist es hell und freundlich. Draussen bleiben immer wieder Leute stehen und schauen scheu durchs Schaufenster. Hinter der Theke steht Stephan Locher, Gründer und Geschäftsinhaber des kleinen «Tiantianhao» in der Gerbergasse, was auf chinesisch soviel heisst wie: «Tag für Tag gut». Grundsätzlich besteht der Bubble-Tea aus drei Zutaten. Die Basis bildet ein Schwarztee oder Grüntee. Dieser wird mit einem Fruchtsirup vermischt. Die dritte Zutat sind sogenannte «Bobbas», das sind Kügelchen aus Stärke. Im taiwanesischen Original sind sie schwarz, es gibt sie aber auch farbig und mit Sirup gefüllt.
Serviert wird das ganze im Plastikbecher mit einem dicken Strohalm. Der Tee selber schmeckt unspektakulär aber erfrischend, einzig wenn die Stärkekugeln, deren Oberfläche an Frischhaltefolie erinnert, durch den Halm eingesaugt werden, ist das etwas gewöhnungsbedürftig. Wenn die Kugeln dann platzen und der süsse Sirup sich auf der Zunge verteilt, wird klar, welche Zielgruppe das Produkt hat: Kinder und sonstige Schleckermäuler.
Schlagzeilen in Deutschland
Auf die Idee mit dem speziellen Tee kam Locher, als er vor einigen Jahren in Australien studierte. «Dort waren Bubble-Teas damals, um das Jahr 2004, der Renner. Ich dachte aber zuerst, das Getränk hätte in der Schweiz keine Chance.» Als er vor drei Jahren in Singapur war und sah, wie die Leute lange Schlange standen, um sich das Getränk zu kaufen, hat ihn das aber überzeugt, es zuhause doch zu versuchen. Bis jetzt laufe es eigentlich ganz gut, wenn man bedenkt, dass ausser für Flyer und den Onlineauftritt kein Geld in die Werbung geflossen sei.
130 bis 200 Kunden kämen täglich, diese seien meist zwischen 15 und 25 Jahre alt. Aber auch ältere Leute probierten zwischendurch, und oft sei die Resonanz positiv. Seit einiger Zeit zieht sich jedoch ein negatives Bild des Bubble-Teas durch die Medien, da das deutsche Institut für Hygiene und Umweltmedizin in einer Stichprobe von taiwanesischen Bobbas eine Reihe gesundheitsschädlicher Stoffe gefunden hat. «Das passiert bei den Grossproduzenten. Mein Laden wird von einem kleinen Familienunternehmen in Taiwan beliefert, das alle Produkte nur aus echten Früchten herstellt», entgegnet Locher.
Ein Tee wie eine Tafel Schokolade
Ein weiterer Kritikpunkt ist der hohe Zuckergehalt im asiatischen Original. Diesen habe er bewusst reduziert, die Teebasis sei bei ihm zum Beispiel ungesüsst. Der Kunde könne aber, wenn er das denn wünsche, extra Zucker in seinen Tee haben. Aber auch ohne Zuckerzusatz enthält ein grosser Becher (ein halber Liter kostet sieben Franken) bis zu 450 Kilokalorien. Das ist fast die Energiemenge, die in einer Tafel Schokolade steckt, und kritisch, schliesslich ist Übergewicht ein immer grösseres Problem der Industriestaaten. «Moralische Bedenken habe ich keine. Die Leute trinken ja auch Cola. Jeder muss seine Grenzen eben selber kennen», sagt Locher. Auch das Bundesamt für Gesundheit (BAG), das Empfehlungen in Sachen Ernährung abgibt, meint: «In einer ausgewogenen Ernährung haben Süssigkeiten und gesüsste Getränke Platz, sofern sie mit Mass genossen werden».
Keinen Bubble-Tea im Supermarktregal
Auch der häufig genannten Gefahr, kleine Kinder könnten sich an den «Bobbas» verschlucken und daran ersticken, wurde Rechnung getragen. Auf der Getränkekarte werde auf dieses Risiko hingewiesen, und bis jetzt habe sowieso nie jemand einen der Tees für ein Kind gekauft. «Die Eltern wollen gar nicht, dass kleine Kinder Bubble-Tea trinken», stellt Locher fest. Manchmal kämen auch Touristen aus aller Welt, die das Getränk aus ihrer Heimat kennen, und in der Ferne nicht darauf verzichten wollen. Ihre Zufriedenheit zeige, wie sehr man den asiatischen Vorbildern ähnle. Eine Expansion käme für Locher schon in Frage, man halte immer Ausschau nach neuen attraktiven Standorten. Das Geschäft sei auf dem Franchisingmodell aufgebaut. Aber seinen Tee in Dosen verkaufen, wie es mit vielen In-Getränken geschehe, käme nicht in Frage. «Die frische Zubereitung ist uns zu wichtig». Dass in diesem Markt Potenzial steckt, zeige die Migros, die eigene Bubble-Tea-Stores in Zürich und Bern eröffnet hat. (baz.ch/Newsnet)
Erstellt: 06.09.2012, 09:30 Uhr
Kommentar schreiben
Verbleibende Anzahl Zeichen:
7 Kommentare
Ich werde nie solch ein Zuckergetränk kaufen, es hat mehr Zucker drin als bei Coca-Cola. Ich frage mich, wieviel Zucker reduziert wird, auf Wunsch! <
Basel
Abopreise vergleichen
Der Handy-Abovergleich mit Ihrem gewünschten Mobiltelefon und Prepaid-Angeboten.

Bitte warten





















