Basel
Ein ganz normales Gewaltweekend in Basel
Von Raphael Suter. Aktualisiert am 30.05.2012 71 Kommentare
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An diesem Pfingstwochenende hat Basel schweizweit für Schlagzeilen gesorgt. Nicht als Fussball- oder Kulturstadt, wie sich Basel selber gerne sieht, sondern als Gewaltstadt. Ein Überfall am frühen Sonntagmorgen im Kleinbasel, eine Massenschlägerei mitten am Sonntagnachmittag auf dem belebten Centralbahnplatz, eine Schiesserei mit einem Verletzten am Sonntagabend und am Montagabend dann auch noch eine gewalttätige Auseinandersetzung mit wiederum einem Verletzten im Männerheim. Dies die erschreckende Bilanz zweier Tage.
Basel macht Negativschlagzeilen, die Bevölkerung ist einmal mehr verunsichert, und wie verhalten sich die Behörden? Sie beschwichtigen und verharmlosen – ebenfalls einmal mehr. Es habe an diesem Wochenende keine besondere Häufung von Gewalttaten im öffentlichen Raum gegeben, lässt der Kommunikationsleiter im Justiz- und Sicherheitsdepartement auf Anfrage verlauten. Der zuständige Vorsteher, Regierungsrat Hanspeter Gass, war gestern «ortsabwesend», der Kommandant Gerhard Lips kam erst abends aus dem Ausland zurück und der Terminkalender seines Stellvertreters sei so «übervoll», dass er sich «nicht freischaufeln» könne, hiess es aus dem Departement. Niemand hielt es für notwendig, Klartext zu reden, die Fakten aus Sicht der zuständigen Stellen aufzuzeigen und vor allem das Vertrauen der Bevölkerung in die Polizeikräfte und das Sicherheitsdispositiv in Basel zu stärken.
Täter von der Polizei unbehelligt
Das völlig unsensible Vorgehen erinnert an die missglückte Aufarbeitung der Tumulte um den Voltaplatz im vergangenen September. Auch damals trat Hanspeter Gass zu spät vor die Medien und verspielte so seine Glaubwürdigkeit. Und auch jetzt scheint er aus dem damaligen Informationsfiasko nichts gelernt zu haben und zeigt wiederum überhaupt kein Sensorium für die Ängste und Unsicherheiten der Bevölkerung. Keine bessere Figur macht die Polizeiführung, die das Gewaltweekend als Normalität darstellt. Danach müssen wir uns also daran gewöhnen, dass sich gewalttätige Gruppen auf den Basler Plätzen gegenseitig die Köpfe einschlagen, dabei auch Passanten verletzten und von der Polizei unbehelligt flüchten können.
Im Zusammenhang mit der Sicherheitsinitiative wurde immer wieder betont, dass Basel sicher ist und die Gewaltzunahme nur eingebildet sei und von den Medien hochgespielt werde. Die jüngste Kriminalstatistik hat da eine andere Sprache gesprochen und jetzt belehrt uns auch die Realität fast täglich eines Besseren. Das Schweigen der Behörden wirkt da nur noch zynisch und hilflos. (Basler Zeitung)
Erstellt: 30.05.2012, 11:56 Uhr
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71 Kommentare
ZITAT: "Es habe an diesem Wochenende keine besondere Häufung von Gewalttaten im öffentlichen Raum gegeben...". Mit anderen Worten: Für die verantwortlichen Kader in Regierung und Polizei war das alles, was da passierte, "ganz normal". Ich glaube, DA LIEGT DAS PROBLEM! Antworten
Ich bin froh, dass die Behörden in dieser Situation nicht so hyperventilieren, wie die Artikelschreiber der BaZ. Wenn es etwas zu ändern gibt im Sicherheitsdispositiv - und das gibt es meiner Meinung nach auch -, dann bitte vernünftig und langfristig. Vertrauen schafft man nicht, indem man einmal im Jahr den Betroffenen spielt und dann unüberlegte Schnellschüsse produziert. Antworten
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