Basel

Ein staatliches Bordell soll her in Basel

Von Nadja Widmer. Aktualisiert am 06.10.2009 12 Kommentare

Eine Studie zeigt: Sexarbeiterinnen sind verschiedensten Arten von Gewalt ausgesetzt. Verbesserte Arbeitsbedingungen könnten dies ändern, sagt Nicole Wehrle. Nicole Wehrle von der Aidshilfe fordert verbindliche Richtlinien im Sexgewerbe.

Arbeiten in geregeltem Rahmen: Prostituierte haben schwierige Arbeitsbedingungen – der Staat soll sie besser schützen, fordert die Aidshilfe.

Steph Berger

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«Im Sexgewerbe läuft vieles in einer Halbschattenwelt ab», sagt Nicole Wehrle, die bei der Aidshilfe beider Basel zuständig ist für Aidsprävention im Sexgewerbe. «Solange die Frauen unter schlechten Bedingungen arbeiten, ist die Gefahr gross, dass sie unter Druck auf Kondome verzichten.»

Schlechte Bedingungen, das bedeutet: Die Frauen sind oft illegal oder mit einem Touristenvisum in der Schweiz und bezahlen überrissene Preise für ihre Zimmer. «Wir sprechen hier von 300 Franken pro Woche – für ein Zimmer, das sie sich mit einer anderen Frau teilen müssen», sagt Wehrle. Um eine solche Miete bezahlen zu können, erhöht sich der Druck auf die Frauen, sich auf Sex ohne Kondom einzulassen.

Sexarbeit muss als Arbeit definiert werden

Ungeschützter Sex ist nur ein Problem, Nötigungen und Misshandlungen weitere. Dies ergab eine Studie der Sozialwissenschaftlerinnen Eva Büschi und Maritza Le Breton der Hochschule für Soziale Arbeit in Olten. Sie untersuchten die Situation der Sexarbeiterinnen im Raum Basel. Ihr Fazit: «Frauen, die illegal in der Schweiz sind, befinden sich in einer extrem schwachen Position und sind somit psychischer wie körperlicher Gewalt praktisch schutzlos ausgeliefert.» Um diesen Zustand zu ändern, müsste die Sexarbeit als Arbeit definiert werden, so Le Breton.

Frauen, die illegal (meist mit einem Touristenvisum) in der Schweiz als Prostituierte arbeiten, würden sozusagen nie eine Anzeige wegen Nötigung, Vergewaltigung oder Misshandlungen machen, sagt Kriminalkommissär Peter Gill. Anders sehe es bei Schweizerinnen oder Ausländerinnen mit legalem Status aus. Die Angst vor der Polizei belegen auch die Resultate der Studie der Sozialarbeiterinnen.

«Frauen aus Brasilien oder Thailand sind nun mal einfach gefragt»

Nicole Wehrle hat einen unkonventionellen Vorschlag: «Wenn der Staat ein Bordell einrichten würde, in dem Minimalstandards gelten, so wäre allen gedient.» Mit Kondomen auf den Zimmern, Handtüchern und Duschen. Für die Sexarbeiterinnen müsste es faire Zimmerpreise geben und Präventionsmaterial bereitliegen. Natürlich müssten auch rechtliche Bedingungen geschaffen werden, damit die Sexarbeiterinnen legal arbeiten können. Schweizerinnen und Ausländerinnen aus EU-Staaten können dies bereits. «Aber gerade Frauen aus Staaten wie Brasilien oder Thailand sind nun mal einfach gefragt.» Mit einer Legalisierung der Sexarbeiterinnen – zumindest für eine gewisse Zeit – könnten diese auch zu staatlichen Abgaben verpflichtet werden.

Wehrles Hoffnung ist, dass die Bordellbetreiber mitziehen und ihre Standards anpassen würden. Ihr schwebt so etwas wie ein Gütesiegel für Bordelle vor. Sie sei sich im Klaren darüber, dass der Kanton kein Bordell betreiben könne. Aber mit ihrem Vorschlag möchte sie die Bildung einer Arbeitsgruppe aus Behördmitgliedern, Aidshilfe-Mitarbeitern, Leuten aus dem Milieu und Freiern forcieren. «Ich kenne Freier, die bei den Prostituierten gerne auf ein Label setzten würden.» Wie beim Bio-Gemüse. (Basler Zeitung)

Erstellt: 06.10.2009, 08:34 Uhr

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12 Kommentare

Peter Waldner

07.10.2009, 11:51 Uhr
Melden

Gut gemeint, löst aber das Problem kaum. Sicher wäre eine Verbesserung der rechtlichen Bedinungen richtig. Es ist ein Irrtum zu glauben, dass "Leute aus dem Milieu" (primär an höheren Preisen interessiert), oder Freier, die sich ein "Gütesiegel" leisten könnten, die richtigen Partner wären. Die Masse der (oft eingewanderten) Männer, die kaum Geld haben, suchen weder "Bio" noch "staatliche Abgaben" Antworten


Malte Gross

06.10.2009, 09:54 Uhr
Melden

Vernünftige Idee! Antworten



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