Basel
Eine neue Halle in alter Hülle
Von Christian Mensch und Patrick Künzle. Aktualisiert am 31.01.2011 9 Kommentare
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Die Basler Regierung will die St. Jakobshalle bloss sanieren, die Zuschauerkapazität jedoch nicht vergrössern. Der ehemalige Hallenchef Thomas Kastl kritisiert dies. Soll die St. Jakobshalle grösser werden?
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Die Finanzkontrolle Basel-Stadt hatte vor Jahresfrist die Wirtschaftlichkeit der St. Jakobshalle geprüft. Eine ihrer Schlussfolgerungen: «Für die zukünftige Wettbewerbsfähigkeit muss eine solide Grundlage geschaffen werden.» Eine als «absolut notwendig» bezeichnete Massnahme lautet: «Kapazitätsausbau auf ca. 11'000 Besucher». Von einer Aufstockung um 2000 Plätze will die Basler Regierung nun nichts mehr wissen. In dem vorige Woche publizierten Ratschlag zur Sanierung und Modernisierung der St. Jakobshalle heisst es: «Der Bedarf nach einer wesentlichen Erhöhung der Zuschauerkapazität ist nicht gegeben.» In Zürich und Strassburg gebe es schon Hallen mit 13'000 und 12'000 Plätzen, sodass eine neue Halle in Basel lediglich den Konkurrenzkampf um die gleichen Veranstaltungen erhöhen würde.
Thomas Kastl, der frühere Hallenchef und heutige Chef des Konzertveranstalters Good News, sagt, diese Variante sei in den Planungen nie zur Diskussion gestanden. Kastl, dessen Wirken von der Finanzkontrolle ausdrücklich positiv gewürdigt wurde, fühlt sich diesem Basler Eventort noch immer stark verbunden. Er sagt: «Für eine Halle in der bestehenden Grössenordnung gibt es keinen Markt.»
Auf Nachfrage begründet Thomas Riedtmann, Leiter Zentrale Dienste im Erziehungsdepartement: «Die Investitionskosten für 11'000 Plätze wären unverhältnismässig viel höher gewesen als für 9000 Plätze.» Die zusätzlichen rund 30 Millionen Franken seien für 2000 Plätze nicht zu rechtfertigen, sagt Riedtmann. Aus dem Ratschlag, den die Basler Regierung vor gut einer Woche publiziert hat, ist eine korrekte Kosten-Nutzen-Relation allerdings nicht ersichtlich, wie Recherchen zeigen.
Kein idealer Vorschlag
Vier Szenarien mit den ungefähren baulichen Kosten sowie mit einem Betriebskonzept entwickelte seit März 2009 eine Projektgruppe, bestehend aus drei Departementen und verstärkt durch das Zürcher Planungsbüro Intep AG. Das Spektrum reicht von einer Minimalvariante A «Sportbetrieb» (42 Millionen) über Variante B «Klein aber fein» (97 Millionen) und Variante C «Neuorientierung» (117 Millionen) bis zur Variante D «Sanierung und Neubau» (175 Millionen).
Keiner der Vorschläge entsprach offensichtlich den internen Vorstellungen: Entweder verunmöglichten sie durch eine Platzreduktion (A und B) die Swiss Indoors oder der Preis lag zu hoch (B, C und D). Nun schlägt die Regierung eine Variante B+ vor, die das Unmögliche möglich macht: Mit 86 Millionen Franken soll sie elf Millionen günstiger sein als Variante B, aber dennoch die Vorteile der nochmals 20 Millionen Franken teureren Variante C bringen. Die Pointe: Während die Variante C eine Erweiterung der Gebäudehülle vorsah, sollen nun die Zusatznutzen in verdichteter Form innerhalb der bisherigen Hülle untergebracht werden. Oder wie Thomas Riedtmann erklärt: «Mit Variante B+ wird die Hallenkapazität von 9000 Plätzen erhalten, obwohl aufgrund der zwingenden Verbreiterung sämtlicher Fluchtwege viele der heutigen Plätze wegfallen.» Pläne zu dieser architektonischen Meisterleistung liegen noch nicht vor, dafür liefert der Ratschlag Erklärungen, wie es zum erstaunlichen Preisnachlass kommt: Einerseits könnten bauliche Massnahmen genutzt werden, die entweder in den vergangenen zwei Jahren schon umgesetzt worden sind oder noch in diesem Jahr umgesetzt werden. Andererseits hätten «bautechnische Abklärungen neue, positive Erkenntnisse» geliefert.
Auf die Nachfrage, weshalb die doppelt begründete Kostensenkung nur bei der Variante B+ wirksam wird, hat das zuständige Baudepartement eine verblüffende Antwort: «Die Anrechnung könnte selbstverständlich auch für die Varianten B und C vorgenommen werden. Diese Varianten wurden jedoch kostenmässig nicht nochmals überarbeitet, weil sich die Differenzen in der Unschärfe der Kostengenauigkeit bewegen.» Im Klartext: Der Ratschlag, der für alle Varianten die gleiche Kostengenauigkeit von +/–30 Prozent ausweist und immerhin die Entscheidungsgrundlage für den Grossen Rat darstellt, ist bei der entscheidenden Darstellung der verschiedenen Varianten einfach falsch. Das tatsächliche Plus der favorisierten Variante B+: Die ungefähren Kosten liegen unter 90 Millionen Franken und die Swiss Indoors können weiterhin in der Halle stattfinden.
Sanierung von 2004
Das Festlegen eines finanztechnisch begründeten Kostendachs hat bei der St. Jakobshalle allerdings schon einmal nicht funktioniert. Berechnungen im Jahr 2001 hatten einen Sanierungsbedarf von 16 Millionen Franken ergeben. Die Regierung beschloss jedoch, mehr als zehn Millionen dürften für die multifunktionale Sport- und Eventstätte nicht ausgegeben werden. Ein abgespecktes Projekt wurde entwickelt und erneut berechnet. Wieder ergab sich eine Investitionssumme von 16 bis 18 Millionen Franken. Die Regierung blieb hart: Mehr als zehn Millionen dürfe es nicht kosten. Der Grosse Rat folgte dem Antrag und bewilligte 2004 den runden 10-Millionen-Betrag.
Im aktuellen Ratschlag ist nun en passant zu entnehmen, dass das 2004 gesprochene Geld anders eingesetzt wurde als damals versprochen. Es habe sich gezeigt, «dass die Halle ein stark unterschätztes Defizit bezüglich Brandschutz und Sicherheit für das Publikum aufwies». Und: «Die Umsetzung dieser Auflagen machte einen Verzicht auf einige der vorgesehen Massnahmen zur Verbesserung der Halleninfrastruktur zu Gunsten der Eventveranstalter notwendig.» Konkret: Die zehn Millionen Franken reichten für das bewilligte Projekt bei Weitem nicht, wobei die Verwaltung die Verwendung der Gelder in eigener Regie umdirigierte.
Die Variante B+ für eine «optimierte mittelgrosse Mehrzweckhalle für Sport- und Eventanlässe» brilliert nach Ansicht der Regierung vor allem mit einem günstigen Aufwand-Ertrag-Verhältnis und damit mit verbesserter Wirtschaftlichkeit. Per Saldo resultiere aus dem Hallenbetrieb ein Gewinn von 2,3 Millionen Franken, schreibt die Regierung.
Miete fehlt
Ein Vergleich mit den Abrechnungen der Jahre 1999 bis 2008 aus dem Bericht der Finanzkontrolle legt nahe, dass beim Aufwand lediglich der Sach-, jedoch nicht der Personalaufwand berücksichtigt worden ist. Eingestandenermassen nicht berücksichtigt ist die seit 2008 gültige verwaltungsinterne Mietzinsverrechnung. Thomas Riedmann sagt, die kalkulatorische Miete werde ausgeklammert, um eine Vergleichbarkeit der Wirtschaftlichkeit über die Jahre sicherstellen zu können. Bei der Betrachtung der Gesamtwirtschaftlichkeit sei sie ohnehin nicht relevant.
Ein Kunstmuseum, das schon heute 2,4 Millionen in seinem Budget für die interne Miete eingestellt hat, mag diese Art der Buchhaltung anders beurteilen. Für das aktuelle Projekt liegt der Vorteil allerdings auf der Hand: Ohne Mietverrechnung werde die sanierte St. Jakobshalle eine Rendite von 2,7 Prozent auf die Investition ausweisen. Wird die Miete von gut vier Millionen Franken jährlich berücksichtigt, wie es auch die Finanzkontrolle vorschlägt, dann landet auch die Saldorechnung im roten Bereich. (Basler Zeitung)
Erstellt: 31.01.2011, 07:24 Uhr
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9 Kommentare
So ist es in Basel, mann kommt nicht über das Kleinstadtdenken hinaus in der Politik und der Gedanken Provinz bleibt Provinz geht einfach nicht weg.Aber die Politik weis es doch immer besser, die Variante kommt dann einfach 3-4 Jahre später und kostet das dreifache. Hoffe das letzte Wortbist noch nicht gesprochen. Antworten
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