Basel
Es gibt sie noch, die Stange für drei Stutz
Von Michel Schultheiss. Aktualisiert am 03.02.2012 34 Kommentare
Die Bierpreise nach Farben sortiert. Blau: Hier kostet eine Stange weniger als vier Franken. Grün: Preise zwischen 4 Franken und 4.50 Franken. Gelb: Zwischen 4.60 und 4.90 Franken. Die roten Punkte zeigen alle Bierpreise ab fünf Franken. Mit einem Klick auf den Punkt wird das Lokal angezeigt.
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Feldschlösschen hat per Mai eine Erhöhung des Bierpreises um 4,4 Prozent angekündigt. Dies hat auch Auswirkungen auf viele Restaurants. Doch schon heute sind die Preise für eine Stange Bier in Basel sehr unterschiedlich. Spitzenreiter ist die Bar des Hotels Les Trois Rois: Dort kostet eine Stange stolze neun Franken– mehr als das Doppelte als nebenan in der Weinwirtschaft «Der vierte König». Barchef Thomas Huhn rechtfertigt jedoch diese Preispolitik: «Der Kunde bezahlt nicht bloss für das Bier, sondern für das Ambiente, den Service sowie den Apéro à discretion». Dies alles sei in Basel sonst nirgends zu haben, betont Huhn, welcher 2009 als Barchef des Jahres ausgezeichnet wurde. Das Hotel Drei Könige stellt hier eher eine Ausnahme dar. Aber auch in vielen anderen beliebten Ausgangslokalen ist das Bier teuer. Im Des Art's, Eo Ipso, Osteria Acqua, Bar Rouge und Atlantis kostet eine Stange zwischen fünf und sechs Franken.
Die meisten anderen Basler Bars und Restaurants verlangen hingegen zwischen 4.20 und 4.90 Franken. Am günstigen kommt es für den Biertrinker in den Quartierbeizen. Den tiefsten Preis haben wir in der Johanniter Café-Bar angetroffen. Hier werden bloss drei Franken einkassiert. In weiteren Restaurants, die sich in Distanz zum Zentrum befinden, zum Beispiel im Klybeck-Quartier, werden ebenfalls weniger als vier Franken verlangt. Auch im Restaurant Zum Schiefen Eck, im Herzen der Kleinbasler Innenstadt, befindet sich eine Stange noch in dieser Preiskategorie.
Vierfranken-Grenze kein Thema mehr
Wo liegen die Gründe für diese Preisdifferenzen? Maurus Ebneter, Mediensprecher des Basler Wirteverbandes, nennt als entscheidende Faktoren den Servicestandard, die Lage, die Investionen in das Interieur des Lokals sowie die anvisierte Kundschaft. In Frankreich und Italien seien diese Unterschiede noch viel frappanter, beispielsweise zwischen Landkneipen und Touristenrestaurants. «Im Vergleich dazu sind wir geradezu noch Waisenknaben», meint Ebneter. Ein angemessener Preis für eine Stange könne so nicht genannt werden; es müsse von Lokal zu Lokal differenziert werden. Bis auf ein paar Ausnahmen wie das Brombi sei auch die Vierfranken-Grenze längst kein Thema mehr. Vielmehr stehe in den meisten Basler Beizen zur Diskussion, ob die Schwelle von fünf Franken bald überschritten werde. Ein solcher Betrag sei für einen Club in Ordnung, doch für eine Bar oder ein Restaurant etwas zu viel, findet Jeanny Messerli von der KaBar in der Kaserne. Ob die Schmerzgrenze von fünf Franken auch in Zukunft von der Mehrheit der Beizen nicht erreicht wird, ist noch offen.
Der angekündigte Aufschlag durch die Feldschlösschen-Brauerei trifft nicht alle Lokale gleichermassen: Beispielsweise beim Restaurant Lällekönig sieht man darin kein Problem. Da es dort ein grosses Angebot an Biermarken gibt, lässt man sich von der Entscheidung aus Rheinfelden nicht beeindrucken. Auch Ruedi Spillmann vom Restaurant Weiherhof kann der geplanten Erhöhung nur wenig abgewinnen. Schlussendlich müssten die Gastronomen vor der Kundschaft für die Erhöhung geradestehen. Deshalb will er den Stangenpreis von 4.40 Franken beibehalten. Andere Lokale sehen sich gezwungen, die Preiserhöhung weiterzugeben. «Am Ende bezahlen die Kunden, doch ich leide auch mit», meint Mirko Pavkovic von der Templum-Bar. Er schenkt Feldschlösschen-Bier aus und hat schon gestern den Preis für eine Stange widerwillig angepasst. Auch Maurus Ebneter meint, dass sich die von Feldschlösschen unternommene Preisstrategie früher oder später auf die Konsumenten abwälzen werde - so auch in der Tiefpreishochburg «Johanniter». Allerdings dürfte dies nicht von heute auf morgen geschehen.
Haben wir ein Lokal mit besonders günstigen oder besonders hohen Bierpreisen übersehen? Melden Sie es uns per E-Mail auf online@baz.ch oder per SMS auf die Nummer 4488. (baz.ch/Newsnet)
Erstellt: 03.02.2012, 08:43 Uhr
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