Basel
Es harzt bei der Entwicklung am Klybeckquai
Von Martin Regenass. Aktualisiert am 16.07.2012 6 Kommentare
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Der Motor für die Belebung des Klybeckareals entlang der Uferstrasse verliert immer mehr an Kraft. Nur gerade drei statt der anfänglich acht vorgesehenen Zwischennutzungsprojekte werden diesen Sommer realisiert. Erst im nächsten Frühjahr starten können drei Projekte, die auf den Geleisen der Hafenbahn auf der Höhe des Migrol-Tanklagers geplant waren. Der Rückbau des Tanklagers wird nicht vor Ende Jahr abgeschlossen sein. Der Bodengrund muss ausgehoben und die Erde auf Rheinschiffe verladen werden. Die drei Projekte, namentlich die Landestelle, Perron 4 und Panama, kämen bei den Arbeiten in die Quere.
Betroffen von der Verzögerung ist Thomas Brunner. Er ist Mitinitiant des Projekts Perron 4, das von einer Jury aus 60 Projekten zur Umsetzung ausgewählt wurde. Zusammen mit seinem Team möchte Brunner einen rund sieben Meter hohen Infrastrukturturm aufstellen, der sich wie ein Seekoffer öffnen und schliessen lässt. Darin Unterschlupf finden soll ein mobiles Studio von livingroom.fm und ein Gastronomiebetrieb. Brunner ist enttäuscht, dass sich das Projekt diesen Sommer nicht realisieren lässt: «Wir haben unzählige Stunden in unserer Freizeit und eine Menge Geld investiert. Und ein 30-seitiges Baugesuch fertiggestellt. Da hätten wir eigentlich erwartet, dass wir noch diesen Sommer loslegen könnten.»
Ball wird hin und her geschoben
Klaus Bernhard, Mitinitiant des Projekts Landestelle, einem «Stadtgarten mit gastronomischem Angebot», der ebenfalls erst nächstes Jahr in Betrieb geht, ist nicht überrascht über die Situation: «Nachdem wir den Zuschlag für unser Projekt kriegten, war uns ziemlich bald klar, dass es sich diesen Sommer nicht realisieren lässt.» Viel Geld habe Bernhard deshalb bewusst nicht investiert. «Klar können die Verzögerungen für Aussenstehende ärgerlich erscheinen, wenn man sich aber intensiv mit der Thematik auseinandersetzt, sind sie verständlich», sagt Bernhard. Damit spricht er die verschiedenen Stellen an, die in das Zwischennutzungsprojekt eingebunden sind. Mit den Schweizerischen Rheinhäfen, die als Vermieter auftreten, und dem Präsidialdepartement, federführend für Zwischennutzungsprojekte beim Kanton, und dem Baudepartement, verantwortlich für Bewilligungen, sind das deren drei.
Dass es zur Verzögerung kam, weil die verschiedenen Stellen untereinander nicht gut vernetzt seien, verneint Mediensprecherin Nina Hochstrasser von den Schweizerischen Rheinhäfen: «Wir tauschen uns regelmässig aus. Die Zusammenarbeit ist sehr eng. Da es sich um ein Projekt mit Pioniercharakter handelt, kann man nicht von Problemen bei der Zusammenarbeit reden.»
Positive Aspekte
Brunner hat während des Entwicklungsprozesses andere Erfahrungen gemacht mit dem «Ämtligeist», wie er es nennt: «Ich hatte manchmal das Gefühl, dass die Verantwortung zwischen dem Kanton und dem Hafen hin und her geschoben wurden. Zudem kamen während des Entwicklungsprozesses neue Bestimmungen hinzu, die es zu beachten galt. Irgendwann wird man da müde.» Trotz der Aufschiebung seines Projektes und einer leisen Enttäuschung sieht er positive Aspekte: «Wenn das Ganze einmal angelaufen ist, dann ist das ein Schweizer Vorzeigeobjekt.»
Olivier Wyss, Projektleiter seitens des Präsidialdepartements, sagt, dass sich der Entwicklungsprozess durch die vielen Ansprechpersonen in den verschiedenen Ämtern und beim Hafen schon verlangsamt habe. Er rechnet der Entschleunigung allerdings auch eine positive Eigenschaft an: «Dass man sich Zeit nimmt, führt zu Rahmenbedingungen, die Raum dafür schaffen, dass sich die Projekte einst eigenständig entwickeln können und neue hinzukommen.» Die Verantwortung soll also langsam vom Kanton und den Schweizerischen Rheinhäfen zu den Projektbetreibern übergehen. Sie entscheiden dann, mit welchen allfälligen weiteren Projekten das Areal bespielt werden könnte. Dazu müssen sich die sieben Projekte in einer Trägerschaft zusammenschliessen, die sich beispielsweise in Form eines Vereins organisieren lässt. Eine der Aufgaben der Trägerschaft wird es dann sein, eine Geschäftsstelle zu organisieren, die als Ansprechpartner beispielsweise für Leute aus dem Quartier, dem Kanton oder den Rheinhäfen dient. Laut Wyss soll diese im September besiegelt werden.
Drei Projekte starten
Eines der Projekte, welche diesen Sommer starten, ist Marina Basel, eine Buvette untergebracht in einem alten Bauwagen, die bereits letzten Herbst auf dem Klybeckquaivor dem Ex-Esso-Areal in Betrieb war. «Uns fehlt einzig noch die Bewilligung für die Gastronomie, dann können wir loslegen», sagt Betreiberin Caroline Rouine. Das dürfte irgendwann zwischen Ende Juli bis Ende August der Fall sein.
In den Startlöchern befindet sich auch das Projekt Port Land, eine Skateranlage auf dem befestigten Teil des Ex-Esso-Areals zwischen Gondrand Logistics und dem Grisard-Bürogebäude. «Wir haben mit ersten Vorbereitungen für den Bau begonnen. Auf die definitive Baubewilligung warten wir noch», sagt Projektleiter Oli Bürgin. Ebenfalls auf dieser Parzelle befindet sich das Projekt Frame. Das Kunstprojekt von Mat Branger und Dominik Ziliotis hat das Ziel, 20-Fuss-Seecontainer zu bearbeiten, die später anderen Nutzungen zugeführt werden sollen. Erste Container befinden sich vor Ort. (Basler Zeitung)
Erstellt: 16.07.2012, 09:56 Uhr
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6 Kommentare
Spontaneität sieht anders aus. Es wird hier alles bis ins Bodenlose "organisiert", bewilligt, rekurriert...usw. Dass -wenn man soweit ist- die Lust und Energie komplett verloren hat. Diejenigen Projekte, die dann bewilligt werden (z.B. Krattiger, Floss) bleiben dann jahrzehntelang ohne, dass die Möglichkeit für Neues entsteht. Antworten
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