Basel

Friedhof Hörnli: Alarmbereitschaft wegen Buchsbaumschädling

Aktualisiert am 16.06.2009 4 Kommentare

Diese Tage könnte eine Armada von gefrässigen Raupen über die Blätter der Buchsbäume auf dem Friedhof Hörnli herfallen. Die Stadtgärtnerei erwartet die zweite Generation und stellt sich auf einen Spritzmittel-Grosseinsastz ein.

1/8 Gefürchtet: Die Raupen des Buchsbaumzünslers sind gelblich, klein und verstecken sich meist auf der Blattunterseite.
Bild: Keystone

   

Das rät der Experte

1. Beobachten:
Suchen Sie die Straüucher regelmässig nach Gespinsten, Raupen und Eiern ab.

2. Bei Befall (also, wenn Sie Gespinste, Raupen oder Eier finden):
In erster Linie können auftretende Raupen in kleineren Beständen von Hand abgesammelt werden. Bei stärkerem Befall ist das Spritzen mit Insektizid ratsam. Dieses muss gut bis tief in den Buchsbaum hinein. Bei flächigen Hecken empfiehlt sich, einen Fachmann vom Gartenbau beizuziehen.


3. Nachkontrolle:

8–10 Tage nach der Behandlung.

4. Erneuter Befall:
Sobald sich wieder Befall zeigt, muss das Prozedere (Punkt 1 bis 3)
wiederholt werden.

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Im April konnte die Stadtgärtnerei nicht länger zuwarten. Der Frühling kam schlagartig, und mit den warmen Sonnentagen schlüpften die Raupen des Buchsbaumzünslers (Glyphodes perspectalis). Um die rund 10 Kilometer Buchsbaumhecken auf dem Friedhof Hörnli vor dem Kahlfrass des Schädlings zu retten, startete die Stadtgärtnerei einen Grosseinsatz mit Insektiziden.

Das Gift hat gewirkt – seither haben die Gärtner keine nennenswerten Funde in den Sträuchern zu vermelden. Diese Woche aber könnte sich der Schädling wieder zurückmelden. «Gut möglich, dass eine zweite Welle kommt, wenn jetzt eine neue Generation Raupen schlüpft», sagt Simon Leuenberger von der Stadtgärtnerei Basel-Stadt. Der Experte ist sich sicher: «Durch den einmaligen Einsatz hat sich das Problem nicht gelöst.»

Insektizid-Einsatz unabdingbar

Für Christoph Wicki, den kantonalen Pflanzenschutz-Experten, muss der Schädling unbedingt an einer weiteren Ausbreitung gehindert werden. «Darum sind auch Gartenbesitzer gefordert», sagt Wicki. «Wer bei sich einen Buchsbaum mit Raupen oder Eiern entdeckt, sollte sofort handeln.» Handeln bedeutet: Bei kleineren Befällen sich im Fachgeschäft das richtige Insektizid besorgen und dann tief ins innere des befallenen Strauches spritzen. Bei grösseren Befällen, Hilfe von einem Gärtner beiziehen.

Nur mit Insektizideinsatz ist dem Schädling noch beizukommen. Nachdem er erst vor drei Jahren aus Ostasien ans Rheinknie eingeschleppt wurde, frisst der Buchsbaumzünsler sich rasant durch Gärten und Pärke der Region. Bis zu vier Generationen bildet der Buchsbaumzünsler im Idealfall pro Jahr. Leuenberger: «Tun wir nichts, hätten wir keine Buchsbäume mehr.» Dies gilt nicht nur für die Buchsbäume in Gärten, Parks und auf Friedhöfen, sondern auch solche im Wald. «Der Buchsbaumzünsler stellt eine ehrhebliche Bedrohung für die Bestände in der Schweiz dar», sagt Roland Engesser von der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft.

Auch in Naturschutzgebiet

Buchsbaum hat wirtschaftlich keine Bedeutung, hingegen halten Fachleute wie Engesser einen Verlust unter dem Gesichtspunkt der Biodiversität und der Ökologie für gravierend. Oberhalb von Grenzach-Wyhlen (D) gibt es ein mehrere Hektar grosses Naturschutzgebiet mit Buchsbäumen. Auch dort haben Förster den Schädling schon entdeckt. Mit Insektizideinsätzen warten die Experten im Wald aber noch zu.

Erstellt: 16.06.2009, 09:57 Uhr

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4 Kommentare

steve walthard

16.06.2009, 09:17 Uhr
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@sonja ansermot: Das stimmt so leider nicht. Dieser Schädling wurde aus Asien importiert und hat hierzulande keine natürlichen Feinde, die ihn in Schranken halten könnten. So wie im vorletzten Jahrhundert eingeschleppte Tiere aus Europa in Australien zum Aussterben von Arten geführt haben. Es gibt aus heutiger Sicht leider nur zwei Varianten: spritzen oder aussterben der Buchsbäume akzeptieren. Antworten


Sonja Ansermot

16.06.2009, 13:49 Uhr
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steve walthard, danke für die Infos. Natürlich möchte ich nicht, das der Buchs ausstirbt. Es ist einfach bedauerlich, das man keine anderen Methoden als Gift zur Verfügung hat. Antworten



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