Basel
Gass will kein Öl ins Feuer giessen
Von David Weber. Aktualisiert am 27.08.2011 11 Kommentare
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Es war ein erschütterndes Video, das die Zürcher Stadtpolizei diese Woche veröffentlichte. Es zeigt randalierende FCB-Chaoten im Letzigrund, die sich am 11. Mai eine Schlacht mit den Sicherheitskräften des Stadions lieferten. Auch für den Basler Justiz- und Sicherheitsdirektor Hanspeter Gass sind solche Bilder «erschreckend». Es sei für ihn unerklärlich, wie man als Anhänger eines Sportclubs in einen solchen Gewaltrausch geraten könne, sagte er. «Es muss etwas geschehen, bevor Menschen sterben. Auch im Interesse jener 98 Prozent der Besucher, die einfach ein tolles Fussballspiel schauen möchten.»
Druck auf die Fussballclubs und die Liga steigt
Nach der Veröffentlichung des Videos in der «Rundschau» erhöhten Politiker den Druck auf die Liga. Etwa die St. Galler Justizdirektorin und Ständeratskandidatin Karin Keller-Sutter oder der Stadtberner Sicherheitsdirektor Reto Nause. «Die Liga soll endlich ihren Teil zur Problemlösung beitragen», forderte Nause. Er verlangt, dass sich die Liga am Runden Tisch «gegen Gewalt im Sport» am 1. September – dort treffen sich Vertreter von Verbänden, Bund, Kantonen und von Fanarbeit Schweiz – freiwillig zu schärferen Massnahmen bekennt. Aber die Kantone werden wohl auch unabhängig vom Runden Tisch rasch eine Verschärfung der Praxis anstreben.
Zur Debatte stehen die Vorschläge der Konferenz der Kantonalen Justiz- und Polizeidirektoren (KKJPD), die vor einer Woche vorgestellt wurden. Konkret geht es um die Bewilligungspflicht für Spiele. Diese könnte mit Auflagen verknüpft werden, die die Sicherheitsvorkehrungen der Clubs sowie die An- und Rückreise der Fans betreffen. So befürwortet die KKJPD Kombitickets (Bahnbillet und Matcheintritt) für Gästefans. Diese sollen geschlossen anreisen und besser kontrolliert werden können. Weiter will die KKJPD Identitätskontrollen beim Stadioneingang. Zur Umsetzung der Massnahmen soll das Hooligan-Konkordat geändert werden. Dieses müsste dann von den Kantonsparlamenten abgesegnet werden.
«Die Hausaufgaben gemacht»
Während Keller-Sutter und Nause Druck auf Liga und Clubs machen, hielt sich der Basler Justiz- und Sicherheitsdirektor Hanspeter Gass (FDP) auffällig im Hintergrund. Dabei ist er der offizielle Vertreter der KKJPD am Runden Tisch. Gass begründet seine Zurückhaltung mit den zwei verschiedenen Funktionen, die er innehat. Als Vorstandsmitglied der KKJPD unterstütze er vorbehaltlos die Verschärfungen des Hooligan-Konkordats, aber als Basler Regierungsrat «bin ich im Interesse von nachhaltigen Lösungen nicht interessiert, unnötig Öl ins Feuer zu giessen», sagt Gass. Denn die letzten relevanten Ausschreitungen in und um den St.-Jakob-Park datieren vom November 2009. «In Basel haben wir die Hausaufgaben gemacht und Massnahmen umgesetzt.»
So gibt es in Basel bereits die Bewilligungspflicht für Fussballspiele. Weiter haben Basel-Stadt und der FCB im Juni 2010 eine Vereinbarung über die Sicherheit rund um Fussballspiele unterzeichnet. Darin haben sie sich unter anderem auf den Ausschank von Leichtbier und eine höhere Beteiligung des Clubs an den Sicherheitskosten der Polizei geeinigt. Gass betont das gute Einvernehmen mit dem designierten FCB-Präsidenten Bernhard Heusler.
Auch wenn Gass deshalb zurückhaltend ist, befürwortet er das Massnahmenpaket der KKJPD. «Wir müssen gewalttätige Matchbesucher deanonymisieren und die Situation bei der An- und Abreise der Fans verbessern.»
Massnahmen versprechen mehr, als sie halten
Thomas Gander, Co-Leiter der Fanarbeit Basel, will sich im Vorfeld des Runden Tisches nicht zu den Vorschlägen der KKJPD äussern. Er sei aber «grundsätzlich skeptisch bei Massnahmen, die den Fan pauschal betreffen», wie dies bei der Idee des Kombitickets der Fall wäre. «Damit werden alle unter Generalverdacht gestellt.» Weiter würden die meisten Massnahmen mehr versprechen, als sie halten könnten, sagt Gander. Mit dem Kombiticket oder ID-Kontrollen am Eingang wolle man verhindern, dass Personen mit Stadionverbot ins Stadion gelangen. Allerdings komme es vor allem vor dem Stadion oder auf dem Weg vom Bahnhof zum Stadion zu Konflikten.
«Um der Gewalt im Fussball begegnen zu können», sagt Gander, «braucht es eine realistische Einschätzung der Situation und keinen Populismus, welcher in letzter Konsequenz nur noch die Kräfte stärkt, die in einer Gewalttat ein legitimes Mittel sehen, um ihre Interessen durchzusetzen.» (Basler Zeitung)
Erstellt: 27.08.2011, 12:38 Uhr
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11 Kommentare
Zurückhaltung von Herrn Gass ist man sich doch gewohnt, denn er möchte ja sogerne wiedergewählt werden! Nur ist es damit leider nicht getan!! Herr Gass sollte sich vielleicht mal bei qualifizierten Psychologen ausserhalb seines Departements darüber informieren woher solche Gewaltausbrüche kommen!! Allerdings könnte es dann sein, dass er Dinge erfährt, die er gar nicht wissen will! Wiederwahl NEIN! Antworten
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