Geothermie-Prozess: Angeklagter weist Vorwürfe zurück

Aktualisiert am 15.12.2009 3 Kommentare

Zum Auftakt des Basler Geothermie-Prozesses hat der angeklagte Bohrfirma-Chef die Vorwürfe der Anklage zurückgewiesen. Dass er Schäden bewusst in Kauf genommen habe, sei «haltlos und inhaltlich absurd», sagte er am Montag. Am Nachmittag werden Experten befragt.

Kurz nach dem Beben am 8. Dezember 2006: Der Bohrturm der beim Hafen Kleinhüningen.

Erich Meyer

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Nach den Erdbeben vom Dezember 2006 mit Stärken bis 3,4 hat eine Versicherung für knapp 300 Forderungen insgesamt rund neun Millionen Franken bezahlt. Neben Sachbeschädigung wirft die Staatsanwaltschaft dem promovierten Geologen Markus Häring in zehn Seiten Anklage-Begründung überdies das Verursachen einer Überschwemmung oder eines Einsturzes vor. Staatsanwalt Thomas Hug müsste dem Geologen allerdings Vorsatz nachweisen können.

Letztere Behauptungen seien völlig realitätsfern, führte der Angeklagte präzis und ruhig aus - nur zitternde Hände verrieten Nervosität: Im Untergrund sei immer Wasser, wenn das Gestein nicht kompakt sei, also könne von Überschwemmung keine Rede sein, und ein Einsturz sei auch unmöglich. Man erhöhe nur lokal den Wasserdruck.

Erfahrung

Das vom Angeklagten mitinitiierte Basler Geothermie-Projekt wollte Wasser durch Fels in 5000 Metern Tiefe pressen und so aufheizen, dass rentabel Strom produziert und Wärme genutzt werden kann. Sein Interesse für Geothermie wuchs in den 90er-Jahren, nach elf Jahren bei Shell und anschliessend diversen Firmen im In- und Ausland.

In einer Arbeitsgemeinschaft mit Ingenieuren und Wissenschaftern und Unterstützung des Bundesamtes für Energie erarbeitete er ein Konzept, das 1997 Stromproduktion als Ziel formulierte. Angeboten wurde es allen grossen Schweizer Stromproduzenten; angebissen hat Basel-Stadt. Wärme mit zu nutzen sollte die Rentabilität steigern.

Geeignet sei die Stadt am Rheinknie wegen dem warmen Tiefengestein, dem grossen Fernwärmenetz, und für grüne Energie bereitstehenden Mitteln. Das natürliche Erdbebenrisiko in Basel relativierte der Angeklagte: Es sei zwar höher als in anderen Landesteilen, aber klar geringer als etwa in ganz Italien oder dem Balkan.

Er betonte, dass die Firma von Anfang an darauf hingewiesen habe, dass es zu Erschütterungen kommen könne. «Man wusste sehr wenig über die Seismizität, darauf wurde in den Projektbeschrieben zu Handen des Amtes für Umwelt und Energie immer hingewiesen. Für alle Beteiligten war es auch ein Lernprozess», erklärte Häring.

Überraschung

Man sei sorgfältig vorgegangen, um Schäden möglichst auszuschliessen. So habe man Verantwortliche eines Pionierprojektes in El Salvador - in einer Stark-Beben-Region - als Berater beigezogen. Man sei stufenweise vorgegangen und habe Szenarien für alle Schritte vorbereitet.

Vor dem stärksten Beben seien alle Erdstösse im grünen Bereich gelegen, erklärte der Angeklagte weiter. Als eines auftrat mit Magnitude 2,7, stellte man die Pumpen ab und wollte die Leitung leeren. Dies sei eigentlich erst bei 2,9 vorgesehen gewesen, aber man habe vorsichtig sein wollen. Dennoch folgte der Stoss mit 3,4.

Dieser habe «schon überrascht», sowohl vom Wert her als auch von der Wahrnehmung - es gab einen hörbaren Knall. Auch die Nachbeben seien ungewöhnlich kräftig gewesen. - Die am Donnerstag publizierte Risikoanalyse, die zum definitiven Aus für das Projekt geführt hat, bewertet die stärksten Stösse ebenfalls als unerwartet stark.

Zukunft

Auf die Frage, warum die Bohrungen in bewohntem Gebiet erfolgten, verwies Häring auf geologische Gründe, die Kostengünstigkeit und Marktfähigkeit sowie die Nähe einer Fernwärmestation. Nicht zuletzt sei es der politische Wunsch der Stadt Basel gewesen, nach Alternativen zu suchen.

Als «ein Fehler» räumte der Angeklagte ein, dass vor dem Start der Wasser-Einpressungen nur ein Communiqué mit einem kleinen Hinweis auf mögliche spürbare Erschütterungen versandt wurde. Er selber leitet die Auftragnehmerin Geothermal Explorers Ltd. und steht in der Projektträgerin Geopower AG auf der vierten Hierarchiestufe.

Für den Angeklagten ist zwar das Basler Pilotprojekt gestorben, nicht aber die geothermische Strom- und Wärmeproduktion. An anderen Standorten bleibe das vielversprechend - auch kommerziell angesichts schwindender Öl und Gas-Reserven.

Am Montagnachmittag treten zwei Wissenschafter als Zeugen vor dem Strafgericht auf. Die Plädoyers sind auf Mittwochnachmittag angesetzt. Das Urteil soll am Montag um 16 Uhr verkündet werden.

Mehr zum Thema können Sie gegen 19 Uhr an dieser Stelle und morgen Mittwoch in der Basler Zeitung lesen. (jg/sda/ap)

Erstellt: 15.12.2009, 15:21 Uhr

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3 Kommentare

Erwin Marti

15.12.2009, 14:52 Uhr
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Ich habe die Verantwortlichen vor dem Beben auf Gefahren hingewiesen und dass ich Vorschläge zur Prüfung hätte die geigneter sind. Um vorsichtig in der Kritik zu sein habe ich nur von suboptimalem Vorgehen gesprochen zu Ba. Sch. zum IWB Chef, zu Häring. Er hat mir gesagt, was wollen sie davon verstehen! Das Häring Verfahren ist in Texas gut wo man A-Bomben im Boden testen kann, geeignet in Basel? Antworten


Abdul R. Furrer

15.12.2009, 16:26 Uhr
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Auf die Anklagebank gehören in erster Linie Ex-Regierungsrätin Schneider und ihre damaligen Chefbeamten, welche wider besseren Wissens alle Risiken bagatellisiert und das Projekt forciert haben ! Antworten



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