Geothermie-Prozessbeginn: Bohrfirma-Chef vor Basler Strafgericht
Erdbeben statt Erdwärme: Das Basler Geothermie-Projekt ist gescheitert.
Artikel zum Thema
- Geothermie-Risikoanalyse: Erschütternd klare Erkenntnisse
- Geothermieprojekt wird definitiv abgebrochen
- Erdbebenrisiko deutlich zu gross für Geothermie in Basel
Etwas gesehen, etwas geschehen?
Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von bazonline.ch/Newsnetz wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS). Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...
Drei Jahre nach dem durch Geothermie-Bohrungen ausgelösten Erdbeben in Basel hat am Dienstag der Prozess gegen Markus Häring begonnen. Der Geologe und Geschäftsführer der Firma Geothermal Explorers Ltd,, ist wegen Sachbeschädigung mit grossem Schaden und Verursachung einer Überschwemmung oder eines Einsturzes angeklagt. Er muss sich vor dem Basler Strafgericht für die Millionenschäden verantworten. Der Prozess ist auf fünf Verhandlungstage anberaumt, das Urteil soll am 21. Dezember gesprochen werden.
Der 57-jährige Häring war Projektentwickler des Basler Geothermie-Projektes Deep Heat Mining. Dieses war 2004 Basler Stadtteil Kleinhüningen gestartet worden und verfügte über starke politische Unterstützung. So war der Kredit von rund 30 Millionen Franken im Basler Grossen Rat wenig umstritten, obwohl gewisse Experten und auch der Schweizerische Erdbebendienst im Vorfeld der Bohrungen vor einem möglichen Beben gewarnt hatten. Am 8. Dezember 2006 kam es in Basel dann zu einem Erdbeben der Stärke 3,4, gefolgt von weiteren, kleineren Beben. Gemäss den Basler Strafbehörden war das Beben sei durch das Geothermie-Projekt ausgelöst worden.
Knackpunkt Vorsatz
Der erste Staatsanwalt von Basel-Stadt, Thomas Hug, muss dem Geologen Vorsatz nachweisen können. Sachbeschädigung aus Fahrlässigkeit ist nicht strafbar. Im Falle einer Verurteilung droht Häring eine Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren. Der Anklagepunkt «Verursachen einer Überschwemmung oder eines Einsturzes» wird gemäss Strafgesetzbuch mit Gefängnis nicht unter einem Jahr bestraft. Die Staatsanwaltschaft muss auch nachweisen können, dass der Öffentlichkeit durch das Erdbeben «grosser Schaden» entstanden ist.
Die Anklage dürfte in diesem Punkt auf die zahlreichen Schadensersatzforderungen verweisen, die seit dem Erdbeben vom Dezember 2006 eingegangen und auch akzeptiert worden sind. 2.700 Schadensmeldungen wurden im Zeitraum Dezember 2006 bis Januar 2007 bei der Geopower AG als Projektverantwortliche registriert. Die Basler Polizei ihrerseits erhielt 292 Schadensmeldungen. Die meisten der Geschädigten - fast ausnahmslos Einwohner des Kanton Basel-Stadt - stellten zu den Schadensersatzforderungen auch Strafantrag. Bis heute zahlte die Geopower AG rund neun Millionen Franken an Geschädigte aus.
Projektstopp nach Risikoanalyse
Der Basler Regierungsrat hatte am vergangenen Dienstag entschieden, das Projekt definitiv zu stoppen. Dies als Reaktion auf eine Risikoanalyse, die ergab, dass allein während dem Anlagenbau mit weiteren schweren Erdbeben und mit Schäden von rund 40 Millionen Franken gerechnet werden müsse. Während des Betriebes seien dann Schäden von rund sechs Millionen Franken pro Jahr zu erwarten.
Kein Thema beim Basler Geothermie-Strafprozess sind die verlochten Investitionen von insgesamt rund 56 Millionen Franken. Das Urteil ist auf kommenden Montag, den 21.12.2009, angesetzt. (jg/ap/sda)
Erstellt: 15.12.2009, 09:03 Uhr
Basel
Meistgelesen in der Rubrik Basel
Umfrage
Düngen Sie mit Asche?
Wer als Hobbygärtner mit Asche düngt, der fügt dem Boden Schadstoffe zu. Deshalb starten die Schrebergartenvereine eine Sensibilisierungskampagne. Düngen Sie auch ab und zu mit Asche?
Zolli-Dossier
Baselworld 2010
Publireportage
Sagen Sie es nicht! Tabusätze in der Beziehung
ElitePartner.ch verrät, welche Sätze Sie besser für sich behalten sollten.
Wetter:






