Basel

Geothermieprojekt wird definitiv abgebrochen

Der Basler Regierungsrat hat gestützt auf die Analyse und den Antrag des zuständigen Departments entschieden, das Projekt zu stoppen.

Da stand er noch: Der Geothermie-Bohrturm in Kleinhüningen, aufgenommen am 16. Januar 2007.

Da stand er noch: Der Geothermie-Bohrturm in Kleinhüningen, aufgenommen am 16. Januar 2007.
Bild: Keystone

Umfrage

Wie weiter mit der Geothermie?

Sollte die Region Basel trotz des nun definitiv gescheiterten «Deep Heat Mining»-Projekts (siehe Artikel unten) im Hafen Kleinhüningen dennoch weiter auf Erdwärme zur Gewinnung von sauberer Energie setzen?

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Das Erdwärmepilotprojekt hatte am 8. Dezember 2006 in der Region Basel ein Erdbeben der Magnitude 3,4 ausgelöst, nachdem Wasser ins Bohrloch eingepresst worden war. Es folgten mehrere kleine Nachbeben. Insgesamt entstanden Schäden in Millionenhöhe. Das sogenannte Deep Heat Mining Projekt war daraufhin bis zum Vorliegen einer Risikoanalyse auf Eis gelegt worden. Am vergangenen Dienstag hat der Basler Regierungsrat gestützt auf die Analyse und den Antrag des zuständigen Departments entschieden, das Projekt zu stoppen.

An einer Medienkonferenz in Basel wurde diese Analyse nun auch der Öffentlichkeit vorgestellt. «Die Erkenntnisse der Risikoanalyse sind klar und unmissverständlich», sagte der Vorsteher des Departements für Wirtschaft, Soziales und Umwelt, Christoph Brutschin. Eine Weiterführung des Projektes mit der vorgesehenen Technologie sei am Standort Basel nicht möglich.

Weitere Erdbeben während des Betriebs

Um den beabsichtigten Wasserkreislauf in 5000 Meter Tiefe zu schaffen, müsste weiteres Wasser unter hohem Druck eingepresst werden. In dieser Phase müsse mit bis zu 30 spürbaren Erdbeben gerechnet werden, von denen neun die Stärke des Erdbebens vom 8. Dezember 2006 erreichen oder gar übersteigen könnten. Diese Erdbeben könnten Gebäudeschäden von rund 40 Millionen Franken verursachen. Auch während der angenommenen 30 Betriebsjahre der Anlage muss laut der Analyse mit 14 bis zu 170 spürbaren Erdbeben gerechnet werden, die einen Sachschaden im Bereich von sechs Millionen Franken pro Jahr bewirken könnten. Aufgrund dieser klaren Faktenlage erachtet es der Regierungsrat als nicht angebracht, das Projekt in der vorliegenden Form weiterzuführen, sagte Brutschin. Offen gelassen werde aber, ob das vorhandene Bohrloch für andere Formen von Energiegewinnung benutzt werden könne. Erst müssten aber vertiefte Abklärungen auch zu den Risiken getätigt werden.

Resultate nicht auf andere Standorte übertragbar

Dass nach dem klaren Resultat die Frage aufkomme, warum das Risiko nicht schon vor der Gutheissung eines Projektkredites von 32 Millionen Franken durch den Grossen Rat und der Erteilung der Baubewilligung im 2003 abgeklärt worden sei, sei klar. Bisher hätten aber die Erfahrungen ähnlicher Projekte in dicht besiedeltem Raum gefehlt. So sei die vorliegende Risikoanalyse auch nur möglich gewesen, weil das Verhalten des Felsgesteins erst nach dem Einpressen von Wasser so deutlich erkennbar geworden sei. Brutschin betonte aber, dass die Resultate nicht einfach auf andere Standorte übertragen werden können. Vor dem Hintergrund des Klimawandels und der begrenzten fossilen Brennstoffe müsse jede Form der erneuerbaren Energien voran getrieben werden.

Ab kommendem Dienstag muss sich Markus Häring, der Geologe und Geschäftsführer der Firma Geothermal Explorers Ltd, vor dem Basler Strafgericht wegen den Erdbeben vor Gericht verantworten. Die Anklagepunkte lauten auf Sachbeschädigung mit grossem Schaden und Verursachung einer Überschwemmung oder eines Einsturzes. (amu/ap/)

Erstellt: 11.12.2009, 08:06 Uhr

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21 Kommentare

Roger Moser

18.06.2010, 22:21 Uhr
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Sehr geehrter Herr David Thommen, Ihr Artikel sagt viel über gemachte Fehler und das sehr plakativ. Aber über die vergebenen Chancen, eine Alternative zu Atomkraftwerken und deren Risiken und diesen Müller, der dort entsteht, wo auch die Spezialisten behaupten sie hätten die Technologie im Griff..... fehlt. Geben Sie doch den Spezialisten eine Chance aus Ihren Fehlern zu lernen, bald wird es Neues Antworten


Hans Hildebrand

15.12.2009, 13:01 Uhr
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Deep -Heat -Mining ist keine Technologie zur Geothermischen Energiegewinnung. Seit 1980 in Los Alamos wird versucht mittels dieser Technologie Geothermische Energie zu gewinnen. Weltweit sind Hunderte von Millionen Dollar verlocht worden, ohne das eine einzige Anlage heute läuft. Man muss sich endlich der Geothermischen Energiegewinnung durch Thermodynamik zuwenden. Diese Technik funktioniert. Antworten


Arthur Bosshart

15.12.2009, 08:44 Uhr
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Man könnte sich auch mal die Frage stellen, ob das Geothermprojekt nicht vorsoglich gewirkt hat. Könnte es nicht sein, dass durch dieses Projekt vorzeitig ein paar kleine Beben ausgelöst wurden, dadurch aber ein späteres grosses, verherendes Erdbeben verhindert wurde? Antworten


Alfred Christen

14.12.2009, 07:24 Uhr
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Wenn man die Schäden in Staufen bei Freiburg i.Br. gesehen hat, für die Niemand aufkommen will, muss man dieses Projekt abblasen. Antworten


Bernhard Gunzenhauser

11.12.2009, 17:02 Uhr
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Die wirklichen Risiken für die Gesellschaft bestehen dereinst in der Verknappung der fossilen Energien und dem darob entfachten Verteilkampf. Also sollten wir JETZTalle alternativen Energiequellen erforschen und nützen und uns nicht über ein harmloses Ereignis mit minimalen Schäden ereifern, sondern dem Angeklagten Mut machen und allen Profiteuren ihrer Bagatellschäden den Spiegel vorhalten. Antworten


oliver keller

11.12.2009, 14:15 Uhr
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Wir Menschen sind für den Planeten eben nicht vorgesehen, deshalb müssen wir uns alles mittels Technologie (Intellektuellen!) mühsam erkämpfen, was wir zum Leben benötigen, oder aber auch was wir glauben zu benötigen. Es war so oder so ein mutiges Projekt, das jeder, wäre es geglückt, als selbstverständlich betrachtet hätte. Die Erde wehrt sich eben gegen nicht Vorgesehenes, und das ist gut so. Antworten


Balz Ehrensperger

11.12.2009, 12:58 Uhr
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Gutgemeintes rennt gegen die Wand der Realität. Die späte Einsicht kostet 60 Millionen. Klar, niemand konnte es vorher so wissen. Antworten


Oliver Sternad

11.12.2009, 11:19 Uhr
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Jetzt erst werden andere Techniken geprüft? Hat man sich da von Anfang an nur auf die hydrothermale Geothermie gestützt? Das thermodynamische Verfahren kann unabhängig der geologischen Gegebenheiten überall angewendet werden und kommt ohne dem Einpressen von Wasser aus. Eine einzige Bohrung alleine kann auch keine Erdbeben auslösen. Das ist in Fachkreisen hinlänglich bekannt! Antworten


Fritz Meier

11.12.2009, 10:50 Uhr
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Wer zahlt die 60 Mio Franken ? Lewin und Schneider soll dies richten !! Antworten


Nicandro Pescarino

10.12.2009, 23:44 Uhr
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An Bea Keller: Geothermie-Projekte wie jenes das in Basel Geplant war erfordern bestimmte Voraussetzungen wie beispielsweise eine Temperatur von min. 200°C in einer Tiefe von 5000 m. Nun ist es aber so, dass solche umstände gerade eben nur durch die Tatsache das wir uns in einem Erdbebengebiet befinden möglich sind. Die Erdkruste am Rheingraben ist nämlich um einiges dünner als normalerweise! Antworten


rene klingler

10.12.2009, 22:12 Uhr
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Heureka...ich habs, ich konnte mir selber helfen und hab meinen Anwalt konsultiert, er wirds wohl richten! Trotzdem Danke für die freundliche Unterstützung! Gruss: RK Antworten


Peter Meier

10.12.2009, 21:21 Uhr
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kurz nach dem Baustopp gab es auf TeleBasel einen Report, wie sie es im Elsass gemacht haben. Irgendwie haben sie da das Gestein in der Tiefe mit Chemikalien herausgelöst. Nun ist das Loch schon gemacht und man könnte es den Elsässern gleich machen (eben mit Chemikalien) und vom Strom und Wärme zum (fast) Nulltarif profitieren. Das Geld wäre sonst zu läppisch in den Sand gesetzt! Antworten


Bea Keller

10.12.2009, 20:46 Uhr
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Danke für die Ängste welche wir dank den Erdbeeben ausstehen durften. Danke für soviel Geld verlochen ohne vorher nur einmal logisch nachzudenken. Welcher Gesunde Menschenverstand kommt auf die Idee in einem Erdbeeben Gebiet in die Erde zu bohren und Wasser reinzulassen? Um zu wissen,das die Erde aufgerüttelt wird braucht es kein Studium. Antworten


Su Studer

10.12.2009, 19:51 Uhr
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@Ronnie König: richtiger Entscheid, oder ist ein Basel wos alle paar Nächte rumpelt und pumpelt bis kein Stein mehr auf dem anderen steht besser? Vorallem wenn ich dran denke, was da alles so in Luft gehen würde, wenns die ganzen Labors und Produktionshallen von Novartis zusammenlegt. (Schweizerhalle schon vergessen)? AKW- im Münsterhügel fällt wegen Erdbebengefahr in BS auch flach. ; -) Antworten


Christian Wagner

10.12.2009, 18:18 Uhr
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Es gab/gibt eine Anlaufstelle (Anwalt glaube ich) betr. Meldung der Schäden, welcher sich um die Schäden im Auftrag des Bauherrn kümmert(e). Am besten beim Kanton BS nachfragen. Übrigens: 2 Erdbeben, welche kurz vorher stattfanden und eine Stärke von ca. 5.1 hatten, haben wahrscheinlich diese Risse verursacht. Ist aber auch eine gute Gelegenheit das Haus neu zu malen ;-) Antworten


Erwin Marti

10.12.2009, 17:50 Uhr
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Geothermie ist grossartig. BD: Ein VR Geothermie ohne einen einzigen Fachmann einzusetzen und dann einem einzelnen Ingenieur, der sicher bohren kann ohne Geologiekenntnisse die Führung zu übergeben. Das ist wie ein Pilot der nicht fliegen kann. Riesiger Schaden ohne Gegenwert, wir haben ja zu viel Geld in BS. Und Jeder weiss Granit ist Granit. Die Geothermie in Riehen funktioniert: Trämli längt Antworten


Bernhard Bosshart

10.12.2009, 17:44 Uhr
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Danke Hr Brutschin für den Entscheid: so nicht, Rest noch zu klären. UVP2003, S.46 stand: es wird ErdBeben geben bis 2,9M. Fatal war der Schluss: Schäden erst ab 5,4M. NEAT-Erdbeben 3/2006 hatte bei blossen 2,4M massive Schäden hinterlassen; Experten staunten hiess es 2006. 2003 im Elsass (Soultz s.S.)lernte es blitzschnell: statt 100bar bohrte man dort nur noch mit <80bar: Basel trotzdem ~300bar Antworten


Ronald Lack

10.12.2009, 17:31 Uhr
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War vorauszusehen, fragt sich nur ob die SP für die fianziellen Folgen geradesteht. Dieser Fehlschlag geht auf die damalige Regierungsrätin Schneider zurück. Einmal mehr eine Glanzleistung der SP Antworten


Hans Martens

10.12.2009, 17:29 Uhr
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Verdrehte Logik, Herr Brutschin! ”Bisher hätten aber die Erfahrungen ähnlicher Projekte in dicht besiedeltem Raum gefehlt. So sei die vorliegende Risikoanalyse auch nur möglich gewesen, weil das Verhalten des Felsgesteins erst nach dem Einpressen von Wasser so deutlich erkennbar geworden sei.” GENAU da hätte das Vorsorgeprinzip eben greifen müssen: Unbekannte Gefahr? Keine Freigabe, keine Kohle! Antworten


Ronnie König

10.12.2009, 16:56 Uhr
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Ein falscher Entscheid! Oder ist ein AKW im Münsterhügel das bessere? Antworten


rene klingler

10.12.2009, 16:14 Uhr
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Richtig so...nur bleibt nach wie vor die Frage offen, wer bezahlt nun eigentlich alle Schäden die an meinem Mehrfamilienhaus und Einfamilienhaus ausgelöst durch diese Spielereien angerichtet wurden? wer? Weiss da jemand der geneigten Forümler Bescheid...wo muss ich mich hinwenden? Antworten



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