Basel
Grilleure sollen einpacken
Von Alan Cassidy. Aktualisiert am 10.06.2010 63 Kommentare
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Die Rheinuferanwohner haben schon nach den ersten Sommerabenden genug vom Gestank der Grillmeile und wollen Einschränkungen. Finden Sie das in Ordnung?
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Es war eine der Attraktionen des vergangenen Sommers: Unzählige Baslerinnen und Basler eroberten mit Grillzangen, Würsten und Salatschüsseln das Rheinufer und machten das neu gestaltete Flussbord zwischen Dreirosen- und Johanniterbrücke zur inoffiziellen Grillmeile. An schönen Tagen brutzelte dort bis spätnachts Fleisch über dem Feuer, es wurde gespielt, gefeiert und Musik gehört.
Dieses Jahr dauerte es lange, bis der Sommer kam. Jetzt ist er da – und mit ihm auch die Grilleure. Wie lange sie das Rheinufer noch uneingeschränkt in Beschlag nehmen dürfen, ist aber umstritten. Schon im vergangenen Jahr beschwerten sich die Bewohner des unteren Kleinbasels über den Lärm, der an der Grillmeile verursacht wird, und über die Wildpinklerei in ihren Vorgärten.
« Als hätte eine Bombe eingeschlagen»
Viele Anwohner haben schon nach den ersten Sommernächten die Nase voll. «Vergangenen Samstag sah es hier aus, als hätte in der Nacht zuvor eine Bombe eingeschlagen», sagt André Stohler, Mitglied der IG Unterer Rheinweg, in der sich die Anwohner organisiert haben. Ihr Vorwurf: Die Besucher des Rheinufers befeuerten ihre Grills zunehmend mit chemischen Brandbeschleunigern, was laut Stohler einen «Wahnsinnsgestank» und viel Rauch mit sich bringe. Das führe dazu, dass viele Anwohner selbst bei grosser Hitze Fenster und Balkontüren schliessen müssten.
Viele Leute kämen mit Einweggrills an den Rhein, die sie nach dem Gebrauch samt den heissen Kohlen in den Gärten entsorgten. Stohler will auch schon gesehen haben, dass die Einweggrills direkt in den Rhein geworfen wurden. Für die IG Unterer Rheinweg sei klar, dass die Behörden einschreiten müssten. «Die ersten guten Steuerzahler sind nach den Erfahrungen des Sommers bereits weggezogen, andere Hausbesitzer überlegen sich das ebenfalls», behauptet Stohler.
Chemie verbieten
Balz Herter, Grossrat und Präsident der Jungen CVP Basel-Stadt, trägt den Kampf der Anwohner jetzt ins Parlament. In einer Interpellation will er von der Regierung wissen, wie diese die Anwohner des Rheinufers zu entlasten gedenke. Es gehe nicht darum, das Grillieren ganz zu verbieten, sagt Herter. Einschränkungen seien aber nötig. Zumindest auf die Brandbeschleuniger sollten die Grilleure verzichten. Herter will, dass die Regierung eine «gesetzliche Grundlage» prüft, damit Massnahmen gegen exzessives Grillieren ergriffen werden können.
Die Basler Behörden liessen die Besucher der Grillmeile bisher gewähren. Die Meinungen darüber sind indes auch in der Verwaltung geteilt. Stadt- und Kantonsentwickler Thomas Kessler bemängelte vergangenes Jahr öffentlich die «einseitige Nutzung» des neu gestalteten Rheinufers. Marc Keller, Mediensprecher des Bau- und Verkehrsdepartements, weist darauf hin, dass die Belebung des Rheinufers politisch gewollt sei. Die Anliegen der Anwohner seien aber berechtigt.
Vorerst kein Grillierverbot
Wenn sich die Situation am Flussbord weiter verschärfe, müsse «pragmatisch» über Einschränkungen nachgedacht werden. Eine denkbare Option wäre für Keller, das Grillieren in bestimmte Abschnitte zu verlagern, wo die Belästigung für die Anwohner geringer ausfällt – zum Beispiel in der Nähe der Theobald-Baerwart-Schule bei der Dreirosenbrücke. Dasselbe fordert auch Theres Wernli vom Stadtteilsekretariat Kleinbasel: «Öffentliche Grillplätze könnten das Problem entschärfen, weil sich die Besucher auf wenige Orte konzentrieren würden.»
Von Grillierverboten will das Bau- und Verkehrsdepartement vorerst absehen. Dafür fehlten die gesetzlichen Grundlagen. Der Kanton bemühe sich ohnehin um eine «liberale Haltung», sagt Keller: «Wir wollen schliesslich keine Guerilla- und Protestgrilleure am Rhein.» (Basler Zeitung)
Erstellt: 10.06.2010, 07:52 Uhr
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63 Kommentare
Mein Mitleid fuer die IG Unterer Rheinweg haelt sich in Grenzen - man kann leider nicht die convenience und den Lebensstandard einer Stadt haben, ohne auch ihr Leben und die damit verbundenen Emissionen zu akzeptieren. Gegen das Muellproblem wuerden mehr grosse Tonnen helfen - aber dass Einweggrills von der Promenade bis in die Vorgaerten getragen werden? Soweit spaziert ein 'Litterer' nicht...;-) Antworten
Dass man hinter sich aufräumt, versteht sich von selber. Leider muss ich aus eigener Erfahrung bestätigen, dass die Toiletten-Situation entlang des Rheins sehr unbefriedigend ist. Dasselbe gilt in leicht geringerem Masse auch für die Mülleimer. Ich finde, man sollte es den Leuten so einfach wie möglich machen, ihre Abfallprodukte fachgerecht zu entsorgen. Öffentlicher Raum ist kostbar und rar. Antworten
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