Basel
Gudenrath hinterfragt Tango-Trams
Von Valentin Kressler. Aktualisiert am 10.02.2010 48 Kommentare
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Martin Gudenrath (48) ist zwar erst seit Anfang Jahr neuer Verwaltungsratspräsident der Basler Verkehrs-Betriebe (BVB). Der gut vernetzte Unternehmensberater und Logistikfachmann sorgt trotzdem schon jetzt für mehr Aufsehen als sein Vorgänger, der eher diskrete Anwalt Christian Brückner von der Kanzlei Vischer, während dessen ganzer Amtszeit. Der Grund: Gudenrath und seine sieben Kollegen beschlossen am 1. Februar, an der ersten Sitzung des neu zusammengesetzten BVB-Verwaltungsrats, die bereits Ende 2003 in die Wege geleitete Beschaffung von zwanzig Tango-Trams noch einmal einer näheren Überprüfung zu unterziehen. Zusammen mit der Baselland Transport (BLT) sollen insgesamt rund sechzig Fahrzeuge der Firma Stadler Rail des Thurgauer SVP-Nationalrats Peter Spuhler bestellt werden.
Tausend Interviews
Der neue BVB-Verwaltungsrat hat Anfang Monat bei zwei Gegenstimmen beschlossen, eine repräsentative Bevölkerungsbefragung zum Tango-Tram in Auftrag zu geben. Das Meinungsforschungs-Institut Konso wird dafür ab nächster Woche bis Anfang März tausend Telefoninterviews durchführen. Ergebnisse sollen bis spätestens Mai vorliegen. «Es ist das Recht und die Pflicht des Verwaltungsrats, bestehende grössere Geschäfte zu überprüfen», begründete Gudenrath den höchst überraschenden Entscheid des BVB-Verwaltungsrats gestern an einer Medienkonferenz. «Bei der Trambeschaffung sind diverse Fragen offen. Sehr viel Feedback aus der Bevölkerung auf das neue Tango-Tram entspricht nicht dem, was wir erwartet haben.»
Die Konso-Befragung hat zum Ziel, die Meinung der Bevölkerung in den definitiven Entscheid über die Trambeschaffung, die ein Volumen von immerhin 100 Millionen Franken hat, einfliessen zu lassen. «Wir wollen herausfinden, was die Bevölkerung will», sagte Gudenrath. «Wir wollen verhindern, dass wir 40 Jahre lang mit den falschen Trams herumfahren.» Der BLT wurden die ersten vier Tango-Trams bereits ausgeliefert. Die Prototypen wurden 2009 auch auf Linien der BVB getestet. Die BLT hat mittlerweile 15 weitere bestellt.
Tango ist ein >Rückschritt
Es ist nicht die erste Umfrage zum neuen Fahrzeug: Eine von BVB und BLT im vergangenen Sommer durchgeführte Kundenumfrage im Tango-Tram hat zahlreiche Mängel aufgezeigt. Kritisiert wurden nicht zuletzt die Treppen, Stufen und Podeste. Gemäss BVB-Vizedirektor Georg Vischer haben acht Prozent der befragten Fahrgäste die Annahme der Fragebogen zudem mit der Begründung verweigert, der Tango sei ein Rückschritt gegenüber dem Combino. Fünf Prozent der eingegangenen Antworten erwähnten unaufgefordert, dass der Combino besser sei.
«Wir waren erschüttert und überrascht über diese Ergebnisse», sagte Vischer. Im BVB-Kundenzentrum beim Barfüsserplatz würde der Combino zudem täglich von Passanten gelobt. Mit der Konso-Umfrage, die rund 30'000 Franken kostet, soll nun die Tragweite dieser Äusserungen herausgefunden werden.
Ausbau der Combino-Flotte ein Thema
Mit dem Entscheid des BVB-Verwaltungsrats ist jetzt plötzlich auch wieder ein Ausbau der Combino-Flotte, die im März 2004 ein denkwürdiges Grounding erlebt hatte, ein Thema. Das Fahrzeug der deutschen Firma Siemens wurde gestern zudem auffallend gelobt. «Der Combino ist nach der Sanierung ein sehr zuverlässiges und gutes Fahrzeug», sagte BVB-Direktor Urs Hanselmann. Er nannte noch weitere Argumente, die für den Combino sprechen würden: Die zunehmende Verbreitung der Niederflurtechnik sowie die Tatsache, dass immer mehr ältere und gehbehinderte Menschen den öffentlichen Verkehr nutzen wollen. Dies alles tönt schon nach einem Vorentscheid für den Combino: «Es ist noch nichts entschieden», relativierte Gudenrath aber. Das Problem: Siemens hatte vor dem komplexen Basler Schienennetz kapituliert und keine Offerte eingereicht. (Basler Zeitung)
Erstellt: 10.02.2010, 07:36 Uhr
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48 Kommentare
Tango oder Combino? Eigentlich egal! Ich brauche das Drämli um von A nach B zukommen, nicht um darin zu Wohnen. Es soll billig sein in der Wartung, im Unterhalt, soll Rollstuhl und Kinderwagen gerecht sein, nicht mehr und nicht weniger. Antworten
Zuviele Stufen, unbequemer Einstieg. Innenleben: ein Auf und Ab wie auf der 8erbahn. Absolut nicht Bentzerfreundlch! Die Sitzplätze sind nochmals auf Stufen bzw. Podeste montiert. Nein danke für eine weitere Beschaffung! Der Combino ist mit grossem Abstand vorne. Mit freundlichen Grüssen H. Weber Antworten
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