Gundeli-Tunnel hilft auch dem Tram

Mit dem Gundeli-Tunnel reduziert sich der Verkehr durch das Quartier um nahezu 50 Prozent. Die Umfahrung soll gebaut werden, noch bevor die Osttangente erneuert ist.

Der Bau des Gundeli-Tunnels wird die Anwohner nicht belästigen, weil unterirdisch gebaut würde.

Der Bau des Gundeli-Tunnels wird die Anwohner nicht belästigen, weil unterirdisch gebaut würde. Bild: Keystone

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Das Basler Bau- und Verkehrsdepartement wälzt derzeit gleich zwei grosse Autobahnprojekte: Das eine ist die Sanierung der Osttangente respektive deren Ausbau auf sechs Fahrspuren, das andere die Umfahrung des Gundeldinger-Quartiers durch einen Tunnel. Beide Vorhaben werden in Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Strassen Astra vorangetrieben – und für beide werden wichtige Grundsatzentscheide noch in diesem Jahr erwartet.

Während für den Ausbau der Osttangente anfänglich nur nach oberirdischen Lösungen gesucht wurde und erst auf Basler Druck hin auch eine Tunnelvariante in Prüfung gelangte, geht es bei der Gundeli-Umfahrung von Anfang an ausschliesslich um eine Tunnelvariante. Bei beiden Vorhaben braucht es indessen weitere Abklärungen: Für die Osttangente sollen die Grundlagen für einen Entscheid bis Weihnachten vorliegen, für den Gundeli-Tunnel will die Basler Regierung im Spätherbst einen Grundsatzentscheid fällen können. Dieser stand eigentlich im Frühjahr auf der Traktandenliste, doch verlangte das Astra vom Kanton Basel-Stadt noch weitere Daten bezüglich der Verkehrsströme, insbesondere auch an den Berührungspunkten zur Osttangente. Die beiden Bauwerke müssen kompatibel sein, nun geht es um die Feinabstimmung der Projekte.

Dem öffentlichen Verkehr zuliebe

Die beiden Projekte hängen mehr zusammen, als auf den ersten Blick ersichtlich ist. Im Bereich St. Jakobsstrasse/Grosspeterstrasse soll der Verkehr ab der Autobahn A 2 in einen Tunnel abtauchen, das Gundeli unter dem Boden passieren und im Bereich Margarethenstrasse, Gundeldingerstrasse und Dorenbachviadukt wieder auftauchen. Dieses Nationalstrassenstück würde nach heutigem Stand rund 612 Millionen Franken kosten und könnte, sofern keine zeitliche Verzögerung eintritt, etwa 2020 gebaut sein und in Betrieb genommen werden. Weil die Gundeli-Umfahrung auf einem Beschluss zum Nationalstrassen-Netz aus dem Jahr 1960 basiert, gilt der seinerzeit festgelegte Kostenschlüssel: Der Bund übernimmt 65 Prozent, der Kanton 35 Prozent; im konkreten Fall muss sich Basel-Stadt mit rund 214 Millionen Franken beteiligen.

Mit der Gundeli-Umfahrung respektive mit dem Tunnel will man im Wesentlichen zwei Ziele erreichen: Einerseits reduziert sich der Verkehr durch das Quartier (zum Beispiel vom Leimental in Richtung Autobahn) um nahezu 50 Prozent, andererseits erfahren die Nauenstrasse und der Centralbahnplatz eine starke Entlastung, was dem öffentlichen Verkehr zugutekommt. Die Nauenstrasse ist heute neben den Nationalstrassenabschnitten das am stärksten befahrene Basler Strassenstück, Stau gehört hier zum Alltag. Der Centralbahnplatz hat viel zu viel Autoverkehr zu bewältigen, weswegen das Tram stark beeinträchtigt wird.

Nauenstrasse wird entlastet

Kantonsingenieur Roger Reinauer sagt, dass bei den Signalanlagen die Grünzeiten für Tram und Autoverkehr sinnvoll aufeinander abgestimmt sein müssen, doch dies sei beim Bahnhof in Schieflage. Das Tram bekommt wegen des Autoverkehrs zu wenig Grünzeit, was zum Beispiel im Aeschengraben in Richtung Bahnhof immer wieder zu Stau und stehenden Tramzügen führt. Mit anderen Worten: Der Gundeli-Tunnel entlastet nicht nur das Gundeli, sondern auch die Nauenstrasse.

Der Tunnel hilft also auch dem Tram. «Wenn man es ernst meint mit dem Ausbau des öffentlichen Verkehrs, sollte man hier ansetzen. Dem Tram fehlen heute auf dem Centralbahnplatz Querungszeiten», sagt Reinauer. Mehr Kapazität des öffentlichen Verkehrs beim Knoten Centralbahnplatz ist auch willkommen im Hinblick auf den Bau des Margarethenstichs, mit dem die Tramlinie 17 aus dem Leimental direkt zum Bahnhof geführt werden soll.

Städtebauliche Vorteile

Die Fachleute im Tiefbauamt haben nicht nur die Auswirkungen auf den Verkehr abklären lassen, sondern auch städtebauliche Effekte. Zunächst ist davon auszugehen, dass die Änderungen in der Verkehrsinfrastruktur einen enormen Einfuss auf die Stadtentwicklung haben werden, ähnlich wie dies beim Bau der Nordtangente zu beobachten war. Die Wohnquartiere Horburg und St. Johann hatten unter der Verkehrslast und deren Emissionen massiv an Wohnqualität eingebüsst, nach der Inbetriebnahme der Nordtangente erlebten die beiden Quartiere aber eine Renaissance. Gleiches wird für das Gundeli erwartet, wenn die Hälfte des Verkehrs einmal unter dem Boden verschwunden ist.

Ein weiterer positiver Effekt: Die gute Wohnbausubstanz im Gundeli wird durch die Verkehrsentlastung aufgewertet. Ein besseres Wohnumfeld lockt auch Steuerzahler an, was wiederum Auswirkungen auf die Grundstückgewinn- und die Einkommenssteuern haben wird. Dazu gibt es zwar erst grobe Schätzungen, doch dürften die Mehreinnahmen im Steuerbereich helfen, den Kostenanteil des Kantons, 214 Millionen Franken, zu refinanzieren.

Der Bau des Gundeli-Tunnels wird im Übrigen die Anwohner nicht belästigen, weil bergmännisch, also in der klassischen Bauweise, vorgegangen wird. Deshalb wird es lediglich an den beiden Enden zu Immissionen kommen. Ausserdem ist vorgesehen, den Tunnelbau vom Bahnhof Wolf her zu beginnen. Damit ist es möglich, praktisch den gesamten Aushub und den grössten Teil des benötigten Baumaterials per Bahn an- oder abzutransportieren, also umweltschonend vorzugehen. (Basler Zeitung)

Erstellt: 24.07.2011, 11:16 Uhr

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