Basel

«Gute Werbung ist Kunst»

Von Tamara Wernli. Aktualisiert am 09.03.2015 3 Kommentare

Die Ausstellung des Red Dot Award brachte eine überdurchschnittliche Anzahl von Herren mit schöpferischen Haarknoten nach Basel. Die Klatschkolummne.

1/6 «Ich bin doch nicht blöd» mit «Geiz ist geil.»
Werber ­Reinhold Weber mit Walter Gunz, Mit­­begründer Media Markt, der von Marrakesch kam.
Bild: Dominik Plüss

   

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Schon die Einladungskarte kam originell daher und machte Lust auf mehr. Zum fünften Mal beherbergt Basel die Ausstellung des Red Dot Award, des weltweit führenden und grössten Designwettbewerbs. ­Vergangenen Freitag wurde der Event in der neuen UBS-Kundenhalle am Bankverein mit einem Apéro feierlich eröffnet.

Treibende Kraft hinter der Aus­stellung in Basel ist Jean Jacques Schaffner, er führt mit seiner Gattin Silvana Conzelmann die Designers­factory Schaffner & Conzelmann. Festliche Lichtstimmungen und ein Häppchen zu essen, Melone, Parmaschinken und Meatballs, sorgten für spontane Zufriedenheit bei den Gästen. Die ­Fütterung gleich am Anfang durchzuführen (anstatt in der Mitte oder am Ende eines Abendprogramms), ist ­vernünftig; mit vollem Magen – und ­sitzend; der Saal war bestuhlt – lässt man sich gerne von jeder Menge Ansprachen belästigen, oder, wie in diesem Falle, inspirieren. Randnotiz: Die UBS-Halle etabliert sich mehr und mehr zur Top-Location für stilvolle Anlässe.

Aus der Designszene gesichtet: Michael Renner, Leiter Visuelle ­Kommunikation FHNW, Patricia Heyne und Tom Schaich von Werbekontor, Architekt Bruno Maurer, ­Pfyfferkönigin Romana Cahenzli (typografische Gestalterin bei Designers­factory) und die Werber Reinhold Weber (Créateur des Slogans «Ich bin doch nicht blöd») und Andi Mesmer, Inhaber von Mesmer Société. Mesmer gewann als einziger Basler den Red Dot Award 2015, und nahm dafür viele Gratulationen entgegen, auch vom ­ehemaligen Coop-Marketingleiter Heino Peier.

Man traf auf eine, im Vergleich mit Nicht-Werbe-Anlässen, überdurchschnittliche Anzahl von Herren mit schöpferischen Haarknoten – so à la dem bärtigen, dunkelhaarigen sexy Männermodel aus der Trivago-­Werbung. Nur sind Männer mit Dutts, wenn sie live vor einem stehen, und Erotik irgendwie unvereinbar.

Durch den Abend führte Medienprofi Roger Thiriet. Seine Moderation war solid, aber etwas brav, insbe­sondere für Kenner seiner Facebook-Postings; darin kommentiert er regelmässig und mit grossem Unterhaltungs­wert Beiträge und Artikel von Basler Medien.

Weitere Gäste: die Bider-&-­Tanner-Inhaber Jens und Franziska Stocker, Unispital-Chef-Pathologe Markus Tolney, Starregisseur Hans Hollmann mit Gattin Reinhild Solf, alt Strafgerichts­präsident Gilbert Thiriet und Architekt Christian Blaser.

Dann erläuterte Wirtschaftsdirektor Christoph Brutschin: «Design ist Teil der Kreativwirtschaft und Faktor für Beschäftigung.» Und der aus Essen stammende Red-Dot-Initiator Peter Zec nannte die drei Gründe für seinen Erfolg: «Leidenschaft, Streben nach Qualität und nicht nach Geld und: ich bin ein guter Menschenfänger, ich habe immer Leute gefunden, die dasselbe Ziel verfolgen.»

Walter Gunz, der Mitbegründer von Media Markt, kam extra von ­seinem Wohnsitz in Marrakesch an­­gereist. Im dunklen Anzug und mit schneeweissem Schal widerspiegelte er das Gegenteil von «Geiz ist geil», jenem Kult-Slogan von Saturn, den er damals in seinem Unternehmen unterstützt hatte (Saturn und Media Markt ­gehören zur selben Firmengruppe). Gunz sagte in seiner Rede: «Werbung kann Kunst sein, wenn sie gut ist. Der Kreative ist kein Macher, er ist Erfinder, er findet etwas.»

Zum Schluss erklärte Gastgeber Schaffner – chic mit Seidenfoulard von Andi Stutz; auch Kleidung ist Kommunikation – Kreativwirtschaft anhand einer amüsanten Geschichte über den Struwwelpeter. Dann begab sich die Red-Dot-Familie zur Vernissage in die Schule für Gestaltung.

Übrigens: Die vielleicht treffendste Aussage kam von Red-Dot-Gründer Zec: «Der grösste Gegner der Kreativität ist der Auftraggeber.» (Basler Zeitung)

Erstellt: 09.03.2015, 14:50 Uhr

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3 Kommentare

Waldi Noellmer

10.03.2015, 14:14 Uhr
Melden 9 Empfehlung 1

Dass sich die Leute von Werbeagenturen als Künstler einstufen, ist oft die Ursache für den Misserfolg für die von ihnen entwickelten Werbekonzepte. Antworten


Markus Schneider

10.03.2015, 23:13 Uhr
Melden 3 Empfehlung 0

Die Leute für blöd zu verkaufen ist allerdings eine Kunst - allerdings nur im Fall der Leute, die nicht bereits blöd sind. Von letzteren allerdings gibt's genug und denen kann man bekanntlich alles als Kunst verkaufen, inklusive "Künstlerscheisse". Antworten



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