Basel

Guy Morin bittet zu Tisch

Aktualisiert am 02.03.2010 26 Kommentare

Einmal pro Monat möchte Guy Morin den Stadtbewohnern die Möglichkeit für eine «Chropfleerete» bieten. Ab April will der Stadtpräsident mit der Basler Bevölkerung über Integration sprechen.

Der Stadtpräsident geht in die Quartiere: Guy Morin möchte die Sorgen der Stadtbevölkerung zum Thema Ausländer besser kennenlernen.

Der Stadtpräsident geht in die Quartiere: Guy Morin möchte die Sorgen der Stadtbevölkerung zum Thema Ausländer besser kennenlernen. (Bild: Bettina Matthiessen)

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Rund 48 Prozent der Basler Stimmbevölkerung hiessen im vergangenen Dezember die Anti-Minarett-Initiative gut. Aus diesem Abstimmungsergebnis leitet Guy Morin ein Unbehagen in Sachen Integration ab. Deshalb möchte sich der Stadtpräsident die Sorgen der Menschen in Basel anhören. In der BaZ von gestern kündigte er an, er werde künftig die verschiedenen Basler Quartiere besuchen, um vor Ort mit der Bevölkerung über die Integrationspolitik zu sprechen.

Nun ist bekannt, wie diese Gespräche aussehen sollen. Der Startschuss zu den Tischgesprächen, wie sie offiziell heissen, erfolgt am 26. April um 19.30 Uhr in der Oase, dem Quartier- und Kulturtreffpunkt Bruderholz. Nach dieser Auftaktveranstaltung besucht Morin jeden Monat (ausser in den Sommerferien) ein anderes Quartier.

Eine Art Briefkastenonkel

Die Idee hinter diesen Tischgesprächen: Guy Morin nimmt an einem Tisch Platz und jedermann kann dem Stadtpräsidenten seine Anliegen mitteilen. «Ich werde kein Referat halten, sondern in erster Linie zuhören und Fragen beantworten.» Er wolle auf diese Weise die Gelegenheit zur «Chropfleerete» bieten. Denn Morin findet, dass ein Stadtpräsident immer auch eine Art «Briefkastenonkel» sein soll, wie er es selber ausdrückt. Eine klassische Bürgersprechstunde wollte er nicht einführen. «Schliesslich habe ich bereits 13 Jahre lang Sprechstunden abgehalten», sagt der einstige Hausarzt lachend. «Ich finde es besser, zu den Leuten zu gehen, als die Leute zu mir zu bestellen.»

Die Tischgespräche sollen sich thematisch in erster Linie um die Integrationspolitik drehen. «Dort drückt viele Leute der Schuh», weiss Morin. Dies spüre er beispielsweise aus E-Mails oder Facebook-Nachrichten von Bürgern, die ihn immer wieder erreichen. Begleitet wird er bei den Tischgesprächen deshalb unter anderem von Elisa Streuli, Leiterin der Abteilung Gleichstellung und Integration im Präsidialdepartement. Die Erkenntnisse, die Morin aus den Tischgesprächen gewinnt, will er schliesslich in die künftige Ausrichtung der Basler Integrationspolitik einfliessen lassen.

Bedürfnis unklar

Da mag es erstaunen, dass ausgerechnet auf dem Bruderholz das erste Tischgespräch stattfindet. Einem Quartier mit niedrigem Ausländeranteil. «Wir fangen bewusst nicht im Kleinbasel an», sagt Morin. Die Erfahrung zeige, dass die Skepsis gegenüber Ausländern oftmals in jenen Quartieren relativ gross sei, wo eher weniger Menschen aus fremden Ländern lebten. Auf genaues Zahlenmaterial kann man hierbei jedoch nicht zurückgreifen. Es lässt sich nicht überprüfen, in welchen Quartieren die Anti-Minarett-Initiative besonders viel Zustimmung erhalten hat. Die Abstimmungsergebnisse können nicht mehr wie früher nach Quartieren aufgeschlüsselt werden, weil die meisten Stimmbürger schriftlich abstimmen.

Die Frage ist, wie gross das Bedürfnis der Basler Einwohner überhaupt ist, sich persönlich mit dem Stadtpräsidenten an einen Tisch zu setzen. «Wir können da auf keine Erfahrungswerte zurückgreifen, aber ich bin zuversichtlich», sagt Morin. Er verweist auf die positiven Erfahrungen mit dem Drogenstammtisch in den 90er-Jahren. Die Tischgespräche sind vorerst auf dieses Jahr befristet, danach wird Bilanz gezogen. Falls die Gespräche mit der Quartierbevölkerung auf Resonanz stossen, dann setzt Morin sie im kommenden Jahr fort. Möglicherweise zu einem anderen Thema.

Erstellt: 02.03.2010, 07:43 Uhr

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26 Kommentare

Peter Gysin

02.03.2010, 08:30 Uhr
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Was hat Morin bisher geleistet? Ein Schnitzelbänkler zeigt den Leistungsausweis des Stadtpräsi mit einem leeren "Helgen". Morin freut sich auf die Gesänge des Muezzins. In seiner Optik ist nicht der Islam und die EU eine Gefahr für die Schweiz, sondern das CO2. Seine Verwaltungsreform hat den bürokratischen Wasserkopf der Verwaltung unnötig aufgeblasen: Ein grüner Gutmensch ohne Glaubwürdigkeit! Antworten


Eva Krieger

02.03.2010, 09:27 Uhr
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Mir fällt auf, dass die Kommentaren sehr oft negativ sind und sehr, sehr selten kommt eine konstruktive Kritik...Herr Morin wird ja immer vorgeworfen, dass er Bürgerfremt ist, nun sucht er das direkte Gespräch und wieder ist es nicht Recht! Herr Gysin haben Sie die Stirn Ihren Kommentar Herrn Morin direkt ins Gesicht zu sagen, wenn er in Ihrem Quartier zu Tisch bittet???? Antworten



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