Basel
Halterin verweigert Hundekurs
Von Maria Krummenacher. Aktualisiert am 22.07.2010 29 Kommentare
Umfrage
Bis Ende August müssen alle, die sich seit September 2008 einen Hund gekauft haben, einen obligatorischen Hundekurs besuchen. Ist das in jedem Fall sinnvoll?
Ja
Nein
Die Veterinärmedizin-Studentin Alica Junker aus Oberwil ist verärgert: «Was das Veterinäramt Baselland treibt, ist pure Schikane.» Grund für ihre Wut ist der obligatorische Hundekurs für Neuhalter. Wer sich nach September 2008 als Herrchen eines Hundes bei den Behörden eintragen liess, muss mit jedem neuen Hund einen vierstündigen Praxiskurs absolvieren. War der Halter noch nie als Besitzer eines Hundes registriert, fällt zudem ein Theoriekurs an (die BaZ berichtete). Dabei spielt es keine Rolle, ob jemand bereits seit Jahren unregistriert mit Hunden zu tun hat oder tatsächlich ein Neuling auf dem Gebiet der Hundehaltung ist.
«Ich möchte ihm diesen Kurs nicht mehr antun»
«Das ist ein Witz», sagt Junker. Sie und ihre Familie hielten seit über zehn Jahren Hunde und sie selber habe ihren Hund Moritz aufgezogen. Beim Veterinäramt war Junkers Mutter als Moritz’ offizielle Besitzerin gemeldet. Nach der Scheidung der Eltern und dem damit verbundenen Auszug der Mutter wollte Alica Junker den Hund auf ihren Namen umschreiben lassen. «Ich dachte, das wäre eine schnell erledigte Formsache», sagt sie. Stattdessen sei sie von der Leiterin der Hundefachstelle, Margrith Krähenbühl, per Mail darauf hingewiesen worden, dass nun auch sie den Halterkurs absolvieren muss. Krähenbühl schreibt: «Gerade der theoretische Kurs vermittelt Kenntnisse über Rechte und Pflichten der Hundehalter und wird hoffentlich die hier offensichtlich vorhandenen Wissenslücken schliessen können.»
Junker fürchtet, dass ihrem Hund im Kurs zu viel zugemutet wird. Dieser sei schon zehn Jahre alt und leide an einer schmerzhaften Gelenkerkrankung. «Ich möchte ihm diesen Kurs nicht mehr antun», sagt sie. Ein Telefonat mit Krähenbühl verlief laut Junker unschön. «Frau Krähenbühl zeigte null Verständnis für mein Anliegen und zitierte bloss Paragrafen aus dem Hundegesetz», sagt sie. Nach fünf Minuten habe die Leiterin der Hundefachstelle unvermittelt aufgelegt.
«Knigge-Kurs» eher für Halter als für Hund
Gegenüber der BaZ wollte Margrith Krähenbühl dazu keine Stellung nehmen. Anna Jaggi, stellvertretende Kantonstierärztin Baselland, verweist auf Kantonstierarzt Ignaz Bloch, der derzeit in den Ferien weilt. Sie kenne den Fall nicht und könne daher auch keine Auskunft darüber geben. Sie lädt Alica Junker aber ein, sich schriftlich an Herrn Bloch zu wenden und ihre Lage zu schildern. «Möglicherweise kann dann auf ihr Begehren eingegangen werden», sagt sie. Dass die Hundeverordnung nicht so streng ausgelegt werden muss, zeigt ein Blick auf die Homepage des Bundesamtes für Veterinärwesen (BVet). Unter den «häufigen Fragen zu den Kursen für Hundehalter» schreibt das BVet, dass die kantonalen Veterinärämter dazu berechtigt sind, im Einzelfall Halter von den Kursen zu befreien.
Auch unter den Anbietern der Hundekurse ist das Obligatorium nicht über jeden Zweifel erhaben. Beatrice Schmutz vom Dogteamwork in Riehen kann Junkers Wut verstehen: «Bei einem zehnjährigen Hund würde ich auch keinen Kurs mehr anordnen.» Die Wirksamkeit der Hundekurse müsse relativiert werden. «In vier Stunden kann man keinen Hund erziehen», sagt Schmutz. Als «Knigge-Kurs» bezeichnet sie den Unterricht, der eher für die Halter als für den Hund gedacht sei. (Basler Zeitung)
Erstellt: 22.07.2010, 08:16 Uhr
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29 Kommentare
Gute Idee die Hunde und Ihren Haltern einen 4 Stuendigen Kurs absolvieren zu lassen. Das gibt Geld in die Kantonskasse und mehr Administrations Aufwand, dass heisst, die Steuern muessen dann irgendwann wieder mal erhoeht werden um die Amtsschimmel zu bezahlen. Nun sollten eigentlich auch die Pferde, die armen Voegel die hinter Gitter leben muessen, Ratten auch trainiert werden muessen.....Katzen.. Antworten
Ich finde es in Ordnung, wenn "neue" Hundebesitzer einen solchen Kurs absolvieren müssen. Im vorliegenden Fall ist die Forderung irrelevant, da der Hund schon 10 Jahre im Besitz der Familie ist und nicht negativ auffällt. Das Veterinäramt sollte sich eher einem gewissen Rottweiler widmen, dessen Besitzer seinen Hund nicht im Griff hat. (Vorfall vom 23.07.2009, ein Verfahren ist noch immer offen) ! Antworten
@"Frau Junker: @ Hr. Huber: Ich habe nie einen Kommentar im Berner Oberländer verfasst. Eigentlich mag ich Sie; aber: Ihrer Generation -mit Internet gross geworden- sollte es langsam bewusst sein, dass alles "Spuren" hinterlässt. Tun Sie mir einen Gefallen und Googlen Sie sich einmal. Wie sonst konnte ich ihre Arbeit über Pferde am Gym betrachten? Tolle Arbeit, ehrlich. Antworten
Auch Vet Studis sind Hundehalter, wir müssen die gleichen Gesetze befolgen, wie alle anderen auch. Wie gesagt, es geht mir um die Gesundheit meines Hundes. Irgendwann muss man dem Alter Respekt zollen und die Alten alt sein lassen, sie selbst entscheiden lassen, was sie mögen. Mo zeigt das und ich respektiere ihn. Es geht um Vertrauen bei alten Hunden,zueinander,einen schönen Lebensabend bieten. Antworten
Gisela Nowak@Gebe Ihnen(Dir)vollkommen Recht.Ich gebe auch SKN-Kurse und persönlich finde ich es keine Abzockerei,es existiert ein wahres Mankum an Verständnis und Verhalten vom Hundehalter her. Wir als Hundeerziehungsberater stehen auch in der Verantwortung,das Wissen welches wir uns eingeeignet habe in unseren Kursen,diese an verantwortungsvolle Hundebezitzer weiterzugeben. Antworten
Dieser Fall führt den Sachkundenachweis ad absurdum. Ich darf die Pflichtkurse auch abhalten. Mit den SKN-Kursen ich wenig, weil ich nicht nach Schema F vorgehe, sondern innerhalb des Pflichtprogramms individuell auf jeden Kunden und das Können des Hundes eingehe. Leider schwankt die Qualität der Kurse stark. Das BVet gibt eigentlich klare Vorgaben, die Trainer halten sich teilweise nicht daran. Antworten
Bravo Steve Walker!! Ein Hund ist so gut oder schlecht erzogen wie sein Halter oder seine Halterin selbst ist! Ein Hundehalter-Kurs wäre viel wichtiger als ein Hundekurs - und würde dem Hundehalter einmal Rücksicht und Manieren beibringen! Wenn ich schlecht erzogenen Hunden begegne weiss ich, was für ein Mensch sein "Herr" ist - unfähig zu erziehen, weil er ebenfalls nicht erzogen worden ist! Antworten
Die meisten Hunde sind intelligente 4-Beiner! Wenn sie gut gehalten und anständig behandelt werden, machen sie sowieso das nach was ihnen vorgemacht wird, weil sie Spass haben, wenn sie beschäftigt werden. Mein Hund ist 11.5 Jahre alt, also umgesetzt über 80 Jahre.Werden über 80-Jährige zwangsweise auf den Vita-Parcours geschickt ? Das Problem sind die Menschen, nicht die Hunde. Antworten
Finde es eine bodenlose Frechheit und Abzockerei.Dass Sie gezwungen wird,mit diesem Hund einen Kurs zu besuchen.Reiner Stress für das arme KrankeTier.Man zwingt auch kein Alter Kranker Mensch dazu,ins Fitnessstudio zu gehen.Diese Hundekurse finde ich nur sinnvoll bei bestimmten Rassen,oder es hat jemand keine Ahnung von der Hundehaltung-denen,haben wir das zu verdanken. Antworten
Heute im Wald: Ich bitte, einen jungen Boxer anzuleinen, da meine an der Leine sind. Wird sofort versucht. Hund nähert sich meinen noch mehr, obwohl diese ihn anknurren. Besitzer fluchen, brüllen Boxer an, werfen ihm Steine an. Endlich an der Leine: Ziehen an Leine, bis Vorderbeine vom Boden weg, brüllen "Fuss!", "Sitz!" ' noch mehr reissen an der Leine. Sowas wird nun in den Halterkursen gelehrt? Antworten
Seit über 30 Jahren habe ich immer Dackel. Im 2009 kaufte ich zu meiner 5jährigen Dackelhündin einen Dackelrüden dazu und musste den obligatorischen Kurs (Fr. 150.--) absolvieren. Ich habe nichts neues über Hundehaltung erfahren. Ich bin sicher, dass der Kurs für Ersthundehalter sinnvoll ist, aber ob das am Kurs Vermittelte in der Praxis auch umgesetzt wird bezweifle ich sehr. Antworten
Wie sieht so ein Hundekurs überhaupt aus, was wird da *gelernt*? Werden auffählige Hunde (und deren Halter) zur Kenntnis genommen oder geht es nur darum den Stutz abzuliefern und ein vorgegebenes Programm zu durchlaufen. Grundsätzlich ist solch ein Kurs sinnvoll. Der Hund lässt sich kaum in der Zeit erziehen, aber für jeden interessierten Hundehalter gibt's wohl auch etwas Neues zu lernen... Antworten
Das ist halt auch eine Folge des durchgebrannten Amtsschimmels . . . Ich finde, dass diese Kurse eine reine Abzockerei sind, vor allem wenn man langjährige, erfahrene Hundehalter dazu zwingen will einen solchen Kurs zu besuchen nachdem sie einen neuen "Fifi" kauften. In vielen Fällen haben diese mehr Erfahrung mit Hunden als junge Schnösel, die nach einer Schnellbleiche den Attest erhalten. Antworten
Guten Tag, @ Hr. Huber: Ich habe nie einen Kommentar im Berner Oberländer verfasst. Ich denke in diesem Artikel, den ich nie vor der Veröffentlichung gelesen habe, wird etwas nicht klar. Eigentlich bin ich eine grosse Befürworterin der Kurse. Ich wäre gern bereit, mein Geld auszugeben und habe mich damit abgefunden, den Kurs besuchen zu müssen. Nur nicht auf Kosten der Gesundheit meines Hundes. Antworten
Frau Junker opponiert zu Recht. Hier hat die Gesetzesmaschinerie einmal mehr weit über das Ziel hinaus geschossen. Sie tat es, um den durch schreckliche Hundebeissereien angeregten Aktionismus der Politik zu be- sänftigen, wohl im Wissen um die schwierige Durchsetzung. Die offiziellen Hundekreise konnten durch die Aussicht auf die Einnahmemöglichkeiten durch die Kurse vereinnahmt werden. Antworten
Müsste man dan nicht auch an alle Mitmenschen Verhaltenskurse durchführen? Es könnten ja Schläger, Vergewaltiger, Hooligans etc. darunter haben. Da haben wieder einmal Politiker, anstatt ihre Arbeit zu machen, grossen Erfindergeist walten lassen. Ich habe manchmal das Gefühl, es geht nur ums Geld generieren. Antworten
Hundekurse sind grundsätzlich eine sinnvolle Sache. Eine ganz so strenge Handhabe ist aber nicht sonderlich sinnvoll und auch nicht sehr professionell. Es geht schliesslich um individuelle Halter, Hunde und Lebenssituationen. Da kann man nicht einen TÜV wie bei einem Auto anordnen. Wieso eigentlich gibt es für (werdende) Eltern keine Pflichtkurse? Das ist ja wohl die größte Verantwortung... Antworten
Obligatorische Hundekurse füralle sind eine unnötige, freche Schikane unserer Behörden. Ich habe den Verdacht, dass es den Behörden ums Geld abkassieren geht. Überall wird von den Behörden die Hand aufgehalten. Was links zuviel ausgegeben wird, muss mit der rechten Hand wettgemacht werden. Antworten
@henri ginther: Ja natürlich die Halter, wer denn sonst? Wären diese grossmehrheitlich in der Lage, ihre Vierbeiner vom Beissen und planlosen Rumscheissen abzuhalten, wären die "Hundekurse" gar nie eingeführt worden. Das Problem befindet sich nämlich immer am oberen Ende der Hundeleine. Antworten




Gisela Nowak
Ein Vorschlag, um das 'Hundeproblem' in den Griff zu bekommen, wäre, die Hundesteuer von einer Luxus- in eine Risikosteuer mit Bonus-Malus-System umzuwandeln. Geht der Besitzer verantwortungsvoll mit dem Hund um und besucht auch Kurse (bei Vereinen kann sich das Jede/r leisten), reduziert sich die Steuer, fällt jemand immer wieder negativ auf, erhöht sich die Steuer. Neues kann Jede/r lernen! Antworten