Basel

«Hass predigen ist gegen den Koran»

Von Mischa Hauswirth. Aktualisiert am 08.04.2010 4 Kommentare

R.A. (43) und sein Basler Ar-Rhama-Verein sollen verfassungsfeindliche Reden zugelassen haben. Doch er selbst sagt, er lehne Gewalt ab und lebe gottgefällig. Das erste Interview.

Er verdeckt sein Gesicht: Islam-Prediger R.A: hat seit der Polemik um seine Person Angst.

Roland Schmid

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Prediger R.A. steht unter Beobachtung, weil sein Ar-Rhama-Verein verfassungsfeindliche Reden zugelassen haben soll. Der gebürtige Tunesier sagt im Interview mit der «Basler Zeitung», wie er denkt und warum sein Verein Politik und Religion trennt.

Herr A., was ging Ihnen durch den Kopf, als Sie von den Vorwürfen hörten, ein «Hassprediger» zu sein?
R.A.: Zuerst konnte ich es nicht fassen. Dann war ich betroffen, enttäuscht, traurig. Seit der Gründung unseres Vereins 2003 setzen wir uns für Toleranz, Integration und ein friedliches Leben im St.-Johanns-Quartier ein. Eine einzige falsche Meldung hat Jahre des Aufbaus mit einem Schlag kaputt gemacht.

Weshalb?
Ich bin Autohändler und lebe mit meiner Frau und den vier Kindern seit 21 Jahren in der Schweiz. Dieses Land ist meine zweite Heimat. Viele Schweizer sind meine Kunden. Meine Kinder gehen hier zur Schule. Mein Ruf hat einen enormen Schaden erlitten. Ich befürchte negative Auswirkungen auf mein Geschäft und Probleme beim Reisen.

Es hat also kein Imam in den Ar-Rhama-Gebetsräumen gesagt, «Ungläubige seien niedriger als Tiere»?
Natürlich nicht. Die Journalistin, die dies behauptet, soll uns doch bitte sagen, wann sie hier gewesen ist, wer dann gepredigt und wer diese Übersetzung gemacht hat, auf die sie sich beruft. Dass in einer Predigt Verse zitiert werden, ist normal. Die Übersetzung ist verbürgt. Wir haben übrigens den Termin mit ihr nie platzen lassen, wie sie es darstellt, sondern lediglich um eine Verschiebung gebeten.

Warum wollten Sie den Termin verschieben?
In unserem Verein kann nicht ein Einzelner entscheiden, was er tut. Wir sind ein Gremium, das zuerst einen Beschluss fällen muss. Wir wollten, dass unser Mediensprecher die Fernsehequipe betreut. Er weilte aber beim erstgenannten Termin in den Ferien.

Sie haben also nichts gegen Ungläubige?
Für mich gibt es den Ausdruck so nicht. Weshalb soll ich etwas gegen Menschen haben, die keine Muslime sind?

Was sagen Sie zu muslimischen Predigern, die zu Gewalt aufrufen?
Ehrlich gesagt, befasse ich mich nicht mit diesen Extremisten. Unser Verein hat das Ziel, sich nur mit Religion auseinanderzusetzen, nicht mit Politik. Wir trennen das hier klar. Einige Muslime nehmen uns diese Haltung übel. Aber wir gehören zur Tabligh-Bewegung des Islams.

Dies bedeutet, dass Sie den Koran konservativ interpretieren.
Das kommt darauf an, welchen Standpunkt Sie einnehmen. Wir halten uns an die moralischen Vorgaben, wie sie geschrieben stehen.

Wie stehen Sie zur Scharia?
Das hat ebenfalls etwas mit Politik zu tun. Wir hier sind Gläubige. Diese Frage sollen jene beantworten, die mehr davon verstehen als ich.

Wenn ein fundamentalistischer Prediger sich bei Ihnen melden würde, dürfte er dann an der Elsässerstrasse 128 predigen?
Das ginge gar nicht, weil es den Vereinsstatuten und unseren Prinzipien widerspricht. Wir verlangen Toleranz, Offenheit, Güte. Ausserdem will niemand hier etwas Aggressives hören. Warum also sollten wir solche Leute hereinlassen? Der Islam verbietet Hass. Volksverhetzung, wie sie gewisse Politiker uns vorwerfen, wäre mit dem Koran unvereinbar. Wir sind Gläubige, und wir lassen nicht zu, dass das Klima der Gemeinschaft vergiftet und unsere Toleranz verletzt wird.

Sie selber treten oft als Freitagsprediger auf. Was erzählen Sie den Zuhörern?
Für uns sind sechs Grundregeln die Basis der Freitagsgebete: In erster Linie geht es darum, Gott (Allah) und den Propheten (Mohammed) sowie ihre moralischen Eigenschaften kennenzulernen. Wir lehren auch, wie wir mit Gott in Kontakt treten, die rituellen Waschungen und wie wir richtig beten. Wir rufen dazu auf, rechtschaffen, anständig, tolerant und barmherzig zu sein. Wir fordern beispielsweise von den Muslimen, zu arbeiten, Deutsch zu lernen und sich zu integrieren.

Das klingt alles sehr friedlich.
Ist es auch. Es geht darum, sich so zu verhalten, dass wir Gott gefallen. Wenn jemand lügt, betrügt, masslos lebt oder Hass sät, dann verhält er sich nicht im Sinne des Korans. Dieser hohe moralische Anspruch unterscheidet sich kaum vom Judentum oder dem Christentum.

Ablehnung prägt das Bild, das die Öffentlichkeit vom Islam hat. Wie erklären Sie sich dessen schlechten Ruf?
Wenn sich die meisten Muslime nach dem Koran verhalten würden, wäre ihr Ruf besser. Dann würden die Menschen der anderen Religionen sehen, dass sie keine Angst haben müssen. Wichtig aber ist zu wissen, dass der Koran nicht zulässt, einen Menschen zum Glauben an Allah zu zwingen. Wir versuchen Vorbilder zu sein. Mehr können wir nicht tun.

Lesen Sie zudem heute in der BaZ: Was das Schweizer Fernsehen zu diesen Vorwürfen sagt. Und den Tageskommentar der Basler Zeitung. (Basler Zeitung)

Erstellt: 08.04.2010, 08:57 Uhr

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4 Kommentare

Sabine Küng

08.04.2010, 15:14 Uhr
Melden 1 Empfehlung

Lügen haben kurze Beine, Ehrlichkeit währt am längsten! Dann muss man auch keine Angst haben alles zu verlieren! So einfach ist es. Antworten


Thomas Gautschi

08.04.2010, 09:30 Uhr
Melden

Würde nur ein Grossteil der Muslime nach den gesagten Grundsätzen leben und diese Predigen hätte auch niemand ein Problem mit dem Islam. Ist nur leider nicht so. Antworten



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