Basel
Hausbesuche sollen die Regel sein
Von Claudia Kocher. Aktualisiert am 09.01.2011 4 Kommentare
In einem Jahr ist alles anders, sind sich die freischaffenden Hebammen einig. Sie glauben, dass mit der Einführung des DRG-Systems, der Fallkostenpauschalen, gebärende Frauen wohl nicht mehr so lange im Spital bleiben können wie jetzt. Bei einer normalen Geburt zahlt die Kasse bis fünf, bei einem Kaiserschnitt bis acht Tage Spitalaufenthalt.
Um wie viele Tage sich diese Zahl reduzieren wird, ist noch offen. Die Hebamme Doris Strub geht von einer Aufenthaltsdauer von 3,4 Tagen aus. Sie meint: «Ab dann ist der Aufenthalt für das Spital nicht mehr rentabel.» Laut Christian Schuhmacher, Leiter des Direktionsstabs im Universitätsspital, bleibt eine Frau durchschnittlich 5,5 Tage im Spital, Kaiserschnitte inbegriffen. Die Zahl 3,4 will er nicht bestätigen. «In der Geburtenabteilung haben wir kein Interesse an einem Kostendruck», sagt Schuhmacher.
Mehr Geld für Verein
Sandra Aeby hingegen, Co-Präsidentin des Schweizerischen Hebammenverbands der Sektion Basel, hat schlaflose Nächte, wenn sie an die Arbeitsflut denkt, die mit der Wochenbettbetreuung auf sie zukommen wird.
Die Umstellung in den Spitälern ist für die Basler Regierung mitunter Anlass, dem Verein für Kinderbetreuung mehr Geld zuzusprechen. Konkret will er die Mütter- und Väterberatung ausbauen. Für 2011 und 2012 soll die Beratungsstelle je 690 000 Franken erhalten, für 2013 und 2014 je 890 000 Franken. Bislang arbeitete die Mütter- und Väterberatung mit einem Budget von rund 400 000 Franken.
Für alle Kulturen
«Die Idee ist, mehr Familien persönlich zu erreichen», sagt Hansjörg Lüking vom Erziehungsdepartement. Der Ausbau der Mütter- und Väterberatung läuft unter dem Stichwort Frühförderung. Es komme darauf an, diejenigen Institutionen auszubauen, deren Angebote von Familien ganz unterschiedlicher kultureller Prägung geschätzt und mit grossem Selbstverständnis genutzt werden, heisst es im Ratschlag, der nächsten Mittwoch im Grossen Rat behandelt wird.
Das Fernziel, alle Eltern mit Kleinkindern zu erreichen, sei hoch gesteckt, sagt LDP-Grossrätin Patricia von Falkenstein, Präsidentin des Vereins für Kinderbetreuung. Man habe zwar auch bisher auf Wunsch Hausbesuche gemacht, doch nun wolle man diese ausbauen. Primär sei das Ziel, Familien in der physischen und psychischen Gesundheit zu unterstützen. Weiter wolle man gesundheitliche Entwicklungsauffälligkeiten bei Säuglingen und Kleinkindern möglichst früh erfassen. Die Mütter- und Väterberatung ist spezialisiert in der Pflegeberatung, bei einfachen medizinischen Problemen, in der Ernährungs- und Erziehungsberatung, bei Problemen rund ums Stillen und in der psychosozialen Beratung. Weiter ist sie vernetzt mit verschiedensten Fachpersonen.
Adressen der Eltern gewünscht
Frauen, die von einer Hebamme zu Hause betreut werden, müssen diese selbst suchen. «Nach den ersten zehn Tagen ist es wichtig, dass zwischen der Hebammenbetreuung und der Mütterberatung kein Loch klafft», sagt Aeby. Die Mütterberatung erhalte manchmal erst nach vier bis sechs Wochen eine Geburtsmeldung. Noch ist unklar, woher die Beratungsstellen die Daten der frischgebackenen Eltern erhalten. Bisher gelangten diese vom Justiz- über das Erziehungsdepartement zu den Mütterberaterinnen – jeweils ohne Telefonnummer. «Wir versuchen nun, über amtliche Stellen eine vollständige Adresse der Eltern zu erhalten, inklusive Telefonnummer», so von Falkenstein.
Als Konkurrenz zu den Hebammen versteht sich die Mütter- und Väterberatung nicht. Von Falkenstein fände es aber sinnvoll, wenn die Hebammen besser mit den Beraterinnen zusammenarbeiten würden. Bislang sei dies nicht der Fall. Eine Rapportübergabe wäre nützlich, findet auch Aeby. Für die Hebamme ist aber klar, dass in den ersten zehn Tagen nach der Geburt die Hebamme zuständig ist. «Eine Gebärmutterrückbildung oder eine Geburtsverletzung kann nur von Hebammen beurteilt werden.» In einer Hebammen-Projektgruppe sowie einer Projektgruppe der Frauenklinik werden nun Modelle entworfen, wie die Situation ab 2012 aufgefangen werden kann. Insgesamt gibt es in den beiden Kantonen 42 freischaffende Hebammen. «Wir versuchen, auch Spitalhebammen fürs Wochenbett zu Hause zu rekrutieren. Das wäre eine Riesenhilfe und eine Qualitätserweiterung», so Aeby.
Zunahme von 1200 Beratungen
Klar ist für die Hebammen, dass sie auch am Wochenende und abends im Einsatz sind – im Gegensatz zur Mütter- und Väterberatung mit festen Bürozeiten. Man habe sich schon Gedanken gemacht, eine einzige Stelle den ganzen Tag offen zu haben oder auch mal abends, sagt von Falkenstein. Klar sei, dass es mehr Mittel brauche, wenn man alle Familien erreichen wolle. So kosten auch Dolmetscher Geld. Und diese braucht es, um an die sogenannten bildungsfernen Familien heranzukommen. Dass das Bedürfnis jetzt schon ausreichend besteht, zeigen die Zahlen: 2009 wurden insgesamt 12 430 Beratungen gezählt. Das sind rund 1200 Beratungen mehr als im Vorjahr. (Basler Zeitung)
Erstellt: 09.01.2011, 16:59 Uhr
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4 Kommentare
Mamma mia dieser Aufwand,wegen den Spitalkosten-Wochenbettbetreuung usw.wenn Frau ein Kind bekommt.Das ist ja Stress pur,noch mehr als bei der Erziehung.Das Kostet alles,wer kommt für die Kosten auf? Ein Dolmetscher braucht es auch noch, bei der Hebammen Betreuung zu hause für die sogenannten bildungsfernen Familien.Früher bei unseren Eltern gab es solche institutionen auch nicht,es ging ohne+gut. Antworten
Ich würde sogar noch weitergehen: Wiedereinführung der "Wochenbett-Helferin" - eine tägliche Unterstützung (4-6 Stunden) während ca 2-3 Wochen und den jungen Müttern wäre wirklich geholfen. Diese Helferin unterstützt bei der Babypflege, beim Haushalt und der Versorgung der restlichen Familie. Wir unterschätzen den enormen, emotionalen Druck, dem junge Mütter ausgesetzt sind: perfekte Mutter sein! Antworten
Basel
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