Hier fährt der Castor-Transport durch Basel

Kurz vor Mittag fuhr heute ein Castor-Transport mit Atommüll quer durch Basel. Parlamentarier wollen vom Bundesrat wissen, weshalb die Bevölkerung über die Gefahrentransporte nicht informiert werde.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Wie von der BaZ angekündigt, fuhr der mit radioaktivem Material beladene Sonderzug heute Donnerstag um 11.26 Uhr im Bahnhof St. Johann in Basel ein. Er war auf der Fahrt von der Wiederaufbereitungsanlage im französischen La Hague ins Zwischenlager im aargauischen Würenlingen (Zwilag). Diskret und von der Bevölkerung unbemerkt sollten die Waggons von Frankreich kommend durch die Quartiere zum Bahnhof SBB und weiter fahren – so zumindest wollten es die Behörden: Gefahrenguttransporte sind in der Schweiz Geheimsache.

Die zuständigen Bundesbehörden sagen weder, wann die Züge in die Schweiz kommen, noch, wie die genaue Route verläuft, noch was sie transportieren. Das ist auch im aktuellen Fall nicht anders. «Der Bund verbietet uns, über die Transporte zu kommunizieren, bevor sie nicht bei uns angekommen sind», sagt Robert Ineichen, Vizedirektor der Zwilag im Würenlingen. Anton Treier, Sprecher des eidgenössischen Nuklearsicherheitsinspektorats (Ensi) sagt, in der Schweiz werde der Sicherheitsaspekt höher gewichtet als das Recht auf Information.

Basler Politiker wollen Klarheit

Parlamentarier wie Beat Jans (SP, BS) und Eric Nussbaumer (SP, BL) wollen nun aber dringlich Auskunft vom Bundesrat: Wie informiert der Bundesrat die Öffentlichkeit und ist er bereit, künftige Transporte transparent anzukündigen? Was wird transportiert? Was tut der Bundesrat zum Schutz der Bevölkerung vor Unfällen mit dem radioaktiven Material? Die Politiker wurden durch einen Bericht der BaZ von gestern auf den Transport aufmerksam. Bereits im vergangenen November hat der «Sonntag» von einer Reihe von Castor-Transporten berichtet. Bis ins Jahr 2018 sollten demnach zwölf Lieferungen im Auftrag des Energiekonzerns Axpo erfolgen. Diese Aussage wollte gestern die Axpo-Sprecherin Anahid Rickmann nicht mehr bestätigen.

Dass der Bundesrat nach deutschem Vorbild Transparenz über die Castor-Transporte schaffen wird, ist wenig wahrscheinlich. Das zuständige Bundesamt für Energie verweist auf Art. 5 des Kernenergiegesetzes. Dort ist geregelt, dass der Bundesrat die geeigneten Sicherungsmassnahmen für Kernmaterialien treffen kann. Die Geheimhaltung als Schutz vor Sabotage ist Teil davon. (Basler Zeitung)

(Erstellt: 03.03.2011, 12:58 Uhr)

Artikel zum Thema

Atom-Endlager soll nicht zu gross werden

Sollten in der Schweiz neue AKW gebaut werden, dürfen deren Abfälle nicht in einem derzeit geplanten Endlager deponiert werden - sagt die Basler Regierung. Mehr...

Wie Frankreich die Castortransporte verschweigt

Sie wohnen nur wenige Gehminuten vom Atomforschungszentrum Cadarache entfernt. Von den Castortransporten, die dort diese Woche starten, haben Franzosen allerdings erst aus deutschen Medien erfahren. Mehr...

«Die Gefahr, dass Atommüll in Zukunft unterschätzt wird, ist gross»

Unsere Nachfahren sollen auch in Tausenden von Jahren vor Atommüll-Lagern gewarnt werden. Doch wie kommuniziert man mit der Zukunft? Der Geologe Marcos Buser hat über dies und mehr schon viele Forschungen angestellt. Mehr...

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von baz.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von baz.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).

Paid Post

Brillenfrei ab 45

Sie sind aktiv im Leben und möchten auf eine Lesebrille verzichten?

Werbung

Kommentare

Die Welt in Bildern

Smoke on the Water: Rauch steigt auf über einer Fabrikanlage in einem Vorort von Lille (5. Dezember 2016).
(Bild: Denis Charlet) Mehr...