Basel
Hochrisiko-Fussballspiel mit Alkohol
Von David Weber. Aktualisiert am 11.08.2011 14 Kommentare
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Seit Februar gibt es im Stadion nur noch Bier mit 2,4 Prozent Alkohol. Finden Sie den Entscheid richtig, bei FCB-Heimspielen nur noch Leichtbier auszuschenken?
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Samstag, 17.45 Uhr. Im St.-Jakob-Park treffen die ewigen Rivalen FC Basel und FC Zürich aufeinander. Ein sportlicher Leckerbissen, aber oft auch ein Duell mit Zündstoff. Für die Polizei ist diese Begegnung – wie eigentlich immer – ein Hochrisikospiel. Vor allem nach den Ausschreitungen im letzten Aufeinandertreffen beim Zürcher Letzigrund. Das Wort Hochrisikospiel hatte in den letzten Jahren immer die gleiche Konsequenz: ein striktes Alkoholverbot im Stadion. Seit Februar dieses Jahres ist das anders und gab es kein Super-League-Spiel ohne alkoholhaltiges Bier mehr – auch der Klassiker am Samstag ist da keine Ausnahme. Und sogar am Cupfinal im Joggeli gab es kein Alkoholverbot.
Allerdings ist das Bier nur noch halb so stark wie früher. Seit Februar wird im St.-Jakob-Park nur noch Leichtbier mit 2,4 Volumenprozent ausgeschenkt. Der Grund dafür ist eine im Juni 2010 unterzeichnete Vereinbarung zwischen den beiden Basel, dem FC Basel und der Stadionbetreiberin Basel United AG. Ziel ist es, die Gewalt in und um den St.-Jakob-Park einzudämmen. Eine der Massnahmen: Die Getränke im Joggeli dürfen nicht mehr als drei Prozent Alkohol enthalten.
Keine grösseren Zwischenfälle
Ist es nicht ein Widerspruch, wenn man wegen Sicherheitsüberlegungen Leichtbier einführt, gleichzeitig aber auch bei Hochrisikospielen Alkohol ausschenkt? «Nein», meint Martin Schütz, Sprecher des Justiz- und Sicherheitsdepartements. «Das ist ein Gegenstand der Vereinbarung. Wir haben uns mit dem Club und Basel United auf Leichtbier geeinigt, dafür wird dieses grundsätzlich immer ausgeschenkt.» Mit Leichtbier werde man nicht so schnell betrunken, zudem dürften stark Alkoholisierte gar nicht ins Stadion hineingelassen werden.
Laut der Vereinbarung sind die Behörden aber ermächtigt, bei Hochrisikospielen wieder Alkoholverbote zu verfügen. Dazu hatte die Basler Polizei bislang aber keinen Grund. «In der ganzen letzten Saison gab es keine grösseren Zwischenfälle bei den Heimspielen des FC Basel», sagt Schütz.
Konfliktpotenzial vor dem Stadion steigt
Ob das letzte Halbjahr bei FCB-Heimspielen wegen des Leichtbiers so friedlich war, bleibe dahingestellt. Thomas Gander, Co-Leiter der Fan-Arbeit Basel, sieht im Verzicht auf Alkoholverbote im Stadion aber eine positive Entwicklung. «Alkoholverbote im Stadion bringen kaum etwas», sagt Gander. Dadurch werde nur das Konfliktpotenzial vor dem Stadion grösser. «Die Leute kommen später und trinken vor dem Match mehr.» Das Leichtbier schaffe eine Win-win-Situation.
Trotzdem stiess das Leichtbier bei vielen Fans auf Ablehnung. «Pfütze» war noch einer der zitierfähigeren Ausdrücke in den Fan-Foren. Mittlerweile haben die meisten Fans das Leichtbier «murrend akzeptiert». Positiv werde vermerkt, dass mit Feldschlösschen, das Carlsberg abgelöst hat, nun ein Bier mit Lokalbezug ausgeschenkt werde. Allerdings gehört Feldschlösschen auch zur Carlsberg-Gruppe.
Fünf Prozent weniger Bier verkauft
Stellt sich die Frage, wie sich die Einführung des Leichtbiers auf den Konsum auswirkt. Gilt die Formel: Halb so viel Alkohol = doppelt so viel Bier? Oder wird weniger getrunken? Für Lieferant Feldschlösschen ist der Trend klar: «Seit Einführung des Leichtbiers haben wir fünf Prozent weniger Bier abgesetzt», sagt Markus Werner, Sprecher von Feldschlösschen. Vor allem bei Spielen am Samstag sei der Rückgang stark spürbar. Allerdings, sagt Werner, sei der Absatz immer noch besser als früher bei Spielen mit alkoholfreiem Bier. Bei den Caterern vor Ort, die auch andere Getränke und Esswaren verkaufen, tönt es ein wenig anders. «Wir haben keine Umsatzeinbussen», sagt Jonas Blechschmidt von Basel United. Als Problem bezeichnet er aber, dass viele Leute meinten, es werde alkoholfreies Bier ausgeschenkt. Das sei aber nur bei den internationalen Spielen der Fall.
Auch beim Club Concordia Basel, der 13 Stände und drei kleine Biercorner betreibt, tönt es ähnlich. «Wir waren zu Beginn sehr skeptisch», sagt Manfred Schädler, zuständig fürs Catering. «Der befürchtete Negativtrend ist aber nicht eingetroffen.» Problematisch sei aber, dass die Fans später ins Stadion kämen, weil rund ums Stadion «richtiges Bier» verkauft werde. Einer der Nutzniesser des Leichtbiers müsste demnach Christoph Schaub sein, der den Kiosk vor der Joggeli-Halle betreibt, eine wichtige Bierquelle für viele Fans. Dieser winkt aber ab: Auch seine Verkaufszahlen seien stabil geblieben. (Basler Zeitung)
Erstellt: 11.08.2011, 07:39 Uhr
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14 Kommentare
Oh, Ihr Technokraten. Stellt Euch vor: Ein normal gebauter ca. 20-jähriger männlicher homo sapiens ist körperlich durchaus in der Lage 3-4 Büchsen kühles Bier von zuhause vors Stadion zu tragen. Dieses wird dann vor Ort konsumiert. Da brauchts keinen Kiosk. Und wer schales Bier, ganz gleich welcher Stärke, aus Plastikbechern zu schweineteuren Preisen in sich reinschüttet, ist eh selber schuld. Antworten
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