Basel
Hörnli beerdigt Bestattungstradition
Von Renato Beck. Aktualisiert am 13.03.2009 6 Kommentare
Der Sargversenkapparat. Foto: Henry Muchenberger
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Das Ding trägt einen Namen, wie einem Handbuch für Technokraten entnommen: Sargversenkapparat. Was nach einer regelrechten Beerdigungsmaschine tönt, ist in Wahrheit ein einfacher Wagen, wahlweise schwarz oder in Chrom gekleidet, versehen mit Drahtzügen und Bremsen für grössere Lasten. Zieht ein Helfer am Hebel, versinkt der Sarg langsam in die Grube.
Der Karren, so berichtet der «Kirchenbote» in seiner aktuellen Ausgabe, versetze die Basler Pfarreien in helle Aufregung. Geht es nach dem Willen der Friedhofverwaltung, soll damit in naher Zukunft die traditionelle Beerdigung, bei der vier bis sechs kräftige Helfer den Sarg mit Seilen ins Grab hinunterlassen, ablösen. Um Kosten zu sparen. «Wir kommen nicht drum herum», sagt Emanuel Trueb, Leiter der Stadtgärtnerei. Die neue Prozedur soll Teil des kostenlosen Beerdigungsprogramms werden; im Moment laufen Tests.
Entsetzen ausgelöst
Bei Felix Christ etwa löste die Nachricht «Entsetzen» aus. Der Kleinhüninger Pfarrer begleitet ein- bis zweimal pro Woche eine Bestattung auf dem Hörnli. Es ist dieselbe Zeremonie seit 20 Jahren und Christ ist jedesmal beeindruckt: «Es ist schön, wenn die Männer einer Choreografie gehorchend den Sarg runterlassen. Die Welt geht nicht unter, wenn dieser Ritus geändert wird, aber etwas geht verloren.»
Vielleicht geht es um grundsätzliche Fragen. Sollen die Menschen nach betriebswirtschaftlichen Grundsätzen unter die Erde gebracht werden? Darf sich nicht wenigstens die Totenfeier dem Rationalismus entziehen? Christ sagt, er verstehe, dass auch Friedhöfe wirtschaftlich handeln müssen, «es darf aber nicht das einzige Kriterium sein».
Doch die allermeisten Friedhöfe haben eine andere Antwort gefunden: Der Wagen stört nicht. Auf dem Wolfgottesacker wie in vielen Baselbieter Gemeinden vertraut man auf das Gerät. In Muttenz etwa gilt das System als «pietätvoller, weil garantiert nichts schiefgeht». Keiner am Seil, der stolpert, kein Sarg, der in die Grube kracht.
Chefgärtner Trueb äussert für die Bedenken der Pfarrer Verständnis: «Der Tod ist so mechanisiert, dass eine menschliche Komponente bewahrt werden soll.» Er verspricht: «Wir werden mit den Pfarreien das Gespräch suchen.» Seiner Meinung nach kann die Zukunft aber nur einem gehören. Dem Sargversenkapparat. (Basler Zeitung)
Erstellt: 13.03.2009, 16:41 Uhr
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6 Kommentare
Also auch am Schluss noch - eine Maschine. Keiner der stolpert. Kein Lärm - kein krachen. Alles clean und unpersönlich - bis am Schluss. Diese Männer, die den Sarg von Hand herunterliessen, habe ich sehr geachtet. Anonym waren sie - aber es war so, als würde auch die "Stadt" teilnehmen, den Toten respektieren. Ein Zeichen - auch bei den Verstorbenen, wo nur ganz wenige zur Beerdigung da waren. Antworten
Was soll dieser Aufschrei eines einzelnen Pfarrers namens FELIX CHRIST? Müsste er selber Hand anlegen und die "Kisten" versenken, sich Blasen an den Händen einhandeln und ständig aufpassen dass er nicht in die Grube fällt, würde er nicht so "saublöd" daherreden...gell! Antworten
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