Basel
«Hotels» mit Charme und Individualität
Von Lukas Bertschmann. Aktualisiert am 12.07.2012
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«Eine gute Kaffeemaschine ist fast das Wichtigste in einem Bed and Breakfast», sagt Rosmarie Brunner. Die 54-Jährige, die seit bald zwei Jahren in ihrer 5-Zimmer-Wohnung im Neubad-Quartier zwei Zimmer als BnB anbietet, ist eine passionierte Frühstückerin. Und das gibt sie auch gerne an ihre Gäste weiter: Sie können am Vortag ihr Zmorge komponieren und dazu aus einem überaus reichhaltigen Angebot auswählen, das einem Hotel in nichts nachsteht.
Auch die Internationalität der Gäste mag in vielen Hotels ähnlich sein: Brunner beherbergte schon Gäste aus Südafrika, Hongkong, Frankreich, Holland, Spanien und England. «Ich liebe die spontanen Gespräche mit den Gästen und kann dadurch unterschiedlichste Lebensgeschichten erfahren», erklärt sie ihren hauptsächlichen Beweggrund, ein BnB zu betreiben.
Brunner ist nicht alleine: Die BnB-Kultur erlebt in Stadt und Region Basel eine Blütezeit. Laut Basel Tourismus hat sich das Angebot an Privatunterkünften seit 2003 von 16 auf 104 fast versiebenfacht. Daneben gibt es auch einige BnBs, die ihren eigenen Weg gehen ohne Anschluss an den Basler Verkehrsverein. Die meisten davon findet man im kürzlich erschienenen Schweizer BnB-Reiseführer.
In ihrer «Karawanserei», wie sie ihre Unterkunft nennt, offeriert Brunner Bett mit Frühstück in der ursprünglichen Form: Von den sechs für diese Reportage besuchten BnBs bringt ausser Brunner nur noch eine Gastgeberin die Gäste direkt im eigenen Wohnraum unter. «Ich habe Gästen auch schon meine ganze Wohnung überlassen und bin für die Zeit bei meinem Partner eingezogen», sagt sie mit einer rührenden Selbstverständlichkeit.
Fast alle sind reizende Menschen
An anderen Adressen stehen den Gästen ganze Etagen oder gar alleinstehende Pavillons zur Verfügung. «Ich hatte bis jetzt wirklich noch nie ein komisches Gefühl gehabt bei meinen Gästen», sagt Brunner. Bei einer unsympathischen Buchungsanfrage per Mail habe sie allerdings auch schon nicht wahrheitsgetreu angegeben, keinen Platz mehr zu haben.
Zu diesem Mittel des Selbstschutzes haben auch schon andere Gastgeberinnen gegriffen. So etwa die 2002 nach Basel gezogene Engländerin Jane Lardon, die sich mit dem BnB nebenbei einen «Zustupf» verdient. Sie sei sehr vorsichtig, wem sie den eigenen Haushalt überlasse. «Nach der ersten Kontaktaufnahme kann ich schon viel über die Leute sagen», meint sie ernst. Diese «Filterfunktion» bewähre sich bestens, denn geschätzte 99 Prozent ihrer Gäste seien reizende Menschen. Über die ganzen Jahre hinweg sind ihr eigentlich nur zwei Negativbeispiele in Erinnerung geblieben: eine Gruppe Jugendlicher, die das ganze Badezimmer mit Erbrochenem überzogen habe – und die Sauerei dann mit einem scheusslichen Parfüm zu übertünchen versuchte. «Es brauchte Wochen, bis sich der Gestank vollständig verzogen hatte», erinnert sie sich angewidert. Im anderen Fall hat ein alleine angereister Gast nachts noch eine zweite Person eingeschmuggelt. «Als der Gast nicht einsichtig war und frech wurde, mussten wir ihn vor die Tür stellen», berichtet die couragierte Engländerin.
BnB Switzerland versucht seine Mitglieder mittels einer schwarzen Liste vor solchen unliebsamen Touristen zu schützen. Werden Regelverstösse von Gästen der Zentrale berichtet, erhalten alle Hosts schweizweit eine Warnung inklusive eines «Steckbriefs» des Sünders.
Fünf-Sterne-BnB mit Pool
Noch nie Probleme hatte Charles Hervé, der in Riehen ein Fünf-Sterne-BnB betreibt. Gleich gegenüber der Fondation Beyeler finden Reisende eine gediegene Oase: «La Dépendence». Das BnB befindet sich in einem freistehenden Pavillon im englischen Landhausstil in einem liebevoll gepflegten Garten. Es gibt sogar einen Pool, was Hervé den fünften Stern in der Klassifikation einbrachte. «Die Sterne verpflichten», sagt der 47-jährige Franzose, der über 20 Jahre Erfahrung in der Hotellerie verfügt. «Es gibt bei uns zum Beispiel immer frische Blumen, und die Gäste können wählen, ob sie ihr Frühstück bei uns im Wohnzimmer, im Garten oder ganz für sich im Pavillon serviert haben möchten.» Leistung hat aber auch in der BnB-Welt ihren Preis. So kostet sein Logis mit 99 bis 164 Franken doppelt bis dreimal so viel pro Person wie andere rustikalere Homestays.
Risiko der Direktbuchungen
Auch Hervé hat schon die Anfrage unwillkommener Gäste abgewiesen und kann sich nicht vorstellen, seine Unterkunft einem Direktbuchungssystem anzuschliessen. Ein solches ist bei Basel Tourismus bereits in Betrieb. Auf das nächste Jahr hin möchte die Organisation vollständig auf Online-Direktbuchungen umstellen und die bisher noch parallel geführte Liste aufgeben. Das System soll den Reisenden das Leben erleichtern und den Administrationsaufwand verkleinern.
Eine Gastgeberin, die sich jetzt schon direkt buchen lässt, ist Karin Bosshard in Pratteln. «Seit einer Weile spüren wir die Euroschwäche. Die Buchungen waren rückläufig», sagt sie. Durch den Anschluss an die internationale Plattform «booking.com» konnte ihre Familie den Rückgang wieder wettmachen. «Wir sind das Risiko der Direktbuchung eingegangen und haben erst einmal eine schlechte Erfahrung gemacht», sagt sie. Der Aufenthalt des betreffenden Gasts war zwar nicht das Problem – er habe aber nach seiner Abreise eine ungerechtfertigt negative Kritik auf dem Online-Portal über sie hinterlassen.
Die Kehrseite des guten Absatzes auf booking.com ist die markante Einbusse an Spontaneität: Das Telefon ist bei jedem Schritt permanter Begleiter. Die dreiköpfige Familie muss auch die Freizeit und Ferien relativ langfristig planen. «Kürzlich habe ich unsere Verfügbarkeit bis in den April 2013 ins System eingetragen.» Dafür waren sie kurz darauf für die Zeit der nächsten Baselworld schon ausgebucht.
So verschieden die Vorlieben der Gastgeber sind, so individuell gestalten sich auch ihre Unterkünfte. Genau dies ist es, was Bed-and-Breakfast-Touristen in den Privatunterkünften suchen und schätzen. (baz.ch/Newsnet)
Erstellt: 12.07.2012, 09:52 Uhr
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