IWB setzen Millionen in den spanischen Sand

Die beiden Energieversorger IWB und EBL verdienen mit ihrem Engagement beim Solarkraftwerk Puerto Errado 2 kein Geld, weil Spanien die Subventionen für die Solarenergie gekürzt hat.

Europaweite Expansion: Die IWB investieren auch in Windparks in Frankreich und Deutschland.<br>Grafik IWB/mm

Europaweite Expansion: Die IWB investieren auch in Windparks in Frankreich und Deutschland.
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Die Industriellen Werke Basel (IWB) sehen sich gerne als Vorreiter für erneuerbare Energien. Nicht weniger als 100 Prozent Strom aus erneuerbaren Energien liefern die IWB gemäss eigenen Angaben an ihre Kunden. Nebst den bestehenden Wasser-, Solar- und Windkraftwerken in der Schweiz haben die IWB ihr Kraftwerksportfolio kontinuierlich um Windparks in Frankreich und Deutschland ausgebaut. Damit sei man schon heute in der Lage, in eigenen Anlagen mehr Strom aus erneuerbaren Quellen zu produzieren, als in Basel verbraucht wird.

Ein Prestigeprojekt, das die IWB zusammen mit der Genossenschaft Elektra Baselland (EBL) und weiteren Energieversorgern aus der Schweiz realisiert haben, ist das solarthermische Kraftwerk Puerto Errado 2 in der Region Murcia in Spanien. Die IWB beteiligten sich an dem 200-Millionen-Projekt mit rund 14 Millionen Franken. Jetzt kommt raus: Die IWB haben sämtliche Millionen für die seit einem Jahr in Betrieb stehende Anlage bereits wieder abgeschrieben.

Auf Nachfrage der BaZ begründet IWB-Mediensprecher Lars Knuchel den Millionen-Abschreiber so: «Wegen geänderter gesetzlicher Rahmenbedingungen der in Spanien gezahlten Einspeisevergütung haben die IWB im Geschäftsjahr 2012 eine Wertberichtigung der Finanzanlagen an Puerto Errado 2 vorgenommen. Dies in der vollen Höhe unserer Beteiligung.» Im Geschäftsbericht für das Jahr 2012 sind diese Wertberichtigungen den IWB nur eine Fussnote wert: So mussten insgesamt 21 Millionen Franken abgeschrieben werden, weil «Produktionsanlagen im In- und Ausland derzeit Gestehungskosten produzieren, die höher sind als die erwarteten künftigen Marktpreise». Das heisst, die IWB produzieren zwar Strom aus erneuerbaren Energien wie mit dem Kraftwerk Puerto Errado 2, dieser ist aber zu teuer und damit auf dem Strommarkt nicht konkurrenzfähig.

Einspeisevergütung gestrichen

Und hier kommt jetzt der spanische Staat ins Spiel, der mit grosszügigen Versprechen ausländische Energieversorger ins Land lockte. Diese sollten eine sogenannte kostendeckende Einspeisevergütung erhalten, sofern sie in Spanien Solarkraftwerke bauten. Das taten die Energieversorger wie die IWB oder die EBL dann auch: Solarkraftwerk um Solarkraftwerk wurde gebaut – mit der Gewissheit, dass der spanische Staat die Differenz für den teuren und nicht konkurrenzfähigen Solarstrom übernimmt. Diese Deckungsgarantie wurde für das hoch verschuldete und unter einer Rekordarbeitslosigkeit leidende Spanien immer mehr zum Problem – die Schulden für die Einspeisevergütung türmten sich auf rund 37 Milliarden Euro auf.

Die neue konservative Regierung Spaniens zog angesichts verordneter Sparprogramme Mitte 2013 die Reissleine: Per königlichem Dekret wurde die bisherige Einspeisevergütung per sofort ausser Kraft gesetzt. Stattdessen sollten die Betreiber von Solarkraftwerken eine Zuzahlung und eine Investitionszulage erhalten, die eine «vernünftige Rentabilität» garantiert – diese fiktiv festgelegte Rentabilität wurde von der spanischen Regierung bei durchschnittlich 7,5 Prozent angesetzt – die Ausgestaltung des neuen Systems ist aber noch offen.

Das Engagement der IWB und der EBL sowie der weiteren Schweizer Energieversorger trägt gemäss Matthias Fawer, Nachhaltigkeitsanalyst bei der Bank Sarasin, nichts zur hiesigen Versorgungssicherheit bei: «Strom aus Spanien fliesst nicht in die Schweiz, das sind hauptsächlich Investments mit der Hoffnung auf einen finanziellen Erfolg.» Die Wertberichtigung von der IWB von 14 Millionen Franken bezeichnet Fawer vor diesem Hintergrund als «aussergewöhnlich». Auch bei der EBL sei davon auszugehen, dass diese Wertberichtigungen vornehmen müsse. Auf Anfrage erklärte EBL-CEO Urs Steiner der BaZ, dass die EBL über alle getätigten Investitionen mehr Abschreibungen macht als gemäss Businessplan erforderlich ist, sofern dies das Jahresergebnis der Firma erlaubt. «Wie viel dies pro Investition ist, behalten wir firmenintern.» Sarasin-Analyst Matthias Fawer nimmt aber an, dass auch die EBL ausserplanmässige Wertberichtigungen vornehmen muss. «Davon ist aufgrund der jetzigen neuen gesetzlichen Situation auszugehen.»

Falsche Berechnungen

Für Fawer ist klar, dass die Schweizer Energieversorger bei ihrem Engagement in Puerto Errado 2 viel Pech hatten: «Dass der spanische Staat die Einspeisevergütung aussetzt, war nicht zu erwarten. Dennoch bleibt immer ein Risiko bei solchen Investments.» Die Finanzberechnungen der Schweizer Energieversorger stimmten jetzt allesamt nicht mehr, da diese fest mit den Subventionen des spanischen Staates kalkuliert haben und jetzt sehr zurückhaltend bei Engagements in Spanien agieren, weil erstere ausbleiben, sagt Fawer. «Der spanische Staat muss Geld hereinholen, deshalb wurde die ursprünglich nur für neue Kraftwerke ausgesetzte kostendeckende Einspeisevergütung auf die bestehenden ausgedehnt.»

Die Änderung der Voraussetzungen für Investoren, die in Spanien investieren, sind für den Direktor der Baselbieter Wirtschaftskammer und EBL-Verwaltungsrat Christoph Buser unerfreulich: «Es scheint, als ob der spanische Staat diese je nach Tagesform ändert.» Unsicherheit sei für Investoren niemals gut, da diese Planungssicherheit benötigten. «Im konkreten Fall von Puerto Errado 2 wurde den Investoren wie der EBL oder den IWB der Teppich unter den Füssen weggezogen, sie kamen aber nicht ins Wanken.» Die Wertberichtigung der IWB sieht Buser nicht dramatisch: «Das ist sicher kein Panikabschreiber. Wenn man es sich leisten kann, sind höhere Abschreibungen betriebswirtschaftlich sogar zu begrüssen.»

Grundsätzlich kann Buser dem Engagement der hiesigen Energieversorger im Ausland jedoch Positives abgewinnen, da diese dadurch eine Art «Pionierrolle» im Sektor der erneuerbaren Energien einnehmen. «Zudem macht es mehr Sinn, in Spanien mit 3000 Sonnenstunden pro Jahr ein Solarkraftwerk zu bauen als in der Schweiz mit rund der Hälfte.» Obwohl ursprünglich von einer Rendite von 15 Prozent ausgegangen wurde, sieht Buser die Zukunft von Puerto Errado 2 nicht gefährdet: «Mit der garantierten Rendite von 7,5 Prozent kann man sicher noch leben.»

Matthias Fawer ist da eher skeptisch: «In Spanien ist derzeit nichts mehr in Stein gemeisselt.» Allfällige Risiken seien gewiss vorhanden, sagt Buser: «Ich hoffe nicht, dass diese eintreffen, aber man kann es natürlich auch nicht ausschliessen.» (Basler Zeitung)

Erstellt: 26.09.2013, 08:01 Uhr

Strom für 15'000 Haushalte: Das Solarkraftwerk Puerto Errado 2 in Spanien produziert rund 50 Millionen Kilowattstunden Elektrizität pro Jahr.

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