Basel
«Ich mache keine Schulreform, wenn ein Sparprogramm läuft»
Von Markus Vogt. Aktualisiert am 09.07.2011 4 Kommentare
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Der Grossteil der Basler Schulhäuser muss baulich angepasst werden, wenn die Schulharmonisierung umgesetzt wird. Gleichzeitig sollen die Schulhäuser à jour gebracht werden. Erziehungsdirektor Christoph Eymann und die Lehrerschaft sind dafür bereit.
BaZ: Herr Eymann, ein mehrere Hundert Millionen schweres Paket ist geschnürt. Wann können Sie mit der Schulraumoffensive loslegen? Christoph Eymann: Das Erziehungsdepartement, das Finanzdepartement und das Bau- und Verkehrsdepartement sind am Planen, seit der Grosse Rat vor einem Jahr die neue Schulreform grundsätzlich beschlossen hat. Wir hatten von Anfang an einen sehr engen Zeitplan. Für Teile des Vorhabens muss der Schulraum im Schuljahr 2015/16 zur Verfügung stehen, für andere etwas später.
Wird der Grosse Rat diese Beschlüsse absegnen?
Ich gehe davon aus, dass der Grosse Rat mitmacht. Das ist eine zwingende Folge der Beschlüsse von vor einem Jahr. Im Ratschlag Harmonisierung haben wir schon auf Teilvorhaben hingewiesen und dort auch gesagt, welche Vorhaben ausserhalb des Projekts Harmos laufen. Dies betrifft etwa die Tagesstrukturen, an die wir wie bei der Schulharmonisierung mit einer Sammelvorlage herangehen wollen, und den Werterhalt der Schulhäuser, der im Rahmen des ordentlichen Unterhalts finanziert wird.
Welche Vorhaben müssten auf jeden Fall umgesetzt werden, auch wenn jetzt nicht gerade eine Schulreform anstünde?
Basel-Stadt hat etliche Schulhäuser, bei denen die eine oder andere werterhaltende Massnahme dringend ist. Wenn ich in einem Schulhaus zu Besuch bin, geschieht es nicht selten, dass mir die Schulleitung zeigt, wo der Regen eindringt, wo die Storen kaputt sind, wo der Boden beschädigt oder wo das Licht ungenügend ist. Solche Dinge wollen wir einmal gesammelt festlegen, damit man eine Langzeitplanung machen kann. Wir reden von einem Zeithorizont bis 2020–22; bis dann wollen wir unsere Schulhäuser à jour haben. Wobei wir wissen, dass bereits wieder Schäden auftreten können, bevor alle saniert sind. Das Immobilienportfolio ist mit über 70 Schulhäusern und Kindergärten eben enorm.
Was Sie jetzt aufgegleist haben, besteht aus vielen Teilprojekten. Werden diese rechtzeitig fertig, also zu Beginn der Schulreform?
Aufgepasst: Für die Reform ist tatsächlich nicht alles nötig. Aber diejenigen Einzelprojekte, die für die Reform zwingend sind, müssen wir um jeden Preis rechtzeitig fertig haben, gehauen oder gestochen! Das Problem ist folgendes: Wir haben durch die neuen Schulstrukturen nicht genügend Schulraum am richtigen Ort. Wenn wir neu sechs Jahre Primarschule haben, heisst das, dass ein Teil der Primarschulhäuser zu klein ist. Also muss die Zuteilung der Klassen neu geplant werden, es gibt Rochaden. Das betrifft nicht nur Primarklassen, sondern auch Klassen der Sekundarstufe. Alles in allem ist es eine sehr grosse Planung, und erforderlich sind einfach zusätzliche Räume. Dazu kommt die Thematik Tagesstrukturen. Unsere Strategie ist es ja, jedes Jahr gemäss Nachfrage und finanziellen Möglichkeiten in gewissen Schulhäusern eine bestimmte Zahl Tagesschulplätze einzurichten. Das benötigt Ess- und Aufenthaltsräume, also auch hier bauliche Massnahmen. Wie viel wird investiert? Oft taucht die Zahl 800 Millionen Franken auf.
Diese Zahl wurde an der Schulsynode genannt und ist seither in allen Köpfen drin. Das muss man differenziert betrachten. Wir haben Projekte für Neubauten, so für ein Sekundarschulhaus auf dem Areal Sandgrube im Kleinbasel für 27 Klassen, wofür wir grob geschätzt mit 60 Millionen Franken rechnen. Weiter soll es in der Erlenmatt ein neues Primarschulhaus mit Tagesstrukturen und Kindergarten geben, von dem wir die Kosten noch nicht kennen. Und im Bereich Volta muss noch genauer untersucht werden, wie viel Schulraum es dort braucht. Anders gesagt: Überall dort, wo wir die Stadt weiterentwickeln wollen, wo wir Familien mit Kindern ansiedeln wollen, müssen wir auch Schulhäuser haben. Für Tagesstrukturen setzen wir 40 Millionen ein und für die eigentliche Schulharmonisierung sind wir bei knapp 100 Millionen. Der Rest wird gebraucht für die werterhaltenden Massnahmen. Diese müsste man ohnehin irgendeinmal veranlassen, sie sind jetzt aber im ganzen Paket eingerechnet. So gesehen ist die Summe von circa 800 Millionen nicht ganz aus der Luft gegriffen. Sie ist aber nicht in Stein gemeisselt; darum reden wir zurückhaltend von dieser Zahl.
Der Kanton Basel-Stadt investiert massiv, wohingegen es der Kanton Baselland anders macht und eher spart. Das Harmos-Projekt ist aber in allen Kantonen das Gleiche.
Ich habe immer gesagt: Ich mache keine Reform, wenn gleichzeitig ein Sparprogramm bei den Schulen durchgezogen werden soll. Das geht nicht auf. Ich bin sehr froh, dass meine Aussage von Regierung und Parlament gehört worden ist. Man kann nicht am Courant normal etwas abschränzen und dann von den Lehrpersonen erwarten, dass sie hoch motiviert eine Reform mittragen. Das Verhalten unseres Nachbarkantons möchte ich aber nicht kommentieren. Ich bin einfach froh, dass wir die Reform bei uns so machen können, wie sie jetzt eingeleitet ist.
Abgesehen vom Baulichen: Sind Sie und die Lehrerinnen und Lehrer parat für diese Reform?
Das Projekt enthält zwei ganz grosse Baustellen. Die eine ist die Schulraumzuteilung, mit der wir jetzt auf der Zielgeraden sind. Die andere ist die Zuteilung der Lehrpersonen auf die neuen Schulstufen. Dies wird im Jahr 2012 das Schwerpunktprogramm bilden. Dabei handelt es sich um ganz grosse Brocken. Die Lehrerinnen und Lehrer sind parat, die Zusammenarbeit ist sehr konstruktiv, sowohl mit der staatlichen als auch der freiwilligen Schulsynode. Auch mit der Gewerkschaft VPOD sind wir gut im Gespräch. Wir suchen diesen Dialog auch. Wir muten den Lehrerinnen und Lehrern viel zu, aber wir haben sie auch sehr eng an der Planung beteiligt. (Basler Zeitung)
Erstellt: 09.07.2011, 18:44 Uhr
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4 Kommentare
"Unser schlechtes Schulsystem und hohe Krankenkassenprämien machen unseren Kanton unattraktiv." ...Zitat Sebastian Frehner! Als "alter Vater" mit jungen Kindern verfolge ich die Basler Schulen hautnah - und ganz so unrecht hat Sebastian nicht! Da ist schon einiges in Schieflage. Das liegt aber weder an den Schulhäusern noch an deren Einrichtung... Antworten
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