Basel

«In Basel liegt in Sachen Mode und Lifestyle noch viel Potenzial brach»

Von Joel Gernet. Aktualisiert am 23.11.2010

Die Basler Designerin Lela Scherrer mischt im internationalen Modegeschäft mit. Warum die Fashion Days in Zürich hektisch waren und was sie von der Designstadt Basel hält, erklärt die 38-Jährige im Interview.

1/17 Von Pfauenfedern und Basler Design: Zu Besuch im Atelier von Lela Scherrer am Rütimeyerplatz. (Video: Joël Gernet)

http://bazonline.ch/basel/stadt/In-Basel-liegt-in-Sachen-Mode-viel-Potenzial-brach/story/31801696

   

Über Lela Scherrer

Die 38-jährige Basler Modeschöpferin arbeitet vorwiegend am Rheinknie und in Antwerpen. Die belgische Hafenstadt ist für ihre Avant-Garde-Mode bekannt, zudem ist Lela Scherrer auch familiär mit Antwerpen verbunden. Sie arbeitet sowohl für namhafte internationale Designer als auch für ihre eigenen Kollektionen. Ihre Kreationen haben der Baslerin diverse nationale und internationale Auszeichnungen eingebracht, etwa den «Swiss Textile Design Award 2005» und den «Unesco Designerpreis 21 New York/Paris». Seit Scherrer vor Kurzem Mutter wurde, hat sie ihren Arbeitsmittelpunkt wieder nach Basler verlegt.
www.lelascherrer.com

Lela Scherrer, wie kamen Sie zum Beruf als Modedesignerin?
Ich wusste schon als Kind, dass ich kreativ arbeiten wollte. Durch Umwege im Sozialen und in verwandten gestalterischen Berufsfeldern merkte ich, dass meine Vorliebe im textilen Bereich liegt.

Sie arbeiten unter anderem für belgische Avantgarde-Designer wie Dries van Noten und Walter van Beirendonck sowie für das Kleiderlabel der Modezeitschrift «Elle». Wie unterscheiden sich Ihre Auftragsarbeiten von denen Ihrer eigenen Kollektion?
Die Anforderungen der Auftraggeber sind sehr verschieden und hängen ab von den gestalterischen Schwerpunkten. Dries van Noten ist bekannt für seine Prints, Applikationen und Stickereien, Walter van Beirendonck für seine Farbigkeit und seine Designer-Streetwear, aber auch für seine Arbeit als Kurator. Dies beeinflusst meine Arbeit. Bei «Elle» hatte ich als Head-Designerin die Gesamtverantwortung für die Kollektion. Das Arbeitsportfolio umfasst die Entwicklung der Kollektion von A bis Z. In der eigenen Kollektion bin ich zusätzlich für die Produktion im kleinen Rahmen – wir arbeiten auf Mass der Kundin – für den gesamten Verkauf und für die Pressearbeit verantwortlich.

Sie waren Anfang November die einzige Basler Designerin an den Fashion Days in Zürich. Wie haben Sie den Anlass erlebt?
Der Anlass war gross – die Veranstalter organisieren auch die Fashion Weeks in New York, Berlin und Moskau. Ich finde die Ursprungsidee toll, dass alle grossen Schweizer Modeevents unter einem Dach stattfinden sollen. Ich bekam positive Feedbacks auf meine Kollektion. Es war aber spürbar, dass der Anlass eine Premiere ist. Schlussendlich stand der Anlass vorwiegend für das ganz kommerzielle Segment unserer Branche, jedoch nicht für Kreativität und High End Fashion, wie ursprünglich geplant.

Was machen Sie während der Laufstegpräsentation Ihrer eigenen Kollektion?
Ich schaue, dass die Models richtig gestylt auf den Laufsteg gehen und kontrolliere das Gesamtbild. Es war ein ziemlicher Druck, da pro Model nur eine Minute vorgesehen war für das Umziehen und den Wechsel von Frisur, Make-up und Styling. Darum ist es wichtig, dass sich die Models so schnell wie möglich in der Kolonne vor dem Ausgang auf den Laufsteg befinden. Da dies aber bei dieser Show durch einen Organisationsfehler nicht funktioniert hat, verringerte sich die Umzieh- und Stylingzeit ins Nichts. Als Konsequenz mussten die Models unsorgfältig gekleidet auftreten – das ist natürlich unverzeihlich. Wett machen wir dies nun mit einem zusätzlichen Fotoshooting, das repräsentativ ist für die Kollektion.

Als Modedesignerin arbeitete Lela Scherrer in den vergangenen acht Jahren vor allem in den Benelux-Ländern. Vor Kurzem hat die Baslerin nun ihren Arbeitsmittelpunkt wieder in ihre Heimatstadt verlegt.

Beruflich pendeln sie zwischen Basel, Antwerpen und Amsterdam hin und her. Wieso sind sie gerade in diesen Städten aktiv?
Ich komme aus Basel. In den Benelux-Staaten habe ich aber mein bisheriges berufliches Umfeld gefunden. Antwerpens Avantgardestatus hat sich in den letzten Jahren in einen visionären, aber beständigen Modestatus verändert. Das Strassenbild ist inspirierend, überraschend, erfrischend. In Basel hingegen liegt in Sachen Mode und Lifestyle noch viel Potenzial brach. Diese Stadt hat eine grosse Architekturszene und ist sehr wichtig in der Kunst. Was, wenn nicht Design, passt perfekt in diese Kombination? Da wird natürlich auch die Kreativförderung von Design in Basel ein Thema. Dieses will entdeckt und stimuliert werden. In einer Stadt, wo so viel hochwertige Architektur, Kunst und Kultur gelebt wird, ist das ein Muss.

Wie schwierig ist es denn, als Modedesignerin international Fuss zu fassen?
Das hängt von verschiedenen Faktoren und Fähigkeiten ab: von der gestalterischen Ausrichtung, dem kreativen Potenzial, dem technischen Wissen, dem Netzwerk, dem Teamgeist, dem Organisationstalent, den Sprachkenntnissen und nicht zuletzt von einer guten Portion Glück.

Hatten Sie ein Schlüsselerlebnis bezüglich ihrem internationalen Durchbruch?
Ein eigentliches Schlüsselerlebnis habe ich nicht erlebt. Ich fand mich jedoch ab und zu in Situationen wieder, in denen ich von den einen oder anderen Leuten unterstützt oder weiter empfohlen wurde oder in denen ich – wenn ich zurückblicke – überraschende Schritte unternommen habe, die eine ebensolche, positive Wirkung hatten. Solche Schritte brachten mich weiter.

Was inspiriert Sie?
Mich inspirieren visuelle Momente im urbanen Umfeld, Gespräche mit Menschen – alles, wo kreative Energien anderer freigesetzt werden. Etwa in Kunst, Musik oder Film. (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 23.11.2010, 13:37 Uhr

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