Basel

In Basel schwimmt keine Chemie

Von Samuel Mattli. Aktualisiert am 15.01.2011 11 Kommentare

Gefährliche Gase und Chemikalien werden auf dem Rhein in Basel höchstens in kleinen Mengen transportiert. Und wenn, dann sind sie in guten Händen.

Vorschriften. Für die Schiffspassage durch Basel braucht es ein spezielles Patent. Deshalb fährt meistens ein Lotse mit.

Vorschriften. Für die Schiffspassage durch Basel braucht es ein spezielles Patent. Deshalb fährt meistens ein Lotse mit.
Bild: Keystone

Mit 2400 Tonnen Schwefelsäure an Bord tuckerte die TMS «Waldhof» am Donnerstagmorgen auf dem Rhein Richtung Antwerpen. Beim Städtchen St. Goarshausen, unweit des Loreley-Felsens, kenterte der Tanker mit seiner gefährlichen Ladung – sollte sie auslaufen, könnte der Rhein zu kochen beginnen (BaZ von gestern). Die Loreley im deutschen Bundesland Rheinland-Pfalz, wo der Rhein eine Kurve macht, ist für die Schifffahrt eine heikle Stelle; schon mehrfach ereigneten sich dort Unglücke. Eine ähnlich heikle Passage gibt es auch knapp 390 Kilometer rheinaufwärts: die Fahrt durch Basel.

Besteht auch in Basel die Gefahr, dass ein mit hochgiftigen, aggressiven Stoffen beladenes Schiff kentert und die ganze Stadt in Gefahr bringt? Hans-Peter Hadorn, Direktor der Schweizerischen Rheinhäfen, beruhigt: «Weder Gase noch Chemiegrundstoffe werden per Tankschiff nach Basel transportiert. Von solchen gefährlichen Substanzen kommen vielleicht ausnahmsweise mal einzelne Container, aber niemals ganze Schiffe voll.»

Strenge Sicherheitsvorkehrungen

Die Tankschiffe, welche die drei Basler Häfen ansteuern, transportieren hauptsächlich Öl und Benzin. Pro Tag verkehren durchschnittlich 20 bis 25 beladene Schiffe von Kleinhüningen Richtung Birsfelden und Auhafen, etwa 40 Prozent davon seien Tank-, der Rest Container- und Trockengüterschiffe, sagt Hadorn.

Für die Passage durch Basel braucht es ein spezielles Patent: Das normale Rheinschiffer-Patent gilt nur bis zur Mittleren Brücke – für die Weiterfahrt zu den Baselbieter Häfen wird zusätzlich das Hochrhein-Patent benötigt. Weil nur wenige Kapitäne über dieses verfügen, steigt in Kleinhüningen meist ein Lotse zu und übernimmt das Steuer. Einer dieser Lotsen ist Peter Christ; er führt seit 25 Jahren Schiffe durch Basel, in der Regel drei- bis viermal pro Tag. «Die Sicherheitsvorkehrungen sind in Basel sehr streng, strenger als sie es rheinabwärts sind», sagt er. Dass nur ausgewiesene Fachleute durch die Stadt navigieren, sei ein zusätzlicher Schutz, ist Christ überzeugt. Passiert dennoch ein Unglück, würden erprobte Notfalldispositive greifen, sagt Martin Schütz, Sprecher des Basler Sicherheitsdepartements.

Doppelte Hülle

Die Auflagen an die Rheinschifffahrt sind in den vergangenen Jahren erhöht worden. So sind ab 2018 nur noch Tankschiffe zugelassen, welche über eine doppelte Hülle verfügen – schon heute seien zwei Drittel entsprechend ausgerüstet, sagt Hadorn. Auch der bei der Loreley verunglückte Tanker verfügt über eine doppelte Hülle, wodurch ein unkontrolliertes Auslaufen der Säure wohl verhindert werden kann.

Diese Vorschrift sei von der Zentralkommission für die Rheinschifffahrt auf Anregung der Schweiz erlassen worden, sagt Jörg Rickenbacher vom Baselbieter Sicherheitsinspektorat. Rickenbacher hat vor acht Jahren die Risikoanalyse für den Baselbieter Abschnitt des Rheins erstellt, welche aufgrund der Störfallverordnung auf Bundesebene nötig wurde. Die Empfehlungen der Analyse seien mittlerweile umgesetzt und würden sich bewähren.

Der für die Schifffahrt heikelste Punkt in der Region ist die Mittlere Brücke. Dort hat sich auch der bisher spektakulärste Unfall ereignet: Am 28. September 1984 geriet die mit Tonerde beladene «Corona», welche von einem Schubschiff rheinaufwärts geschleppt wurde, in Turbulenzen und wurde von der Strömung um 90 Grad gedreht. Sie krachte horizontal in die Brücke und konnte erst nach 17 Tagen geborgen werden. Die Durchfahrt durch Basel blieb so lange gesperrt. (Basler Zeitung)

Erstellt: 15.01.2011, 12:23 Uhr

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11 Kommentare

Hannes Estermann

15.01.2011, 17:06 Uhr
Melden 1 Empfehlung

Am 07. 04. 58 sank bei der Mittleren Brücke das Frachtschiff BIRSIGTAL. Genau z. Zeitpunkt des Aufpralls küsste ich beim Käpelijoch meine Erika. Das war ein gewaltiger Knall ( nicht das küssen ) Später wurde ich Seemann. Bei 7J. Fahrzeit erlebte ich auch etwas sehr Gefährliches . Im Sturm verlor das Schiff bei (Halifax/NF das Steuerruder. Die Adr.von< E> fiel leider bald aus dem Seemannsbuch ! Antworten


Werner Schweizer

15.01.2011, 14:37 Uhr
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Immer wird vom Unglück an der Mittleren Brücke mit der Corona + dem SSB Vogel Gryff gesprochen. Ich mag mich erinnern, dass an der gleichen Stelle die MS Birsigtal, beladen mit Kohle, infolge Masch.Schadens am gleichen Ort gesunken ist. Der Tankschlepper Corona, sank bei der Johaniterbrücke aufgrund eines Masch.Schadens am Schlepper Zug. Diese Havarien ereigneten sich in den fünfziger Jahren. Antworten



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