In Zürich gratis, in Basel 1150 Franken teuer

Absurde Praxis: Die Basler Regierung brummt selbst Haltern von Elektroautos saftige Steuern auf. Sie besteuert diese nämlich nach nach Hubraum.

Besteuert wie ein Lamborghini: Für den Tesla S85 wird ein theoretischer Hubraum von 6,5 Litern errechnet.

Besteuert wie ein Lamborghini: Für den Tesla S85 wird ein theoretischer Hubraum von 6,5 Litern errechnet. Bild: Lucian Hunziker

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Die Basler Firma Tschantré legt Wert auf ökologische Fahrzeuge. Auch bei den repräsentativen Firmenfahrzeugen für die Geschäftsleitung. Deshalb hat sich das Unternehmen für das mit Strom betriebene Elektroauto Tesla S85 entschieden. Ein eleganter Sportwagen mit einer Leistung von 367 PS, der den Sprint auf 100 km/h in 5,6 Sekunden schafft. Fahrvergnügen pur für die Geschäftsleitungsmitglieder Dominik Tschon und Alfred Uebersax.

Kein Vergnügen bereiten den beiden die Motorfahrzeugsteuern für dieses Fahrzeug. Sie belaufen sich für das Auto, das null Emissionen produziert, auf 1150 Franken. «Das Auto wird wie ein Offroader mit 6,5 Litern Hubraum besteuert. Wir haben uns für ein umweltfreundliches Auto entschieden und werden nun bestraft», sagt Monika Veit, die bei Tschantré für die Beschaffung der Fahrzeuge verantwortlich ist.

Absurdes Vorgehen

Der Tesla wird damit rund dreimal höher besteuert als ein VW Golf mit 1,6 Litern Hubraum aus dem Jahr 1996, der nach heutigen Massstäben als veraltete Dreckschleuder gelten würde. Schliesslich werden die Akkus des Tesla mit Strom von den Industriellen Werken (IWB) gespeist. Und dieser Strom besteht laut Angaben der IWB zu 100 Prozent aus erneuerbaren Quellen wie Wasserkraft, Windkraft oder Sonnenenergie. Einen Auspuff wie bei einem Verbrennungsmotor sucht man am Tesla vergebens. CO₂, Kohlenmonoxid oder andere Gase bläst der Tesla nicht in die Luft. Eine saubere Sache, könnte man meinen. Die Basler Behörden ­jedoch sehen das anders.

Die Verordnung über die Besteuerung der Motorfahrzeuge vom 20. August 2012 bringt Klarheit darüber, warum der ökologische Tesla S85 mehr kostet als der alte Golf. Der Regierungsrat hat in der Verordnung festgelegt, dass der Hubraum auch für die Besteuerung von Elektromotoren die Grund­lage ist. Und so rechnen die Beamten der Motorfahrzeugkontrolle mittels einer Formel einen theoretischen Hubraum für jedes Elektroauto herbei. Aus einem Elektromotor wird also auf dem Papier ein Benziner. Pikant: Mit dieser neuen Verordnung will der Kanton eigentlich zum Kauf ökologischer Fahrzeuge animieren. Ein Bonus-Malus-System soll den Anreiz schaffen, dass die Basler auf ­verbrauchsarme Autos mit möglichst wenig Emissionen umsteigen – auf Autos wie eben den Tesla.

«Grotesk und völlig absurd»

Für Kurt Egli, Projektleiter der Auto­umweltliste des Verkehrsclubs der Schweiz (VCS), ist das Vorgehen der Basler Behörden «grotesk und völlig absurd». Ein Elektromotor wird zum Benziner: «Das höre ich zum ersten Mal», sagt Egli. Er sei entsetzt, dass ein Elektrofahrzeug mit null Emissionen derart hoch besteuert wird. Die ökologische Motorfahrzeugsteuer weist aber auch bei älteren Hybrid- oder gasbetriebenen Fahrzeugen Lücken auf. Autofahrer, die solche Öko-Fahrzeuge gekauft haben, fühlen sich beim Erhalt der Steuerrechnung verschaukelt, wie die BaZ vor einem Jahr berichtete.

«Spätestens per 2014 hätte man aufgrund dieser Bekanntmachung die absurde Praxis korrigieren müssen», sagt dazu Gewerbeverbandspräsident Marcel Schweizer. Auch er wird für den Besitz eines ökologischen Fahrzeugs bestraft, dieses Jahr bereits zum zweiten Mal: Für ein CO₂-neutrales und biogasbetriebenes Firmenfahrzeug muss er eine Strafsteuer bezahlen. Für ein zweites Auto, einen Diesel, erhält Schweizer einen Öko-Rabatt. «Grotesk», nennt er diese Praxis.

Berechnungspraxis bleibt gleich

Die basel-städtischen Behörden unternehmen jedoch nichts gegen diesen offenkundigen Missstand und halten stur an ihrer ­Berechnungspraxis fest. Auch bei den Elektrofahrzeugen. Andreas Knuchel vom Justiz- und Sicherheitsdepartement sagt dazu: «Die in der Verordnung festgehaltene Umrechnungskonstante wurde zum Zeitpunkt der Ausarbeitung in Basel bereits in den Kantonen Freiburg und Genf angewandt und gilt bei den Verkehrszulassungsbehörden als anerkannte Grösse.» Die Art des Treibstoffs, handle es sich nun um Benzin, Diesel, Gas oder Strom, seien kein Kriterium für die Steuern und spielten keine Rolle.

Experten können das kaum glauben: «Die Verordnung ist im Kanton ­Basel-Stadt extrem schlecht ausgearbeitet worden», sagt Egli. Ein Vergleich mit vier anderen Kantonen zeigt denn auch, dass in Basel-Stadt für den Tesla am meisten Motorfahrzeugsteuer hingeblättert werden muss. Im Baselbiet bezahlt ein Besitzer rund 600 Franken. Graubünden verlangt 100 Franken und in den Kantonen Zürich und Solothurn ist das Elektrofahrzeug gar gratis.

Immerhin profitiere der Tesla S85 im Basler Berechnungssystem von einem Bonus, weil er «rein elektrisch» angetrieben sei und kein CO₂ ausstosse, argumentiert Knuchel. Dieser Bonus betrage 250 Franken. Man rechne: Das Elektroauto Tesla S85 würde den Besitzer im Kanton Basel-Stadt ohne Bonus 1400 Franken pro Jahr kosten. (Basler Zeitung)

(Erstellt: 10.05.2014, 07:43 Uhr)

Umfrage

In Basel-Stadt werden Besitzer von ökologischen Elektrofahrzeugen mit hohen Steuern bestraft. Sollen Elektroautos wie in anderen Kantonen steuerbefreit werden?

Ja

 
61.2%

Nein

 
38.8%

2001 Stimmen


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