Basel
In den eigenen Hopfen geschnitten
Von Katrin Roth. Aktualisiert am 02.02.2012 23 Kommentare
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Feldschlösschen erhöht die Bierpreise, weil der Brauerei-Riese aus Rheinfelden mit einer Marketingschlacht gegen die Importbiere vorgehen will. Ist die Preiserhöhung gerechtfertigt?
Ja
Nein
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Normalerweise gibt «Stadthaus»- und «Brötlibar»-Wirt Josef Schüpfer gerne Auskunft zum Thema Bier. Insbesondere wenn es sich um Dosenbier handelt, wie er es seit vergangenem Herbst günstig in der «Brötlibar» ausschenkt: eine Kampfaktion gegen den starken Franken, über die der Basler Wirteverbandspräsident in der Öffentlichkeit stets gerne redet. Keinen Kommentar hingegen gibt Schüpfer ab zur Bierpreiserhöhung der Feldschlösschen-Gruppe; stattdessen verweist er bei dieser Frage auf Mediensprecher Maurus Ebneter.
«Grundsätzlich muss jedes Unternehmen selbst entscheiden, wie es seine Preispolitik gestaltet», sagt dieser zur geplanten Anhebung der Feldschlösschen-Bierpreise um durchschnittlich 4,4 Prozent. Ebneter gibt sich damit deutlich weniger kämpferisch als in der offiziellen Stellungnahme des Basler Wirteverbandes von gestern. «Wir rufen Feldschlösschen auf, die Preiserhöhung in dieser Form zurückzunehmen», war dort zu lesen, und: «Wir sind nicht bereit, die teuren Marketingmassnahmen von Feldschlösschen zu berappen.»
«Fast ein wenig pervers»
Ja, was nun? Der Appell an Feldschlösschen sei rein rhetorischer Natur gewesen, räumt Ebneter ein. «Wir machen uns keine Hoffnung, dass Feldschlösschen unserer Aufforderung tatsächlich nachkommt.» Absolut ernst gemeint hingegen sei der Vorwurf an den Getränkehersteller aus Rheinfelden, dass mit der Preiserhöhung die Kosten für zusätzliche Marketingmassnahmen auf die Wirte abgewälzt würden. «Fast ein wenig pervers» findet Ebneter das und fragt: «Wäre es nicht sinnvoller, wenn Feldschlösschen die Preise senken und sich auf diese Weise gegen die Zunahme von importiertem Bier wehren würde?»
Nein, sagt Markus Werner, Leiter Unternehmenskommunikation von Feldschlösschen, wo übrigens im Zusammenhang mit der neuen Strategie von einer «Preisanpassung» die Rede ist. «Mit den Preisen ausländischer Biere können wir ohnehin nicht konkurrieren, weil die Produktionskosten bei uns viel höher sind.» Ein Abschlag sei darum nicht der richtige Weg, um sich gegen die zunehmende Flut von Importbieren zu wehren.
Von 14 auf 23 Prozent hat der Marktanteil von Importbier in den vergangenen zehn Jahren zugenommen, sagt Werner und spricht dabei von einem bedeutenden Anstieg, dem man mit geeigneten Massnahmen begegnen müsse. Aber nicht etwa in Form eines «Billigstwettlaufs», sondern durch die verstärkte Positionierung der eigenen, in der Schweiz produzierten Biermarken: Mit Promotionen in der Öffentlichkeit zum Beispiel, Sponsoring von Veranstaltungen, neuen Produkten oder gezielter Werbung. Marktinvestitionen nennen das die Experten – Mehrkosten, die man bei Feldschlösschen mit höheren Preisen bestreiten möchte.
Die Feldschlösschen-Biersorten werden also teurer, daran gibt es nichts zu rütteln. Aber was heisst das für die Konsumenten? Insgesamt 4,53 Millionen Hektoliter Bier wurden im Jahr 2010 in der Schweiz getrunken, heisst es beim Schweizer Brauereiverband. Das macht einen Pro-Kopf-Verbrauch von 57,3 Litern Bier. Entsprechend kann die Preiserhöhung – sie beträgt zwischen 2,34 Prozent (Carlsberg-Mehrwegflasche zu drei Deziliter) und 6,67 Prozent (Bilz Panaché in der Dose zu drei Dezilitern) – wortwörtlich einschenken.
Im Gegensatz zu seinen Kollegen in der Stadt hat Gastro-Baselland-Geschäftsführer Markus Thommen mit diesen Preiserhöhungen kein Problem. Wenn es einen Leidtragenden gebe dabei, dann sei das höchstens Feldschlösschen. «Die schneiden sich damit ganz klar in den eigenen Hopfen.» Mehr noch, Thommen sieht in der geplanten Preisanhebung gar einen Vorteil für den lokalen Biermarkt. Das Projekt «Baselbieter Bier» zum Beispiel, derzeit noch in der Planungsphase, werde von der Preisstrategie der Feldschlösschen-Gruppe profitieren, ist er überzeugt: «Je teurer die Feldschlösschen-Marken werden, desto mehr Chancen haben regionale Biersorten, sich durchzusetzen.»
Preisdifferenz schrumpft
Etwas gemässigter, aber im Grundtenor gleich tönt es bei Ueli-Bier-Geschäftsführerin Anita Treml Nidecker: «Wenn Feldschlösschen die Preise anhebt, schrumpft die Preisdifferenz zwischen grossen und kleinen Brauereien, so wie wir eine sind. Es kann sein, dass sich dieser Umstand für uns ein Stück weit positiv auswirkt.» Auch Unser-Bier-Geschäftsführer Luzius Bosshard hält es für möglich, dass gewisse Kunden wegen der Preiserhöhung von Feldschlösschen auf ein lokal produziertes Bier umsteigen, «sei es aus Protest gegen den Konzern oder weil der Preisunterschied zu uns nun nicht mehr so gross ist.»
Es bleibt die Frage, was mit den anderen passiert. Jenen, die in der Beiz ihren Durst auch weiterhin mit einem Bier aus der Feldschlösschen-Produktion stillen wollen. Müssen diese Menschen nun über die Bücher gehen, weil die Stange überall teurer wird? Das könne er nicht sagen, heisst es vom Basler Wirteverbandssprecher Ebneter: «Jeder Wirt muss für sich entscheiden, ob er die Preiserhöhung weitergibt oder selbst trägt.» Sicher sei aber, dass mit der Preisstrategie von Feldschlösschen der Druck auf die Wirte zunehmen werde. «Früher oder später bekommen das auch die Kunden zu spüren.» (Basler Zeitung)
Erstellt: 02.02.2012, 07:28 Uhr
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23 Kommentare
Kein Problem, trinke sowieso Bier von Kleinbrauereien und nicht das 08.15 Gsöff aus Rheinfelden.
Grundsätzlich gewinnt man Marktanteile in einem gesättigten Markt nicht durch Preiserhöhungen sondern durchhervorragende Qualität, individuellem Artikel und moderatem Preis allenfalls durch tieferen Preis als die Konkurenz. Mit Preiserhöhung ohne gleichzeitiger Verbesserung verliert man Marktanteile
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