Internationale Herzl-Feier in Basel

Die israelische Botschaft bestätigt, dass Premier Netanyahu im Herbst einen Kongress plant.

Auf Einladung Benjamin Netanyahus sollen Staatsoberhäupter aus aller Welt anreisen.

Auf Einladung Benjamin Netanyahus sollen Staatsoberhäupter aus aller Welt anreisen. Bild: Michael Reynolds/Keystone

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Wovon die Öffentlichkeit hierzulande noch keine Ahnung hat, darüber wurde gestern in Israel berichtet: Laut israelischen Medien will Premierminister Benjamin Netanyahu diesen Herbst eine Reihe von Staatsoberhäuptern und Regierungschefs nach Basel einladen. Geplant ist offenbar eine Jubiläumsfeier, mit der an den Ersten Zionistenkongress angeknüpft werden soll. Vor 120 Jahren hatte der Gründer des politischen Zionismus, Theodor Herzl, zum Ersten Zionistenkongress in die Stadt am Rheinknie geladen.

Herzl wohnte damals im Hotel Drei Könige und führte den Kongress im Stadtcasino durch. Sowohl das Hotel als auch der Versammlungssaal würden im Herbst erneut eine zentrale Rolle spielen, berichtete am Sonntag das israelische Radio.

Auf Anfrage der BaZ bestätigt die israelische Botschaft in Bern, dass entsprechende Abklärungen und Vorbereitungen für einen solchen Anlass in Arbeit sind, bislang jedoch keine Entscheide gefällt wurden. «Wir schauen uns sämtliche Optionen an, noch ist aber nichts definitiv. Weitere Detailauskünfte können wir zurzeit nicht geben», sagt Presse- und Kulturattaché Stefan Roth. Das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) teilt mit, von der israelischen Regierung «bisher keine offizielle Anfrage» erhalten zu haben. Man sei deshalb «nicht in der Lage, diese Information zu bestätigen».

Basel droht Ausnahmezustand

Dass hinter den Kulissen intensiv die Durchführung eines solchen internationalen Mega-Events besprochen und diskutiert wird, ist aufmerksamen Beobachtern bereits vor zwei Wochen aufgefallen. Am Donnerstag, 23. Februar, parkierte kurz vor Mittag ein Tross schwarz lackierter Fahrzeuge, darunter eine Limousine mit Diplomatennummer, auf dem Basler Marktplatz vor dem Rathaus. Das EDA teilt der BaZ in diesem Zusammenhang mit, «dass eine Delegation aus Israel zu einem Arbeitsbesuch in Bern und Basel weilte». Wurde Regierungspräsidentin Elisabeth Ackermann (Grüne) in die Pläne Netanyahus eingeweiht? Dazu gibt es seitens des EDA keine Informationen. «Die Gespräche wurden vertraulich geführt, deshalb können dazu keine weiteren Angaben gemacht werden.»

Klar ist: Sollte im Herbst tatsächlich ein Kongress mit Repräsentanten aus aller Welt auf Einladung des israelischen Premiers durchgeführt werden, steht Basel nach der OSZE-Ministerratskonferenz 2014 erneut der Ausnahmezustand bevor. Für die Behörden und die Sicherheitskräfte wäre der Aufwand in jedem Fall gewaltig. Zum Schutz der Kongressteilnehmer müssten Teile der Innenstadt wohl hermetisch abgeriegelt werden, was für die Bevölkerung Einschränkungen zur Folge hätte.

Noch wach sind die Erinnerungen an August 1997, als der Zionistenkongress anlässlich seines 100. Jahrestags ebenfalls in Basel stattfand. Aufgeboten waren damals über 1200 Polizisten und 700 Armeeangehörige. Der Luftraum wurde gesperrt, über den Dächern kreisten Armeehelikopter und entlang des Rheins gingen Froschmänner in Stellung. Es ist der historische Bezug, der die Schweizer Grenzstadt für den israelischen Staat so bedeutend macht. Ende August 1897 wurde von den Delegierten, die aus ganz Europa nach Basel gereist waren, das «Basler Programm» verabschiedet. In ihm ist die Rede von der «Schaffung einer öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina». Sie sei für diejenigen Juden gedacht, «die sich nicht anderswo assimilieren können oder wollen».

In Basel habe er den Judenstaat gegründet, schrieb Herzl später. Nach 1897 wurden hier weitere Zionistenkongresse durchgeführt. Bis heute ist Herzl für die grosse Mehrheit der Juden eine Ikone und eine Identitätsfigur. Die zionistische Bewegung war unter seiner Leitung aber pragmatischer als die heutige Regierung Israels. Herzl strebte das Ziel «Judenstaat» mit diplomatischen Mitteln an.

Netanyahus Beweggründe

Indem Netanyahu zum Jubiläum an die Geburtsstätte des Zionismus einlade, hoffe er auf einen günstigen PR-Effekt, mutmassen Beobachter in Jerusalem. Willkommen könnte für den Premier auch sein, dass eine gross angelegte Herzl-Feier von den polizeilichen Untersuchungen ablenken, die derzeit gegen Netanyahu laufen und zu einer formellen Anklage führen könnten. Gestern wurde Netanyahu von der Polizei ein viertes Mal verhört.

Wegen des Zionistenkongresses von 1897 hat Basel in Israel bis heute einen hohen Sympathiewert. So sind in Israel zahlreiche Strassen nach Basel benannt.

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(Basler Zeitung)

Erstellt: 07.03.2017, 07:21 Uhr

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