Basel

Internationale Labels im Sog des Apfels

Von Nina Jecker. Aktualisiert am 20.08.2012 18 Kommentare

Der Run auf Ladenlokale in der Freien Strasse wird sich durch den neue Apple-Store weiter erho?hen – jetzt schon erhalten die Ladenbesitzer regelmässig Übernahmeangebote.

Begehrt: Das Musikhaus Hug (links) bleibt standhaft und will die Freie Strasse nicht verlassen. Das Schuhaus Botty hingegen gibt auf – hier u?bernimmt Apple.

Begehrt: Das Musikhaus Hug (links) bleibt standhaft und will die Freie Strasse nicht verlassen. Das Schuhaus Botty hingegen gibt auf – hier u?bernimmt Apple.

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Internationale Ketten drängen in die Basler Innenstadt und bieten viel Geld für die begehrten Verkaufsstandorte in der Freien Strasse und am Marktplatz. Begrüssen Sie diese Entwicklung?

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Das Interesse an Basels besten Einkaufsmeilen ist enorm. Internationale Marken wollen mit einer Filiale in der Freien Strasse, am Marktplatz oder in der Gerbergasse glänzen. Laut Experten wird sich dieser Trend noch verschärfen. Im laufenden Jahr rechnet man mit dem Einzug von Apple (AAPL 433.26 -0.30%) in die Freie Strasse. Ein Neuzugang, der laut Experten das Umfeld verändern wird. «Apple setzt Trends. Wo das Labeleine Filiale eröffnet, wollen andere nachziehen», sagt Marc-Christian Riebe von der Zürcher Location Group. Riebe vermittelt Detailhändlern Immobilien an den begehrtesten Adressen der Schweiz und kennt den Markt genau.

Auch Paul de Micheli ist mit der Firma Retail Factory in der Branche tätig und bestätigt die Prognose: «Es ist auf der ganzen Welt so. Alle wollen in möglichst direkter Nachbarschaft zu grossen Marken sein.» Es könne also sein, dass es in den kommenden Monaten oder Jahren weitere Wechsel in der Freien Strasse geben werde. «Vielleicht haben wir die Gelegenheit, hier noch ein, zwei Marken zu platzieren.»

Apple dürfte laut Riebe für die Adresse an der Hausnummer 47 tief in die Tasche gegriffen haben, um Botty aus dem laufenden Mietvertrag herauszukaufen. «Hier floss mindestens eine Million Franken und es wird noch mehr in den Umbau der gesamten Liegenschaft investiert.»

Angebote kommen wöchentlich

Begonnen hat die Jagd nach guten Adressen schon vor Jahren. Im Fokus sind besonders Liegenschaften im oberen Teil der Freien Strasse, ganz vorne das Geschäft von Musik Hug. «Dort wollte schon manches Label rein», sagt Riebe. Allen voran Louis Vuitton, dessen früheres Schweizer Management lange in Basel ein geräumigeres Ladenlokal suchte. Doch bei der Familie Hug biss man auf Granit. «Sie machte klar, dass sie den Standort nie aufgeben werde», sagt Riebe. Begehrlichkeiten weckt auch das Haus gegenüber, in dem sich der Kleiderladen New Yorker befindet. «Es ist vielen teureren Labelsein Dorn im Auge, dass sich dort, in der Nähe von Louis Vuitton und Hermès, an bester Adresse ein Young-Fashion-Geschäft befindet», sagt Riebe.

Nicht nur in der oberen «Luxusmeile» der Freien Strasse, auch weiter unten ist ein Ladenlokal Gold wert. Bei den verbliebenen Traditionshäusern dürften es die grossen Konzerne aber schwer haben. So etwa bei der Kost Sport AG, wo mehrmals im Jahr Angebote von Immobilienfirmen aus der ganzen Welt im Briefkasten landen. «Es geht manchmal um Teilvermietungen, manchmal um den ganzen Laden», sagt Michel Pompanin, der das Unternehmen gemeinsam mit Simone Kost leitet. Das Lokal aufzugeben, sei für die Familie kein Thema.

Auch Rolf Hämmerlin, Inhaber des Fotohauses an der Freien Strasse 4, will bleiben. Teilweise seien die Anfragen wöchentlich gekommen. Einige Makler seien persönlich im Laden gestanden. Doch die Adresse sei zu wertvoll für ihn. «Hier kommt viel Laufkundschaft. Das hätten wir zwei Strassen weiter nicht.» Die hohe Frequenz an Passanten ist es denn auch, die die Freie Strasse so attraktiv macht. «Täglich passieren bis zu 70'000 Leute die Strasse», sagt Immobilienprofi Riebe. Hier eine Filiale zu besitzen, sei eine Sache von Prestige, man wolle Präsenz zeigen.

Die Confiserie Schiesser hat am Marktplatz eine begehrte Lage inne. «Es landen immer wieder Anfragen bei mir», sagt Stephan Schiesser. Es würden zwar keine konkreten finanziellen Angebote gemacht, das Interesse hingegen werde deutlich angemeldet. Aber auch dieses Familienunternehmen will bleiben. «Die Kunden schätzen das. Vieles verändert sich, aber Schiesser findet man immer noch am selben Ort.» Das Interesse an den Räumlichkeiten von Schiesser hängt laut Riebe wohl mit der Situation am Marktplatz zusammen. Dieser sei mit internationalen Marken wie Swarovski, Tally Weijl, Bata und Fielmann fast komplett aufgeteilt, was auch den Druck auf die Eisengasse erhöht habe.

Auch auf die Gerbergasse hat nicht nur die Firma Hugo Boss, die im letzten September auf zwei Etagen einen Laden eröffnete, ein Auge geworfen. Viele in der Gerbergasse ansässige Ladenbesitzer bestätigen zunehmendes Interesse an ihren Lokalen. Ein Inhaber spricht von ihm angebotenen Ablösesummen in der Höhe eines Jahresumsatzes.

Erben im Visier

Musik Hug, Schiesser und Kost Sport können den Grossen trotzen. Ihnen gehören ihre Ladenlokale. Beim ­Fotohaus und anderen Geschäften sind Ladeninhaber und Vermieter gut bekannt. Werden die Häuser vererbt, sind die Immobilienfirmen aber schnell zur Stelle. Sie sind über die familiären Verhältnisse in den Familien im Bild und haben oft schon vor einem Todesfall Interessenten an der Hand. Wie viele lokale Geschäfte sich an den Topadressen halten können, bleibt offen. Pro Innerstadt hält die aktuelle Entwicklung nicht für problematisch. «Der Markt soll spielen», sagt Geschäfsleiter Mathias F. Böhm. «Das Interesse von Marken wie Apple oder Hugo Boss spricht doch für Basel und hat eine positive Aussenwirkung.» Man unterstütze aber auch lo­kale Gewerbetreibende bei der Suche nach Räumlichkeiten: «Wir sind in Kontakt mit Hausbesitzern. Über die können wir Einfluss nehmen», sagt Böhm. (Basler Zeitung)

Erstellt: 20.08.2012, 08:10 Uhr

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18 Kommentare

A. Meier

20.08.2012, 09:20 Uhr
Melden 25 Empfehlung 0

Leute, die wirklich Geld haben und auf Mode Labels stehen, gehen direkt nach Zürich, Paris, London ect. Die Freie Strasse wird grösstenteils nur von der Servelatprominenz bevölkert!!!! Antworten


Peter Meier

20.08.2012, 08:56 Uhr
Melden 19 Empfehlung 0

Das ist ja alles schön und gut, nur je länger je mehr verkommt die Freie Strasse zu einer unattraktiven Shoppingmeile. Will ich da irgendwo Brot kaufen oder Lebenmittel sind die Gelegenheiten rar. Was nützen mir Markenartikel ? Dies können sich die Modepüppchen ja direkt in Paris kaufen gehen. wir brauchen das hier in Basel nicht. Antworten



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