Basel

Islam will Landeskirche werden

Von Nadine A. Brügger. Aktualisiert am 04.03.2014 117 Kommentare

Die Muslime fordern, dass der Islam in Basel-Stadt den Status einer Landeskirche erhält. Dadurch könnten die Gläubigen mithilfe des Staates besteuert werden. Die Forderung wird kritisiert.

Die Basler Muslime wollen mit der katholischen, der reformierten, der christkatholischen und der jüdischen Kirche gleichgestellt werden.

Die Basler Muslime wollen mit der katholischen, der reformierten, der christkatholischen und der jüdischen Kirche gleichgestellt werden.
Bild: Keystone

Artikel zum Thema

Teilen und kommentieren

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von baz.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...


Korrektur-Hinweis

Melden Sie uns sachliche oder formale Fehler.

Der Islam, eine Schweizer Landeskirche. Das entspricht zwar (noch) nicht der Realität, zumindest aber der Forderung von Hisham Maizar, Präsident der islamischen Dachorganisationen der Schweiz (Fids). Angefangen werden soll in Basel – denn hier liegt die rechtliche Grundlage bereits vor.

Während die einen, wie Adrian Loretan, Professor für Staatskirchenrecht, das Ansinnen als «Instrument der Integration» verwenden wollen, bleiben andere skeptisch. «Dem Islam fehlt grundsätzlich die nötige Toleranz. So lange eine Bewegung Gewalt als Instrument gutheisst, kann sie nicht Teil unserer Kultur werden», sagt Walter Ziegler von der Römisch-Katholischen Kirche Basel-Stadt. Die kürzlich in der Stadt verteilten Aufkleber seien beispielhaft und «erschweren die Kommunikation».

Die Landeskirchen sind kantonal

Der Begriff «Landeskirche» wird oft missverstanden, erklärt René Pahud de Mortanges, Professor für Kirchenrecht in Freiburg. Eine religiöse Institution ist nämlich nicht national, sondern kantonal. Heisst, in der Kantonsverfassung steht, ob religiöse Institutionen öffentlich, oder gar öffentlich-rechtlich, also als Landeskirchen, anerkannt werden können.

In Basel ist für den Islam beides möglich. «Während die erste Variante primär eine Art staatliches Gütesiegel darstellt, besteht für die zweite zwar eine höhere politische Hürde, dafür bietet sie mehr Rechte und Privilegien», erklärt Pahud. «Von den Glaubensangehörigen können mithilfe des Staates Steuern eingezogen werden und es besteht, je nach Kanton, die Möglichkeit, konfessionellen Religionsunterricht in der Schule und Seelsorge in Gefängnissen und Spitälern anzubieten», führt er weiter aus. In Basel sind die katholische, die reformierte, die christkatholische und die jüdische Kirche öffentlich-rechtlich anerkannt. Diesen Status möchten die Muslime nun ebenfalls.

Wichtigstes Kriterium: «gesellschaftliche Relevanz»

«Die Bevölkerung hat mit der Verfassung der Möglichkeit einer kantonalen Anerkennung zugestimmt», sagt Lilo Roost Vischer, kantonale Religionskoordinatorin. Nicht Religionen an sich, sondern religiöse Institutionen würden anerkannt und wenn sie «den Religionsfrieden nicht einhalten, bekommen sie die kantonale Anerkennung nicht, oder sie wird ihnen vom Grossen Rat wieder entzogen». Letzterer enscheidet, ob einem allfälligen Antrag der islamischen Gemeinde stattgegeben wird. Unter dem wichtigsten Kriterium «gesellschaftliche Relevanz», werde auch die kulturelle Verwurzelung überprüft, erklärt Roost Vischer.

Loretan geht davon aus, dass «eine Auseinandersetzung mit dem modernen Rechtsstaat einen enormen Einfluss auf eine Religionsgemeinschaft» hat. Besonders «bezüglich der Grund- und Menschenrechte» würde der Islam sich angleichen und einschränken müssen.Pahud: «Voraussetzung für die öffentliche Anerkennung ist das Respektieren der staatlichen Rechtsordnung. Religiöses Recht in diesen Bereichen ist für den Staat irrelevant. Die Scharia kann also nicht eingeführt werden.»

Strenger sind unsere Nachbarn: «Im Baselbiet können nur jüdische und christliche Gemeinschaften anerkannt werden», sagt Loretan. Ob Schweizer Muslime nun trotz gutschweizerischem Kompromiss öffentlich-rechtlich anerkannt werden wollen, wird sich weisen. (Basler Zeitung)

Erstellt: 04.03.2014, 17:24 Uhr

117

Kommentar schreiben

Verbleibende Anzahl Zeichen:

No connection to facebook possible. Please try again. There was a problem while transmitting your comment. Please try again.
Werbung

117 Kommentare

Stefan Vogt

04.03.2014, 17:32 Uhr
Melden 619 Empfehlung 56

Sie fordern immer mehr!! Darum Nein und nochmals NEIN! Antworten


Jürg Wehrlin

04.03.2014, 17:36 Uhr
Melden 593 Empfehlung 55

Der Islam ist keine Religion, sondern eine Ideologie und darf deshalb niemals als Landeskirche anerkannt werden. Antworten



Umfrage

Geblitzte Autofahrer kritisieren, der Baselbieter Polizei gehe es nur ums Geld. Aber: Wird im Kanton fair geblitzt?



Basel