«Jetzt kämpfen wir erst recht»

Tim Mayer, Centerleiter der Stücki, dementiert Gerüchte, dass das Shoppingcenter vor dem Aus steht. Noch wüssten die Läden, wie sie damit umgehen können.

Stücki-Chef Tim Mayer ist überzeugt, dass das Einkaufszentrum in Kleinhüningen noch eine Chance hat.

Stücki-Chef Tim Mayer ist überzeugt, dass das Einkaufszentrum in Kleinhüningen noch eine Chance hat. Bild: Nicole Pont

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Seit September 2014 ist der Deutsche Tim Mayer Chef der Stücki in Kleinhüningen. Das Shoppingcenter 
leidet seit der Eröffnung im 2009 an einem schwachen Kundenzulauf – dies hat sich nun mit der Aufhebung der Euro-Untergrenze verschärft.

Herr Mayer, was ging Ihnen durch den Kopf, als Sie vom Entscheid der Schweizer Nationalbank erfuhren?
Tim Mayer: Das war eine grosse Überraschung. Und ein weiterer externer Faktor, der nicht optimal für die Stücki ist. Der Anreiz für Einkaufstouristen wird nun mit dem SNB-Entscheid und zugleich der Verlängerung des 8er-Trams nach Weil am Rhein noch grösser.

Spürt die Stücki bereits die Auswirkungen der Aufhebung der Euro-Untergrenze?
Ja. Seit Mitte Januar ist die Kundenfrequenz um sieben Prozent zurückgegangen.

Gehen Sie selbst auch in Deutschland einkaufen?
Ich wohne zwar in Lörrach, aber in der Stücki finde ich alles, was ich brauche.

Weil am Rhein wird derzeit von Einkaufstouristen aus der Schweiz überrannt. Das sind Ihre potenziellen 
Kunden. Blicken Sie da auch ein wenig neidisch über die Grenze?
Die Situation für die Händler in Weil am Rhein stelle ich mir schon sehr angenehm vor. Wir werden uns davon aber nicht beirren lassen und konzentrieren uns lieber auf uns, machen das Beste aus der Situation. Jetzt kämpfen wir erst recht.

Wie ist die Stimmung unter den Mietern, also den Läden? Haben bereits die ersten ihren Vertrag gekündigt?
Nein. Zurzeit stehen rund 13 Prozent der Verkaufsfläche leer. Im August 2011 war die Situation ja ähnlich mit der Euro-Franken-Parität, die Mieter haben da schon ein wenig Erfahrungen sammeln können. So haben auch hier bereits diverse Geschäfte mit Euro-Rabatten reagiert.

Das Einkaufszentrum Stücki steht also nicht vor dem Aus.
Nein, die Stücki steht keineswegs vor einer Schliessung. Dass wir wirtschaftlich noch nicht am Ziel angelangt sind, ist bekannt und dazu stehen wir.

2013 hat die Stücki dem Vernehmen nach 4350 Franken pro Quadratmeter umgesetzt. Experten sagen, unter 6000 Franken wird es kritisch für ein Einkaufszentrum.
Kennzahlen wie diese kommentiert die Stücki-Centerleitung nie. Ich blicke optimistisch in die Zukunft. Jetzt gilt es umso mehr, an den Alleinstellungsmerkmalen des Centers zu arbeiten.

Die da wären?
Wir versuchen, uns gegenüber anderen Standorten durch das Angebot zu differenzieren, also zum Beispiel mit Geschäften, die der Konsument woanders nicht vorfindet. Dazu gehören H&M Home oder auch Arqueonautas. Diese Erkenntnis ist aber nicht neu.

Nein, aber sie ist für uns weiterhin von eminenter Wichtigkeit. Auch mit der Serviceleistung können wir uns abheben. So bieten wir mit dem «Stücki Jungle» eine professionelle Kinderbetreuung an, die auf positives Echo stösst. Auch unser Food Court ist bezüglich Grösse und Angebot einzigartig in der Region.

Ist er gut besetzt zur Mittagszeit?
Ja, sehr sogar. Viele vom benachbarten Businesspark verpflegen sich hier. Das ist genau in unserem Sinne, da steckt der Gedanke dahinter, dass die Leute nicht nur in ein Shoppingcenter kommen, um etwas zu kaufen, sondern auch, um ihre Freizeit zu verbringen. Diesbezüglich haben wir heute schon ein gutes Angebot, und in diese Richtung entwickeln wir uns weiter.

Vor wenigen Monaten war die Rede davon, dass ein Fitnesscenter in die Stücki kommt. Wie weit fortgeschritten sind die Verhandlungen?
Das kann ich heute noch nicht sagen, es laufen diverse Verhandlungen. Wir prüfen in alle Richtungen, damit das Center attraktiver wird.

Wäre auch ein Kino möglich?
Möglich schon. Aber das Rheincenter ist derzeit daran, seine Kinosäle auszubauen und zu renovieren, deshalb sehen wir wohl davon ab.

Aber die Entwicklung geht weg von Konsum in Richtung mehr Entertainment.
Ja, denn wir sind überzeugt, dass ein Shoppingcenter nicht nur vom Einkaufen lebt, sondern ein vielfältiges Erlebnis bieten muss.

Wie haben sich die Mietpreise seit der Eröffnung im 2009 entwickelt?
Vor der Eröffnung hat man mit anderen Umsätzen gerechnet. Das musste in den vergangenen fünf Jahren angepasst werden; entsprechend sind auch die Mietpreise gesunken.

Ende Dezember haben Sie der BaZ gesagt, dass das Weihnachtsgeschäft gut gelaufen ist. Ging es also mit der Stücki tatsächlich bergauf?
Ja, die Umsätze haben sich gut entwickelt. Das Weihnachtsgeschäft verzeichnete ein erfreuliches Plus gegenüber dem Vorjahr.

Und was für eine Bilanz ziehen Sie für das gesamte 2014?
Wir geben grundsätzlich keine Zahlen bekannt, aber das Geschäftsjahr 2014 konnten wir auf Vorjahresniveau abschliessen.

Wie rot sind die Zahlen?
Die Zahlen des Unternehmens Stücki sind schwarz. So schlecht, wie es in den Medien manchmal dargestellt wird, steht es nicht um uns.

Dann ist die Situation jetzt ja doppelt frustrierend: Endlich ging es bergauf und jetzt macht Ihnen die Nationalbank einen Strich durch die Rechnung.
Ja, das hat was (lacht). Aber wie gesagt, wir geben nicht auf und lassen uns davon nicht verunsichern. Es besuchen uns immer noch mehrere Tausend Kunden am Tag, am Wochenende sind es oftmals 10'000.

Wie treten Sie der Krise konkret entgegen, um nicht noch mehr Besucher zu verlieren?
Wir arbeiten an neuen Werbemassnahmen, gemeinsam mit den Mietpartnern. In den nächsten Wochen wollen wir mit Spezialangeboten unserer Shops reagieren. Ausserdem prüfen wir weitere Massnahmen, um unsere Stärken – wie etwa die guten und günstigen Parkmöglichkeiten – zu betonen.

Wie sehen diese Werbemassnahmen aus?
Das kann ich heute noch nicht sagen, da ist alles möglich, von einer Plakatkampagne bis hin zu Werbung in den Trams.

Apropos: Die BVB mussten in den vergangenen Tagen die Kritik einstecken, dass sie mit ihrer Taktverdichtung nach Weil am Rhein den Einkaufstourismus fördern würden und damit gegen das Basler Gewerbe arbeiten. Gewisse Politiker fordern, dass die deutsche Seite mehr an die Betriebskosten der Linie 8 zahlen soll. Wie sehen Sie das?
Selbstverständlich ist diese Takterhöhung ein weiterer Wettbewerbs-
vorteil für das deutsche Gewerbe. In diesem Sinne könnte ich mir eine höhere Beteiligung der deutschen Seite vorstellen.

Die Stücki wartet derweil immer noch auf eine direkte Tramanbindung.
Ja, das würde die Erreichbarkeit der Stücki wesentlich verbessern. Wir werden uns daher aktiv dafür einsetzen. Letztendlich sollte es möglich sein, eine Schlaufe zur Stücki zu bauen; es geht hier nur um wenige Hundert Meter.

Die jetzige Tramstation ist ja aber auch nicht wirklich weit entfernt.
Das stimmt, aber eine Gehdistanz von lediglich vier Minuten stellt für viele Konsumenten eine gewisse «psychologische Barriere» dar.

Haben Sie die Möglichkeit eines Shuttlebusses geprüft, der zum Beispiel stündlich ab Barfüsserplatz oder Bahnhof SBB zur Stücki fahren würde?
Das ist in der Geschäftsleitung schon lange ein Thema. Wir haben diese Möglichkeit auch geprüft. Allerdings ist es an solch stark frequentierten Orten für ein privatwirtschaftliches Unternehmen nicht möglich, eine Haltestelle zu bekommen.

Der Kanton ist Ihnen also nicht entgegen gekommen. Wünschten Sie sich ein bisschen mehr Unterstützung vonseiten der Behörden?
Wir haben uns jetzt ein paar Alternativen ausgedacht: In den Sommer monaten könnten zum Beispiel Rikschas von der Tramhaltestelle Kleinhüningen direkt zum Shoppingcenter fahren.

Nochmal: Wünschten Sie sich mehr Unterstützung?
Wir stehen mit den Basler Behörden in regem und gutem Kontakt. Dennoch sind wir bis anhin mit unseren Vorstellungen und Ideen noch nicht am gewünschten Ziel angelangt.

Wo liegt denn das Problem?
Wir konnten noch keine Lösung finden.

Seit September 2014 haben Sie die Leitung des Centers inne. Wie fällt Ihre persönliche Bilanz für die vergangenen fünf Monate aus?
Sehr gut. Ich war mir bewusst, dass die Centerleitung der Stücki eine grosse, aber auch spannende Herausforderung sein wird. Ich wurde super aufgenommen vom Team, aber auch von der Stadt Basel. Dazu muss ich allerdings sagen, dass ich ja bereits seit Ende 2013 die Centerleitung inne habe, zusammen mit Jan Tanner, der uns im September 2014 verlassen hat.

Ist es wahr, dass Jan Tanner im Streit gegangen ist?
Wir beide hatten ein sehr gutes Verhältnis und stehen auch heute noch in Kontakt, tauschen uns aus. Als er seine Weihnachtseinkäufe in der Stücki tätigte, haben wir uns auf einen Kaffee getroffen.

Wie Sie sagen, ist die Leitung der Stücki eine echte Herausforderung. Bevor Sie nach Basel kamen, haben Sie in Berlin ein Center geleitet, das neben der Stücki auch von der ECE betrieben wird, allerdings ist es ein sehr etabliertes. Weshalb haben Sie gewechselt, was ist das Reizvolle an dieser Aufgabe?
Genau aus diesem Grund: Es ist eine echte Herausforderung. Ich habe International Business in Maastricht studiert und danach meine erste Position bei der ECE angetreten. Bei diesem Unternehmen gibt es viele Möglichkeiten, sich weiterzuentwickeln; die ECE ist mit 200 Centern europaweit aktiv.

Sie sind mit 30 Jahren für einen Centerleiter noch sehr jung. Haben Sie keine Angst, dass es Ihrer Karriere schaden könnte, wenn Sie die Stücki nicht auf Vordermann bringen? Haben Sie noch nie mit Ihrer Entscheidung, nach Basel zu kommen, gehadert?
Nein, absolut nicht. Die Aufgabe ist sehr spannend und reizvoll, und die Stücki hat eine eindeutige Daseins berechtigung. Wir sind auf gutem Weg, und es gibt noch viel Potenzial.

Was wäre für Sie der absolute Traummieter?
Ich träume nicht, sondern sehe das Ganze eher pragmatisch und bleibe auf dem Boden der Tatsachen. Jedes Label kann eine Bereicherung für uns sein.

Was haben Sie sich als langfristiges Ziel gesetzt?
Ich möchte die vorhin angesprochene Umstrukturierung vom reinen Retail hin zu einem grossen Freizeitangebot vorantreiben. Entsprechend ist mein Wunsch, dass die Stücki dereinst zu 100 Prozent vermietet ist, wohl nicht ganz unrealistisch. (Basler Zeitung)

Erstellt: 05.02.2015, 17:31 Uhr

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Als Jan Tanner Ende August 2014 der Stücki dem Vernehmen nach auf eigenen Wunsch verliess, klang er müde und ausgelaugt. Die fünf Jahre Leitung würden sich anfühlen wie zehn, sagte er damals. Wie der 46-Jährige heute exklusiv der BaZ berichtet, hat er per 1. März 2015 eine neue, spannende Aufgabe gefunden – und bleibt dabei der Shopping-Welt treu: Tanner wird Leiter Quartiermanagement bei der Mobimo in Lausanne. Die Immobiliengesellschaft ist seit 2011 in Besitz eines 55'000 Quadratmeter grossen Stadtquartiers in Lausanne, mit grossem Angebot an Shopping, Events, Kunst, Kultur, Kino, Restaurants, Büros und Wohnen. Dies impliziere ein zentral geführtes Quartiermanagement, sagt Tanner. Er habe die Aufgabe, insbesondere das Geschäftsfeld Retail zu bearbeiten und sich mit Fragen rund um ein modernes entsprechendes Angebot in dem Stadtquartier zu beschäftigen. Daneben wolle er seine Funktion als Präsident des Schweizer Shopping center-Verbands SCSC fortführen. rak

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