Jetzt kommt mal alle runter

Eine bizarre Kunstaktion, ein zweideutiger Coupe und ein absurder Veloparkplatz: Etwas mehr gesunder Menschenverstand täte den Protagonisten gut.

Der neue Veloparkplatz am Bankverein sorgt für verdutzte Gesichter.

Der neue Veloparkplatz am Bankverein sorgt für verdutzte Gesichter. Bild: Kostas Maros

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An der Kunstmesse Art Basel 2013 installierte ein japanischer Künstler vor dem Messegelände ein Favela-Dorf, was einigen Leuten nicht gefiel, worauf diese die Kunst-Favela besetzten, welche wiederum von der Basler Polizei geräumt wurde. An der letztjährigen Art wollte dann eine Gruppe Kunstaktivisten, die sich «diezelle» nennen, mit einer Pappteller-Aktion die Räumung wie auch immer nachspielen. Diese Kunst-Performance wurde von der Polizei unterbunden und die Aktivisten wurden festgenommen. Ein Strafverfahren gegen den damaligen Einsatzleiter wegen Amtsmissbrauch und Freiheitsberaubung ist zurzeit bei der Staatsanwaltschaft mit noch offenem Ausgang hängig.

An der diesjährigen Art-Messe hat es nun geklappt und die Kunstaktion von «diezelle» mit ihrem Hauptinitianten Enrique Fontanilles, Künstler und seit wenigen Tagen ehemaliger Vizedirektor der Schule für Gestaltung, konnte ungehindert von der Polizei diese ihre wahnsinnig wertvolle Kunstperformance durchführen. Die Aktion bestand darin, sich gegenseitig Frisbee-Scheiben zuzuwerfen; also was man so im Garten oder am Strand macht. Gleichzeitig rückten Leute aus der alternativen Hausbesetzerszene mit einem Kartonpanzer an und eine Frau soll lauthals «was ist Kunst?» gebrüllt haben. Ob sich dieser Ausspruch auf die Frisbee-Aktion bezog, ist nicht weiter bekannt. Die Polizei musste nicht einschreiten, wobei mit Sicherheit jede Menge Überstunden für das zusätzliche Mannschaftsaufgebot verrechnet und abgegolten werden müssen.

Zur gleichen Zeit wurde bekannt, dass Pflegerinnen des Binninger Altersheims Schlossacker in einem Basler Lokal ausgelassen feierten, worauf ein Kellner der anwesenden Stationsleiterin und Chefin der Pflegerinnen den Polterabend-Banensplit offerierte, bei welchem die Banane und die Glace-Kugeln zu einem phallischen Symbol drapiert werden. Die Stationsleiterin nahm sich fellatiomässig einen Bissen und wurde dabei fotografiert, bekam später Gewissensbisse und forderte ihre Untergebenen auf, die Bilder auf ihren Handys zu löschen. Damit nicht genug. Später beklagte sie sich beim Altersheim-Direktor, welcher die Pflegerinnen entliess. Ein Kellner serviert also bei einer ausgelassenen Damenrunde ein Dessert mit einer Banane in eindeutig-zweideutiger Position. Die beschenkte Dame nimmt diese Banane ebenso eindeutig-zweideutig in den Mund, worauf ihre Untergebenen entlassen werden. Dabei äusserte sie sich noch dahingehend, dass statt der Entlassung eine Mediation ausreichend gewesen wäre. Mediation für was? Wem ist eigentlich der Konflikt zuzuschreiben, dass die Stationsleiterin die Banane des Anstosses nicht einfach mit dem Löffel ass? Es hätte nicht verwundert, wenn sich die Polizei- und Strafverfolgungsbehörden mit diesem etwas aus dem Ruder gelaufenen Firmenanlass hätten befassen müssen.

Und schliesslich musste vergangene Woche eine erstaunte Basler Bevölkerung zur Kenntnis nehmen, dass die Verantwortlichen des Bau- und Verkehrsdepartementes bei der Tramhaltestelle Bankverein einen bizarren Veloparkplatz aufgemalt haben. Das Œuvre wird mit Sicherheit seinen Platz irgendwo zwischen Schilderbürgerstreich, Fasnachtssujet und verfehlter Verkehrsplanung finden. Was aber haben der Frisbee-Aktivist Fontanilles, die Stationsleiterin und die Schöpfer des Veloparkings gemeinsam? Sie alle haben in ihrem Bereich den Boden unter den Füssen verloren, schweben in nicht mehr zugänglichen Sphären und nehmen sich samt und sonders viel zu wichtig. Etwas mehr gesunder Menschenverstand täte ihrem Umfeld, vorallem aber ihnen selbst enorm gut! (Basler Zeitung)

Erstellt: 22.06.2015, 16:33 Uhr

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Markus Melzl ist ehemaliger Kriminalkommissär und Sprecher der Staatsanwaltschaft Basel-Stadt. Er schreibt regelmässig in der BaZ über Kriminalität und Sicherheit.

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