Basel

«Joachim» piesackt das Baselbiet

Von Andreas Hirsbrunner. Aktualisiert am 17.12.2011 1 Kommentar

Am Tag nach dem Sturm lässt sich Bilanz ziehen. «Lothars kleiner Bruder» forderte Schäden im Millionenbereich und zwei Verletzte.

1/25 So wütete «Joachim» Mitte Dezember über die Region
In Diegten wurde am Freitag, 16. Dezember, ein Lastwagen-Anhänger durch den starken Wind umgestossen. Zurück auf den Rädern wurde der Anhänger während der Weiterfahrt erneut umgeweht...
Bild: Polizei BL

   

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Im Vergleich zum Vandalen «Lothar» war «Joachim» ein Lausbube. Denn «Joachim», so der Name für das gestrige Sturmtief, blies zwar kräftig, aber um einige Dutzend Kilometer pro Stunde schwächer als «Lothar» vor zwölf Jahren. «Joachims» regionale Höchstleistung wurde gemäss Meteo Suisse in Rünenberg gemessen: 142,9 Kilometer pro Stunde. Doch obwohl die Werte nicht rekordverdächtig waren, gab es zwei verletzte Personen und Schäden im zweistelligen Millionenbereich.

Besonderes Pech hatte ein 36-jähriger Lastwagenfahrer. Ein Windstoss kippte seinen Anhänger auf der Strasse zwischen Diegten und Bennwil um. Kaum hatte ihn ein Abschleppdienst wieder aufgestellt, kam neues Ungemach: Laut Baselbieter Polizei sorgte auf der Weiterfahrt in Richtung Hölstein eine noch stärkere Windböe dafür, dass nicht nur der Anhänger, sondern auch noch der Lastwagen kippte. Dabei verletzte sich der Chauffeur und musste ins Spital gebracht werden. Und im Bootshafen Augst stürzte ein 65-Jähriger beim Versuch, eine vom Wind weggerissene Abdeckplane eines Bootes wieder zu befestigen, ins kalte Wasser. Ein Bekannter konnte ihn mithilfe einer Leiter bergen. Der Verunfallte wurde mit leichten Verletzungen und Verdacht auf Unterkühlung ebenfalls ins Spital gebracht.

Isoliertes Bergdorf

Zu einer Baselbieter Rarität kam es in Langenbruck: Das Dorf war wegen gesperrten Strassen infolge umgefallener Bäume gestern Nachmittag «komplett von der Umwelt abgeschnitten», wie die Polizei mitteilte. Nebst vielen anderen Strassen musste auch der Eggfluhtunnel aus Sicherheitsgründen gesperrt werden. Aber nicht nur die Polizei, sondern auch die Basellandschaftliche Gebäudeversicherung schob gestern Sonderschichten: Marc Engel, Leiter Bereich Versicherungen, berichtete von 1000 eingegangenen Schadensmeldungen vor allem wegen beschädigten Dächern. Die Meldungen reichten von einzelnen heruntergefallenen Ziegeln bis zu praktisch vollständig abgedeckten Dächern, so in Wittinsburg und Arboldswil, wo Bewohner in Sicherheit gebracht werden mussten. Engel: «Es sieht vor allem in den beiden Frenkentälern, im Homburgertal und in Dörfern auf den Hochebenen wie Rünenberg heftig aus.» Über 40 Feuerwehren waren im Einsatz. Engel rechnet in den nächsten Tagen mit bis zu 10'000 Schadensmeldungen mit einem Volumen von zehn bis 15 Millionen Franken, fügt allerdings an: «Wir sind in der Chaosphase und haben noch keinen Überblick.» Um den Andrang abdecken zu können, sind die Telefone der Gebäudeversicherung heute Morgen besetzt.

Umgestürzte Bäume sorgten nicht nur für gesperrte Strassen, sondern auch für diverse Stromausfälle: Im Versorgungsgebiet der Elektra Baselland (EBL) kam es bereits kurz vor drei Uhr in der Frühe in Titterten, Liedertswil und Reigoldswil zu ersten Stromausfällen. Im Verlaufe des Morgens kam es in 18 Orten zwischen Ziefen und Oltingen zu teils längeren Stromunterbrüchen.

Besonders Mühe machte der EBL die Reparatur der Leitung auf den Dietisberg «durch topografisch äusserst schwieriges Gelände», wie sie mitteilte. Noch nicht behoben werden konnten die Schäden an mehreren Hofzuleitungen; dort sorgen vorübergehend Notstromgruppen für Elektrizität. «Joachim» fegte aber auch durchs Versorgungsgebiet der Elektra Birseck Münchenstein (EBM) und verursachte mehrere Stromunterbrüche zwischen Bretzwil und Mariastein. Am späten Nachmittag war sogar das ganze Laufental stromlos.

Gefährdete Bäume

Und wie gehts dem Wald? Der Kantonsförster beider Basel, Ueli Meier, hatte gestern Nachmittag noch keine Übersicht: «Ich habe bis jetzt keine Rückmeldungen erhalten. Aber ein gescheiter Förster geht bei diesem Wind auch nicht in den Wald.» So hat es übrigens bereits am Donnerstagabend der kantonale Krisenstab für die ganze Bevölkerung ausdrücklich empfohlen. Meier rechnet aufgrund der Windgeschwindigkeiten insbesondere im Oberbaselbiet mit einigen Schäden. Besonders gefährdet seien wegen der Turbulenzen Bäume neben Löchern im Wald und frisch freigestellte Bäume, die den Wind nicht gewohnt seien.

Doch es gab gestern auch einige wenige, die sich über Joachim freuten: Mehrere Schulen, so etwa die Sekundarschulen in Laufen und Reigoldswil, hatten am Nachmittag sturmfrei. Dies wegen der Gefahren, die wegen Joachim auf dem Schulweg drohten. (Basler Zeitung)

Erstellt: 17.12.2011, 12:53 Uhr

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1 Kommentar

Fritz Nussbaumer

17.12.2011, 18:58 Uhr
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@Andreas Hirsbrunner
"Im Vergleich zum Vandalen «Lothar» war «Joachim» ein Lausbube."
Mir scheint, die wollen die Nachfolge von Trudi Gerster antreten.
Dieser Satz ist einfach unpassend, wenn man die Situation im Baselbiet kennt.
Da ist eben gar nichts von lustig.
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