Johann Peter Hebel, der fast vergessene Sohn

«Wenigstens etwas», sagt die Präsidentin der Basler Hebel-Stiftung, Beatrice Mall-Grob. Der heutige Neujahrsempfang des Stadtpräsidenten Guy Morin steht im Zeichen des Dichters Johann Peter Hebel.

Der Dichter Johann Peter Hebel.

Der Dichter Johann Peter Hebel.

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Der Dichter von «Z Basel an mym Rhy» wird 250 Jahre alt. Die Basler Regierung verzichtet auf eine grosse Feier des berühmten Basler Sohns. Genügt eine Würdigung am Neujahrsempfang?

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Nach Grossrat Oswald Inglin (CVP) wird nun auch dessen Parteikollege Marcel Rünzi politisch aktiv. Der Bürgergemeinderat hat im Stadtparlament eine Interpellation zum 250. Geburtstag von Johann Peter Hebel eingereicht. Hebel soll 2010 eine «gebührende und würdige Ehrung» erhalten, fordert Rünzi. Auch Inglin hatte im Kantonsparlament die passive Haltung des offiziellen Basel betreffend Hebel-Jubiläum kritisiert.

Der wohl berühmteste alemannische Mundartdichter Johann Peter Hebel wurde am 10. Mai 1760 in Basel geboren und verbrachte hier die Hälfte seiner Kindheit, weil seine Eltern im Sommer in einem Patrizierhaus arbeiteten. Im Winter lebte er in Hausen im Landkreis Lörrach. Im Gegensatz zu Deutschland halten sich die Behörden in Basel vornehm zurück mit Feierlichkeiten im Jubiläumsjahr.

«Schöne Würdigung»

Etwas macht das offizielle Basel aber doch für den Dichter der Stadthymne «Z Basel an mym Rhy». Der heutige Neujahrsempfang des Stadtpräsidenten Guy Morin in der Peterskirche steht im Zeichen von Johann Peter Hebel. «Es wird eine feierliche und schöne Würdigung des Dichters durch den Regierungsrat sein», erklärt Morin. Das sei wenigstens etwas, kommentiert Beatrice Mall-Grob, Präsidentin der Basler Hebel-Stiftung. «Immerhin ein Zeichen der Wertschätzung zum Anfang des Hebel-Jahres.» Sie hofft, dass die Regierung am einen oder anderen Hebel-Anlass teilnehmen wird. Das bestätigt Morin. Die Basler Regierung wird am 10. Mai an der Hebel-Feier in Hausen vertreten sein. Weiter unterstützt sie private Bemühungen, den Mundartdichter zu ehren. Die Mittel der Hebel-Stiftung seien beschränkt, sagt Mall. Eine Doppel-CD mit den berühmtesten alemannischen Gedichten und Kalendergeschichten ist bereits erschienen. Geplant ist unter anderem noch ein Comicband.

«Beamtengesellschaft»

Der Journalist Urs Paul Engeler glaubt den Grund für das «organisierte Vergessen» des offiziellen Basel zu wissen. Der rot-grün-urbanen Basler «Beamtengesellschaft» erscheinen die von Hebel gerühmten Tugenden der alemannischen Welt – wie Fleiss, Masshalten und Selbstverantwortung – als «überholt, ja reaktionär», schreibt Engeler in der «Weltwoche» vom 19. Januar.

«Hebel lässt sich nicht parteipolitisch festlegen», widerspricht Mall. Auch der Grüne Morin kann Engelers Argumentation nicht nachvollziehen. Morin würdigt Hebel als «Weltbürger, der die Aufklärung und die politische Moderne in der Sprache und in der christlichen Moral unserer Region vorlebt», diese volkstümlich erläutere und in unvergesslichen dichterischen Bildern verewige. (Basler Zeitung)

Erstellt: 29.01.2010, 10:06 Uhr

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2 KOMMENTARE

Bruno Waldvogel

29.01.2010, 09:29 Uhr

Dem Beobachter ist schon lange klar, dass die Basler-Kulturpolitik nicht gerade das Gelbe vom Ei ist. Immer wieder hat man den Eindruck, dass das eine geschlossene Welt von "Freunden" ist, die nicht eben immer den Bodenkontakt hat zu dem, was den Rest von Basel bewegt. Je deformierter die Kunst, umso besser. Je geradliniger und bodenständiger, umso verdächtiger. Herr Hebel ist nur Symptomträger.


Rita H. Dubois

29.01.2010, 09:07 Uhr

Ich teile die Meinung von Urs Engeler voll und ganz. Es ist einfach peinlich, dass die rot/grüne Regierung es nicht für nötig findet, eine würdige offizielle Hebel-Feier zu organisieren. An der Hebel-Feier in Hausen teilnehmen und sich dort auf Kosten anderer verköstigen, kommt halt billiger, das passt!



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