Kampf der Kulturen im Frauenbad

Von Maria Krummenacher. Aktualisiert am 23.07.2010 101 Kommentare

Im Fraueli schwelt ein Kulturkonflikt. Immer wieder bricht zwischen muslimischen Frauen und anderen Besucherinnen des Freibads im Eglisee Streit aus. Das Sportamt appelliert an die Toleranz.

Gegensätze in der Badi: Burkas wurden im Eglisee aber noch nicht gesichtet (Bild: Englischer Garten München). (Bild: Keystone )

Umfrage

Einige muslimische Frauen verschleiern sich auch in Freibädern. Das führt zu Konflikten mit anderen Badegästen. Stören Sie verschleierte Frauen in der Badi?

Ja

 
86.8%

Nein

 
13.2%

1044 Stimmen


Eine Gruppe muslimischer Frauen sitzt auf einer Bank im Fraueli im Gartenbad Eglisee. Eine Mutter mit Kopftuch hält ihr wenige Monate altes Baby auf dem Schoss. Ihre ältere Tochter sitzt daneben. Sie trägt einen farbigen Bikini und das schwarze gelockte Haar fällt ihr auf die Schultern. Unvermittelt drängt sich eine ältere, nicht muslimische Frau zwischen die Gruppe und macht sie darauf aufmerksam, dass sie auf der Bank ihre Sachen deponiert habe und diese daher «ihre Bank» sei. Die Mutter zieht sich mit dem Baby zurück, doch ihre Tochter blickt angriffslustig in die Runde: «Wir lassen uns nicht vertreiben.»

Konflikte, wie dieser von der BaZ beobachtete, sind im Fraueli offenbar keine Seltenheit. Während sich manche Nicht-Musliminnen an der Verschleierung der Musliminnen stören und sich über deren Unfreundlichkeit beschweren, ist den muslimischen Frauen vor allem das männliche Badepersonal ein Dorn im Auge. «Das Fraueli gehört den Frauen», sagt Azize Elmas. Sie könne nicht verstehen, dass ein Mann hier Zutritt habe. Latifa Zaimeche aus Mulhouse verschleiert sich, sobald der Bademeister das Fraueli betritt. «Wir Musliminnen kommen extra hierher, um fernab der Männer baden zu können», sagt sie. Sie wolle sich einem Mann nicht in Badebekleidung zeigen. Mehrfach habe sie die Bademeisterinnen darauf aufmerksam gemacht. Ohne Erfolg.

Baden in Leggins, oder oben ohne

Dem Leiter des Eglisee, Franz Bohrer, scheint das Eisen zu heiss zu sein. Er und seine Mitarbeiter geben zu den Vorfällen keine Auskunft. Beim Sportamt versucht man derweil zu beschwichtigen. «Wir respektieren die Lage der Musliminnen», sagt Rolf Moser, Leiter Vermietung und Belegung Anlagen. Doch appelliert er an die Toleranz der Badibesucher. Aus betriebstechnischen Gründen müsse manchmal ein Mann Arbeiten im Frauenbad übernehmen. Aufgrund der «Arbeitsstruktur» sei es zudem nicht möglich, mehr Frauen anzustellen.

Die regelmässige Fraueli-Besucherin Carolina Rosamilia findet es nicht gut, wenn Frauen sich in der Badi verschleiern. «Die breiten sich hier aus und sind dann auch noch unfreundlich», sagt sie. Sie habe auch schon gesehen, wie eine Frau mit Badeanzug und Leggins ins Wasser gegangen sei. Laut Badereglement ist dies verboten. «Einmal habe ich beobachtet, wie muslimische Frauen eine sich oben-ohne sonnende Frau beleidigten», sagt Rosamilia weiter. Die Musliminnen hätten von der Frau verlangt, sich zu bedecken. Da habe sie eingegriffen und die Frau verteidigt. Im Frauenbad sei das Baden ohne Oberteil erlaubt. Damit müssten sich die Musliminnen abfinden.

Burkinis, in Ägypten der letzte Schrei

Dieser Meinung ist auch Nabil Arab von der Islamischen König Faysal Stiftung in Basel. «Wenn sich Muslimas in der Badi verschleiern, müssen sie auch unbekleidete Frauen akzeptieren», sagt er. Wie Moser betont er die Bedeutung der gegenseitigen Toleranz. Neben den Bademeistern stösst auch das männliche Sicherheitspersonal der Firma Protectas, das regelmässig im Fraueli patrouilliert, auf Widerstand. «Ohne Vorwarnung tauchen sie hier auf und verderben uns das Baden», sagt Nadja Roumani aus Schopfheim (D). Laut Moser vom Sportamt unterstütze die Protectas die Bademeister an aussergewöhnlich heissen und vollen Tagen. Das habe sich bewährt. Männliches Wachpersonal sei jedoch im Frauenbad nicht zwingend. «Ab sofort wird nur noch die weibliche Sicherheitsperson im Fraueli patrouillieren», verspricht Moser.

«Im Fraueli sollten Musliminnen sorglos baden gehen können», sagt Arab. Denkbar ist für ihn, dass sich in der Region die sogenannten Burkinis durchsetzen. Dabei handelt es sich um ein den ganzen Körper bedeckendes Kleidungsstück inklusive Kopfteil aus normalem Bademodenstoff. Die Burkinis sind laut Arab an den Stränden von Ägypten der letzte Schrei. (Basler Zeitung)

Erstellt: 23.07.2010, 08:14 Uhr

101

Kommentar schreiben







 Ausland



Verbleibende Anzahl Zeichen:

Mit dem Absenden des Kommentars erklärt sich der Leser mit nachfolgenden Bedingungen einverstanden: Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt. Telefonische Auskünfte werden keine erteilt. Ihr Kommentar kann auch auf Google und anderen Suchseiten gefunden werden.

101 Kommentare

Irène Cottier

24.07.2010, 14:54 Uhr
Melden 2 Empfehlung

Warum eigentlich werden verschleierte Frauen ins Fraueli eingelassen? Wird denn kontrolliert ob sich unter dem Schleier wirklich eine Frau befindet, oder ob es etwa ein Spanner ist? Und so ganz nebenbei, wir müssen uns doch im Ausland auch den dortigen Gepflogenheiten anpassen, warum verlangen wir das in der Schweiz nicht auch diesen Gästen? Antworten


Serge Dunkel

15.08.2010, 00:30 Uhr
Melden 2 Empfehlung

Ich meine, dass es hier in erster Linie nicht um die Frage bezüglich der Toleranz zwischen den schweizerischen und ausländischen Menschen geht, wie der Artikel auf den ersten Blick zu suggerieren vermag, sondern eher um emanzipatorische Fragen. Mein erster Gedanke beim Lesen dieses Artikels war: Was, im Fraueli gibt es tatsächlich noch männliche Bademeister? Eigenartig! Antworten



Basel

Populär auf Facebook Privatsphäre

Verzeichnis

Werbung

Meistgelesen in der Rubrik Basel

Ist der Kreisel bei der Prüfstation trotz Sanierung gefährlich?

Ja

 
52.2%

Nein

 
47.8%

1101 Stimmen

bluebanana.ch

BaZ.Reisen. 2012

Eine Aktion von bluebanana.ch, Baslerstab und Basler Zeitung

BaZ.Mobil.

Mimpfeli