Basel
Kampf um das Kasernenareal
Von Ralph Schindel. Aktualisiert am 17.11.2011 38 Kommentare
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Die Fasnacht, eventuell die Modeschau der Hochschule für Gestaltung und Kunst, die Kunstmesse Scope, das Basel Tattoo, die Sportnacht, das Internationale Theaterfestival und die Herbstmesse: Auf dem Kasernenareal soll im kommenden Jahr laut offizieller Belegungsliste einiges laufen. Aber nicht ganz so viel, wenn es nach dem Komitee «Heb Sorg zum Glaibasel» geht.
Der Quartierverein hat zusammen mit Anwohnern und Gewerbetreibenden Einsprache gegen das Basel Tattoo eingereicht. Grund: «Das Tattoo wurde immer grösser und belegt mittlerweile sogar einen Teil der Grünfläche», sagt Thomas Mächler, Präsident des Komitees. Die Belegung habe im vergangenen Jahr sowohl zeitlich als auch räumlich ein nicht mehr tolerierbares Ausmass angenommen.
Gängige Praxis
Das Komitee berufe sich in seiner Einsprache auf «Ungereimtheiten rechtlicher Art», wie Mächler ausführt. Das Gesuch des Basel Tattoos läuft über die Allmendverwaltung. Das Kasernenareal ist der Zone für Nutzungen im öffentlichen Interesse (NÖI) zugeordnet, «deshalb ist die Allmendverwaltung gar nicht zuständig für Bewilligungen», sagt Mächler. Eine Allmendbewilligung reiche nicht. Im Gegenteil: Die Nutzung eingezonter Flächen falle unter das Bau- und Planungsrecht, befristete Hochbauten, wie zum Beispiel die Tribünen der Tattoo-Arena, müssten auch dementsprechend beurteilt werden. Im zuständigen Bau- und Verkehrsdepartement (BVD) hat man aus den Medien von der Einsprache erfahren. BVD-Sprecher Marc Keller räumt ein, dass auch «die Zuständigkeit des Bauinspektorats für die Tattoo-Bewilligung denkbar» sei. «Verwaltungsinterne Absprache und Praxis seit 2002 ist aber, dass die Allmendverwaltung zuständig ist.»
Diese Praxis sei berechtigt und sinnvoll, da es sich bei der Kaserne um einen öffentlichen Platz handle und das Areal öffentlich genutzt werde. «Ob diese Praxis aber auch juristisch zulässig ist, muss nun im Rahmen der Einsprachebehandlung geprüft und geklärt werden», sagt Keller. Tattoo-Produzent Erik Julliard bleibt derweil gelassen. Mit dem Gesuch habe man ja die Möglichkeit zur Einsprache geschaffen. Von der Einsprache hat er erst am Ende der Frist erfahren, eigentlich habe er mit mehr als lediglich einer Einsprache gerechnet. «Ich hätte es aber toll gefunden, Herr Mächler hätte sich kurz bei uns an der Glockengasse gemeldet», sagt Julliard. Einer möglichen rechtlichen Auseinandersetzung sieht Julliard ebenfalls gelassen entgegen. «Ich kenne das Rechtssystem», sagt der studierte Jurist.
«Wir sind nicht gegen das Tattoo»
Julliard glaubt auch, dass es nicht unbedingt gegen das Tattoo gehe, sondern mit der Einsprache eher die Übernutzung des Kasernenareals gemeint sei. Mächler bestätigt diese Einschätzung indirekt: «Wir sind nicht gegen das Tattoo, sondern für die Kaserne.» Trotzdem: «Das Tattoo ist nicht zonenkonform, da es sich um einen privaten Anlass handelt», sagt Mächler. Die Quartierbevölkerung sei quasi ausgesperrt – und das einen ganzen Monat lang während der Sommerferien. «Damit werden insbesondere Kinder und Jugendliche, die ihre Spiel- und Freizeitmöglichkeiten in der näheren Umgebung benötigen, massiv in ihrem natürlichen Spiel- und Bewegungsdrang eingeschränkt», schreibt das Komitee.
Der Tattoo-Produzent bestreitet dies. «Das Areal ist auch während des Tattoos offen, lediglich für die Zeit einer Show ist es jeweils nicht zugänglich.» Ausserdem würden jeweils 1000 Tattoo-Tickets für die Anwohner reserviert. Julliard betont aber, dass er das Anliegen des Komitees anerkenne und den laufenden Dialog weiterführen wolle. Die Lösung des Problems sieht das Komitee auf der politischen Ebene: Der Grosse Rat müsste die speziellen Bauvorschriften der NÖI lockern, wogegen das Referendum ergriffen werden könnte. «Das Thema würde in einem demokratischen Prozess angeschaut, die Lösung wäre sauber», sagt Mächler.
Konsequenzen aus der Einsprache zieht Julliard nicht. «Nun muss das Bau- und Verkehrsdepartement die Einsprache prüfen.» Der Vorverkauf für die Tattoo-Ausgabe 2012 beginnt am 2. Dezember. Falls es zu Überschneidungen mit der Einsprachebehandlung komme, sei das Komitee verhandlungsbereit, betont Mächler. «Wir könnten das Tattoo im kommenden Jahr akzeptieren.» (Basler Zeitung)
Erstellt: 17.11.2011, 07:40 Uhr
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38 Kommentare
Geht's eigentlich noch? Weg mit dem Tattoo, weg mit der Kaserne, weg mit den Grillierern am Rheinbord, weg mit dem Floss und weg mit dem Lärm... Was als nächstes? Herbschtmäss, da können auch keine Kinder spielen? Oder Fasnacht? Gute Nacht! Leute! Zieht raus auf's Land und lasst die Veranstaltungen bei der Kaserne als Bereicherung für das Leben in Basel! Antworten
Es erstaunt mich immer wieder, wie stark der Neid die Hirnwindungen Einzelner verbiegen kann.
Die Einsprache ist ein absoluter Verhältnisblödsinn. Im Kleinbasel gibts genug Bewegungsfreiraum. Warum konzentriert sich Herr Mächler und Co genau auf diesen kleinen Platz. Abgesehen davon bleibt die Grünfläche frei um sich darauf zu bewegen. Sonst empfehle ich die Lange Erlen zum austoben.
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Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.
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