Basel
Kein Bier von der Stange
Von Ursula Schneider. Aktualisiert am 27.02.2009 6 Kommentare
Foto: Kathrin Horn
Info-Box
Die Hausbrauerei «Käppelijoch» wurde 2001 gegründet. Für die kommenden Fasnachtstage wartet die kleinste unter Basels Kleinbrauereien mit einem Fasnachtsbier auf. Ein vollmundiges Pils. Ausgeschenkt wird es in der «Spalungge», in der Fasnachtsbeiz der Spale-Clique am Pfluggässlein, und im Restaurant Hahn. «Käppelijoch Spez» aus dem Einmannbetrieb geniessen Bierliebhaber das ganze Jahr über in den Basler Restaurants Lällekönig, Gundeldinger Hof und Hahn. Weitere Infos unter Telefon 061 321 80 28 oder 079 483 12 60.
Die Basler Kleinbrauerei Fischerstube gilt als Pionier in Sachen lokale Bierkultur. Seit 34 Jahren wird Ueli Bier gezapft, vorab in den hauseigenen Restaurants Fischerstube und Linde in der Rheingasse. Ausgeschenkt wird Ueli Bier etwa auch im Hotel Basel, im «Krafft» und in der Bar Consum, im «Teufelhof», im Restaurant Spalenberg, im «Les Trois Rois» und in den Cafés Hueguenin und Pinar. Und während der Fasnacht gibts verschiedene Zapfstellen im Freien, zum Beispiel bei der Hauptpost oder vor den SutterBegg-Filialen. Mehr über die kleine, feine Brauerei können Interessierte auf einer
Führung durch den Braumeister erfahren. Weitere Infos unter Telefon 061 692 94 95 oder im Internet: www.uelibier.ch
Die Unser Bier AG wurde 1997 gegründet, heute ist die kleine Brauerei die grösste in Basel. Zur Fasnachtszeit hat der «Drummler», ein Flaschenbier mit einer speziellen Etikette, Hochkonjunktur. Ob kühles Blond oder herbes Braun – das ganze Jahr über wird «Unser Bier» zum Beispiel in folgenden Basler Restaurants ausgeschenkt: Au Violon, Don Camillo, Eo Ipso, Mitte, Lilys, Lällekönig, Picobello, Stoffero, Zum Isaak. Auch bei «Unser Bier» können Interessierte einen Blick hinter die Kulissen werfen. Die Brauerei bietet eine ganze Reihe an Aktivitäten, vom Apéro bis zum Brauerlebnis. Weitere Infos unter
Telefon 061 338 83 83 oder im Internet: www.unser-bier.ch
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Die Parterrewohnung an der Colmarerstrasse 16 ist kein Ort zum gemütlichen Verweilen. Überall Flaschen, Harassen und allerlei laborähnliche Gerätschaften. Und in der Küche braut sich was zusammen. Hier hat der Hausherr Daniel Nüesch sein Sudhaus eingerichtet. Links die sogenannte Sudpfanne, rechts der Läuterbottich. Je nach Sorte lassen sich darin 100 bis 180 Liter Bier herstellen. Ein spezielles Bier und kein Einheitsbier wollte er brauen, als er Mitte der Neunzigerjahre seinen ersten 20-Liter-Biersud für den Freundeskreis gerührt hat. «Es reizte mich zu sehen, wie aus natürlichen Rohstoffen, Gerste, Hopfen, Hefe und Wasser, dieses wunderbare Gebräu entsteht», sagt Daniel Nüesch.
Was als Experiment begann, wurde schon bald zur Berufung – und vor acht Jahren zu Basels kleinster Brauerei. «Eine professionelle Anlage in Miniformat», so Nüesch. Damals erfand er auch die Marke Käppelijoch. Nüesch: «Es gab das Ueli Bier im Kleinbasel und das Unser Bier im Grossbasel. Das Einzige, was dazwischen lag, war das Käppelijoch auf der Mittleren Brücke...» Ganzjährig braut er ein «Spezial» nach tschechischer Art und «Pale Ale», ein englisches Altbier. Daneben tüftelt er an Rezepturen für seine Spezialitäten, zu Weihnachten etwa gabs ein Klosterbier mit zehn Prozent Alkohol – «ein Jahrgangsbier, das man gut lagern kann – und das sich gut eignet als Dessertbier». Bier sei schliesslich mehr als nur ein Durstlöscher an heissen Tagen. «Früher hat man Bier sogar eher im Winter als im Sommer getrunken, weil man es so schlecht kühlen konnte», sagt Daniel Nüesch.
Kleine ganz gross
Sein jüngster Wurf: ein Fasnachtsbier, ein untergäriges Pils mit 5,2 Prozent Alkohol. Fünf lange Monate hat es langsam gegärt und dann in den Tanks im Hinterhof gelagert, bis es rechtzeitig für die drei schönsten Tage bereit war zum Anzapfen. «Schmeckt vollmundig, mit einer leicht bitteren Note», wirbt der Braumeister für sein Produkt.
Das «Käppelijoch» ist eine der unzähligen kleinen, feinen Brauereien, die heute in der Schweiz für Bierkultur sorgen. «Ziegelhof, Warteck – viele Grossbrauerein mussten schliessen oder wurden von ausländischen Multis geschluckt», sagt Anita Treml Nidecker, Geschäftsführerin der Brauerei Fischerstube in Basel. «Das kommt uns Kleinen zugute, immer mehr Konsumenten schätzen lokale Produkte, nicht zuletzt aus ökologischen Gründen.»
In der Tat: Regionale Biersorten erfreuen sich immer grösserer Beliebtheit. Und ihre Schöpfer brauchen immer grössere Biertanks. So wird die Brauerei Unser Bier Anfang nächsten Jahres auf das Gundeldinger Feld ziehen und dort den Betrieb mit einer vergrösserten Anlage, zusätzlichen Gär- und Lagertanks und einer neuen Abfüllanlage aufnehmen. Und auch im «Käppelijoch» heckt man Ausbaupläne. Die Chancen dafür stehen gut. Denn seit Anfang letzten Jahres fördert der Bund die Bierkultur dank eines reduzierten Steuersatzes für Klein- und Mikrobrauereien.
Dass Bier von der Region für die Region einem Trend entspricht, bestätigt Daniel Reuter, Präsident der Gesellschaft zur Förderung der Biervielfalt (GFB): «Bier aus der Brauerei um die Ecke schafft Heimatgefühl.» Und: Wie beim Wein, stehe heutzutage auch beim Bier Klasse vor Masse. Es sind diese unfiltrierten, unpasteurisierten Biere, Spezialitäten wie das aromatische, honigfarbene Bockbier, das malzige Schwarzbier oder das leicht bittere Maisbier, bei denen Liebhaber ins Schwärmen kommen. Reuter: «Mittlerweile werden schon über 200 Sorten für den Schweizer Markt gebraut – und genussvoll getrunken.»
Aromaspender Bier
Die Vielfalt kleiner neuer Marken beflügelt offensichtlich auch die Fantasie der Köche. Der junge Spitzenkoch Stefan Schüller aus Zürich hat eine Hommage an den Gerstensaft verfasst. Ein Rezeptband, der dazu anhalten will, mit Gerstensaft nicht nur auf ein gelungenes Mahl anzustossen, sondern ihn darin zu versenken.
Fürs «Schweizer Bier Kochbuch» hat er 80 Rezepte mit heimischen Spezialitäten ausgetüftelt. Und man staune: Die süss-bittere Würze von Malz und Hopfen passt zu Hummer genauso gut wie zu Schokokuchen, Zabaione und Schweinshaxen. Schüller pochiert sogar Zander in seinem Lieblingsgebräu, löscht damit Pilzragouts ab oder köchelt daraus sein Artischocken-Bierschaumsüppchen ... (Basler Zeitung)
Erstellt: 27.02.2009, 12:30 Uhr
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6 Kommentare
@pit almeida: stimme ich voll zu, aber Carlsbreg(!) ist als Konzern nicht gut, das Bier jedoch eines der besten Industriebiere der Welt! Lokalpatriotismus ist gut, aber bitte eher Feldschlösschen oder Heineken neg. erwähnen. Ich kann auch Jacksons Qualifizierung nicht immer folgen und frage mich oft auch wer hat welche Goldmedaille verdient. Hoffe das Ueli bleibt gut, der Brauer hat gewechselt. Antworten
Es lebe das echte authentische Bier! Im Lällekönig gibt es das Käppelijoch und jahreszeitliche Spezialitäten von Dani zu trinken. Wer es für zu hause will, kann bei Käs-Wirth in der gleichen Strasse sich eindecken. Und Dani ist nicht der einzige. Ich komme zurüch nach Basel und werde alte englische Biere produzieren. Antworten



pit almeida
lieber ronnie, wer trinkt schon industriebier. wenn schon, dann weizen bier. und nach dem ,was sich die carlsberg-fritzen an der euro erlaubt haben, würde ich ihr bier nicht ieinmal trinken, wenn es gratis wäre. mein bekanntenkreis ist gleicher meinung. Antworten