Basel

Kirchenbesetzer gegen «gewaltsame Ausschaffung»

Von Steve Last. Aktualisiert am 10.02.2016 86 Kommentare

Seit Sonntag sind die Räume im hinteren Bereich der Matthäuskirche in Basel durch Aktivisten besetzt. Diese wollen mit der Aktion das Zusammenleben mit Menschen ungeachtet ihrer Herkunft demonstrieren.

1/6 Von aussen ist von der Besetzung der Kirche nichts zu erkennen.
Bild: Steve Last

   

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Am vergangenen Sonntag waren beim Gottesdienst in der Kleinbasler Matthäuskirche unerwartete Gäste zugegen. Eine Gruppe von Aktivisten mit dem Namen «Wir bleiben» wohnten diesem bei, und ganz getreu ihrem Motto blieben sie dann – zusammen mit vier abgewiesenen Asylbewerbern aus Afrika. Seither sind die unterirdischen Räumlichkeiten im hinteren Bereich der Kirche besetzt. Ziel der Aktion ist ein «Zusammenleben in Solidarität mit den Menschen zu demonstrieren», wie eine Aktivistin der Gruppe sagte. Den vier Asylsuchenden droht die Ausschaffung aus der Schweiz in ihre Herkunftsländer.

Die Evangelisch-reformierte Kirche Basel-Stadt (ERK) betrachtet die Aktion als Hausfriedensbruch. Das Gotteshaus polizeilich räumen lassen wolle man aber gegenwärtig nicht. So hiess es von Seite der Aktivisten, die Kirchgemeinde würde sie unterstützen. Die Rede war von 30 bis 40 Personen aus dem Quartier, welche an der Besetzung auf unterschiedliche Art beteiligt seien. Am Mittwochmorgen waren fünf Aktivisten vor Ort.

Appell an die Kirche

Einen Schlüssel für die Kirche haben die Aktivisten derweil nicht. Man habe die Matthäuskirche für die Aktion ausgewählt, weil man Leute aus der Kirchengemeinde kenne. Zudem stehe die Türe allen offen, welche sich für die gleichen Werte einsetzen, also Gegner der «gewaltsamen Ausschaffung aus der Schweiz» sind. Dabei besteht der Konflikt zwischen der Idee des historischen Kirchenasyls für Verfolgte – welches von der reformierten Kirche abgelehnt wird – und der rechtsstaatlichen Abweisung von Asylgesuchen. «Wir appellieren an die Kirche als moralische Institution», sagte die Aktivistin.

Auf einem Flugblatt von «Wir bleiben» heisst es, dass man sich nicht mehr darauf beschränken will, eine andere Migrationspolitik zu fördern, sondern dass man Alternativen schaffen will. Am Beispiel des Zusammenlebens mit den abgewiesenen Asylbewerbern in der Matthäuskirche wolle man ein Zeichen der Solidarität setzen. So wohnen die Aktivisten nach eigenen Angaben zusammen mit den Abgewiesenen, die sie explizit nicht als ihre Schützlinge sehen.

Keine politischen Forderungen

Konkrete politische Forderungen bestehen im Rahmen der Besetzung derweil nicht. Auch gibt es keine langfristigen Pläne für die Aktion. Für die nächsten Tage sind diverse Veranstaltungen angekündigt, denen Interessierte beiwohnen können. Die in der Kirche untergebrachten Abgewiesenen wollten nach Angaben der Aktivisten nicht mit den Medien sprechen. Sie hätten Angst und kein Vertrauen in Schweizer Institutionen, wozu sie auch die anwesenden Journalisten zählten.

Das Schiff der Kirche ist indes nicht von der Besetzung betroffen. Und solange die Kirche selbst keine Anzeige erstattet, wird wohl auch nicht gegen die Besetzer vorgegangen. Die Besetzung verlief bisher friedlich und beschädigt wurde bei der Aktion nichts. Auf dem Spielplatz hinter der Kirche spielten gar Eltern mit ihren Kindern. (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 10.02.2016, 14:09 Uhr

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86 Kommentare

Beat Felber

10.02.2016, 14:45 Uhr
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Es ist wohl nur eine Frage der Zeit, bis die Geduld der Kirche oder der Kirchenbesucher erschöpft ist. Es geht nicht an, dass Entscheide der Justiz (Nichtanerkennung als Flüchtling) via Kirchenasyl umgangen werden können. Sonst würde bald jeder Kriminelle nach demselben Schema Kirchenasyl durchsetzen. Toleranz würde hier nur den Missbrauch fördern. Antworten


Hans Huber

10.02.2016, 15:24 Uhr
Melden 421 Empfehlung 20

Sind sicher wieder solche linke Aktivisten die sich da einsetzen. Diese Besetzer zahlen sicher keine Steuern und liegen dem redlichen Bürger auf dem Portemonnaie (wer sonst hat Zeit für so einen Mist?) aber jaja dafür sorgen, dass die Steurzahler noch mehr Geld für Migranten bzw. abgelehnte Asylanten ausgeben dürfen.
Abgelehnt ist abgelehnt...ab nach Hause aber zackig!
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