Klatsch de Bâle

Von Dick- und Dünnhäutern im Basler Zolli.

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Es gab am «Apéro riche mit Abendbeleuchtung der Elefantenanlage» vier Elefantenkühe, 240 Gäste, Geschnetzeltes, diverse Canapés, Rotwein, Weisswein, Bier, ZolliCornet, sieben Reden und einen Bhaltis (Elefäntchen aus Holz und eine Briefklammer in Elefantenform). Es gab einen kleinen Zwischenfall, als Elefantenkuh Maya eine kleine Krise hatte, nachdem Elefantenkuh Rosy sie ein wenig angezickt hatte, und Maya dann ihren Ärger an einem Futterblech ausliess, das jetzt ein wenig Schrott ist. «Das gehört dazu», kommentierte Olivier Pagan, der Zolli-Direktor, «Elefanten sind ja grundsätzlich explorativ, und Maya entdeckte halt gerade das Futterblech.» Analysiert wird der kleine Ausraster nicht werden, obwohl der Zolli im Umgang mit den Elefanten gerade die herkömmlichen Fesseln sprengt und die Tiere neu an einem im weitesten Sinne psychologischen Band zu führen gedenkt; es gibt das Mittel der positiven Verstärkung, ein Training, dessen Ziel es ist, schwierige Situationen stressfrei zu meistern. Es gibt warme Bäder für Körper und Geist und Seele, Bäume zum Anlehnen, und jeder Tag ist für die vier Elefantenkühe ein wenig Ostern, weil sie sich ihr Futter in diversen Verstecken suchen dürfen. Und es gibt den «protective contact», den geschützten Kontakt, das heisst, Wärter und Elefant stehen nicht mehr in direktem Kontakt, was dazu führt, dass nicht mehr ein Wärter die Rolle der Leitkuh übernimmt, sondern, wie in der Natur, eine Elefantin, Heri in unserem Fall, was dem Sozialverhalten und der Sensibilität der Tiere offenbar entgegenkommt und ihnen mehr Freiheit und Intimsphäre in der Gefangenschaft gewährleistet.

No contact und auch keine positive Verstärkung gab es an diesem wunderbaren Apéritif samt Sternenhimmel und Afrikazauber mit der Leitkuh der Basler Regierung, Elisabeth Ackermann, die es vorzog, dem Netzwerk- anlass «Politik-Wirtschaft» des Gewerbeverbandes die Gunst ihrer Anwesenheit zu erweisen. Am selben Anlass war auch Baschi Dürr, der danach aber im Zolli auftauchte, sodass man sich fragen könnte, weshalb die Stadtpräsidentin dies nicht auch tat, zumal ja das dort war, was man einst als tout Bâle bezeichnete. Zugegeben, im Grunde vermisste keiner der Anwesenden Frau Ackermann über die Massen, aber mir persönlich ist ein Stadtpräsident im Zolli lieber als beim Gewerbeverband. Frau Ackermann, das erfuhr man am Rande, ist nächste Woche übrigens nicht in Hongkong an der Art Basel, sondern in unserer Stadt, wo sie schwerpunktmässig die Baselworld eröffnen wird. Dafür darf Hans-Peter Wessels nach Hongkong. Im Dunstkreis des Apéritifs war ein Gerücht tembea, dass Ackermann nicht nach Hongkong wollte, weil ihr Englisch nicht so komplett sei wie ihr Gitarrenspiel. Aber das ist wirklich nur ein Gerücht.

Weil die Leitkuh nicht da war, fehlte auch, so erhielt man den Eindruck, der Rest der rot-grünen Herde. Einer sagte, das könnte seine Ursache darin haben, dass Rot-Grün selbst ein Zoo sei und sich daher nicht gerne selbst besuchen würde. Ein anderer, dass sie sauer wären und trotzig, weil sie im Grossen Rat die Abstimmung über die Kürzung der Zolli-Subvention verloren haben. Diesbezüglich bemerkenswert ist, dass auch und ausgerechnet die Leitkuh für die Kürzung war. Bemerkenswert deshalb, weil sie ja an die integrative Kraft von Museen glaubt – und ein Zoo ist auch nichts anderes als ein Naturmuseum der lebenden Tiere – und dass Asylanten und Migranten sich besser integrieren würden, wenn sie gratis eine solche Institution aufsuchen könnten. Von irgendwo her kam dann der Vorschlag, es war zu der Zeit, als es schon mehr leere Weinflaschen gab als noch volle, man könnte den Bier trinkenden Eritreern vom De-Wette-Park im Zolli eine Schauwiese zur Verfügung stellen, dann würde man ja mehrere Fliegen auf einmal ... aber das geht natürlich entschieden zu weit, also bitte.

Gekommen sind dafür wichtige Vertreter aus dem Reservoir des Basler Daigs, Catherine Oeri etwa, Eric Sarasin, Andreas Burckhardt, Christoph (Innocent, Hölzli) Holzach und auch Sven Hoffmann, der bekanntlich ein Elefantenflüsterer ist und regelmässiger Teilnehmer an der Weltmeisterschaft für Elefantenpolo, und man darf wohl sagen, dass die neue und «très chic» und mit 27,4 Millionen Franken Spendengeldern finanzierte Anlage ein wenig ihnen gehört. Ich finde, man sieht es. Die Anlage weist doch da und dort die typischen Charakterzüge jener protestantischen und doch aber auch weitläufigen und nicht uneleganten Schlichtheit auf, die dem Daig so eigen ist. Draussen auf der Terrasse kam mir der Gedanke, als zuerst Elefantenkuh Heri und später auch noch Malayka sich einsam im Scheinwerferlicht im Nachthimmel präsentierten, die alte Grande Dame und Diva, die immer wieder mal umfällt, aber an diesem speziellen Tag zäh und standhaft blieb, dass man es gut hat in Basel, wenn man a: zum Daig gehört, b: ein Elefant, c: ein Baum oder d: ein Velo ist.

Übrigens bald auch noch e: ein Elefantenbulle, weil der Zolli ganz dringend auf der Suche nach einem ist, der die Kühe glücklich machen kann und den Zolli und uns dann auch, aber das ist offenbar nicht so einfach. Sagt draussen auf der Terrasse François Labhardt, Zolli-Verwaltungsrat und notgedrungen inzwischen auch Bullen- experte. Ja, man hätte einen Bullen im Auge gehabt, einen aus Wuppertal, aber der könnte das Tuberkulosevirus in sich tragen. Dass das nicht geht, ist klar; Krankheit und Tod haben in dieser neuen Oase des Elefantenlebens keinen Platz. Die gute Nachricht ist, dass bald vielleicht ein Bulle aus Ungarn, gegenseitige Zuneigung unter den Geschlechtspartnern vorausgesetzt, beim Direktkontakt mit einer oder auch zwei unserer Elefantenladys den Samen für die Erweiterung der Basler Elefantenfamilie erfolgreich abfeuern könnte.

Weil wir gerade bei Bullen sind: Es gab ja mehr Redner als Elefantenkühe und Baschi Dürr war einer von ihnen, der vierte von sieben, eine gut geölte Rede war es, ein bisschen Kindheits- erinnerung, ein wenig Politik und ein Hinweis auf die Dünnhäutigkeit hinter der Dickhäutigkeit der Politiker. Glaube ich zumindest, vielleicht war das aber auch eine Bemerkung von Joël Thüring, dem Grossratspräsidenten, der vor ihm sprach und der einen denkwürdigen Satz wuchtig fallen liess wie Elefanten den Dung; dass, wenn er, der in der Nähe des Zoos wohne, das Fenster aufmache, ein Teil des Zollis sei.

Angetroffen auch: Lukas Engelberger mit Kirsten, Conradin Cramer mit Stephanie, alles tipptopp, privat wie geschäftlich, scheint grad eine angenehme Zeit fürs Regieren zu sein. Ebenfalls unter den Gästen: Hans- Peter Platz und Esther Maria, Jörg Schild, Carlo Conti und Ruth Metzler mit Stephan Zimmermann. Dann auch Patricia von Falkenstein, Luca Urgese, die dem neuen Klatschreporter der bz, David Sieber, sagen mussten, welches ihre Lieblingstiere sind.Von Falkenstein sagte Kamel, wusste aber nicht weshalb, Urgese sagte Katze (einfach so) und Thüring sagte zuvor Elefant im Zolli und zu Hause Hund, und man muss sich jetzt doch die Bemerkung verkneifen, dass dies alles doch vielleicht den Zustand der momentanen Form der Basler Politik widerspiegelt, die mir auf Haustier- niveau zu sein scheint, also ein bisschen Streicheleinheiten, ab und an ein wenig bellen oder fauchen, aber das wars dann auch schon.

Auf der andern Seite sollten wir nicht zu streng sein in der Beurteilung der Basler Politiker und deren Politik, vor allem, wenn wir auf die andere Seite blicken, dorthin, wo Baselland ist. Frau Elisabeth Augstburger kam, sie ist offenbar Vize-Landratspräsidentin dort. Sie hielt eine Rede, die so spannend war wie ein leerer Käfig im Zolli, und man fragte sich, wo die üblichen Verdächtigen von «Hingefüre» geblieben sind.

Jahrlang erledigten ja Anton Lauber und Peggy Pegoraro das Füllen der Klatschspalten mit Basellandstoff im Alleingang, weil sie ein wenig schmarotzend, so hatte man den Eindruck, kein Gratisgetränk in halbwegs eleganter Basler Umgebung ausliessen. Nie hätte ich gedacht, dass ich sie dereinst vermissen würde. Seltsam ist einfach, dass, seit der Kanton Basel Geld nach Liestal transferiert hat, die beiden von der Bildfläche verschwunden sind.

Das war er dann, der Abend der grossen und kleinen Säugetiere, der Dick- und Dünnhäuter, der Abend, als eine Stadt vier Elefanten einen Palast schenkte und sich selbst, irgendwie, positiv verstärkte. (Basler Zeitung)

Erstellt: 17.03.2017, 12:23 Uhr

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