Basel

Kreide, Polizei, Warnstreik und ein Sozialplan

Von Patrick Künzle. Aktualisiert am 16.02.2011 10 Kommentare

«Cindy’s Diner» in der Steinenvorstadt wird Ende März geschlossen. Seit einer Woche machen die 21 Angestellten auf ihre schwierige Situation aufmerksam. Gestern konnte nach einem Warnstreik endlich einen Erfolg vermeldet werden.

1/12 Dienstag 10:45 Uhr: Angestellte des «Cindy's Diner» führen in der Steinenvorstadt einen Warnstreik durch, unterstützt von Gewerkschaftlern der UNIA. Man will endlich mit dem Arbeitsgeber ins Gespräch kommen.
Bild: Joël Gernet

   

Mittwoch, 9:40 Uhr. Die Gewerkschaft Unia informiert darüber, dass der Warnstreik und die nachfolgenden Gespräche zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgeber vom Erfolg gekrönt waren: Die Belegschaft des Cindy's erhält eine Abgangsentschädigung. Sie stimmte einem Sozialplan zu, der in harten Verhandlungen zustande gekommen war. Eine allfällige neue Stelle können die Betroffenen sofort antreten und bei einem internen Wechsel profitieren sie von einem sechsmonatigen Kündigungsschutz.

Dienstag, 18:00 Uhr. Der Warnstreik ist beendet.

Dienstag, 12:33 Uhr. Nachdem die Cindy's-Mitarbeiter am Morgen in einen Warnstreik getreten sind (siehe Bildstrecke), verkündet die Gewerkschaft UNIA, dass man ein erstes Zwischenziel erreicht habe. Nach wochenlanger Verweigerung habe der Mövenpick-Konzern erstmals eingewilligt, Gespräche zu führen. Der Warnstreik gehe jedoch weiter.

Was an den Tagen zuvor geschah…

Sonntag, 19 Uhr. Vor dem «Cindy’s Diner» kommt fast so etwas wie Volksfeststimmung auf. «Es sind erstaunlich viele Leute auf der Strasse», sagt «Cindy’s»-Angestellte Hülya Caliskan. Diese Leute malen mit farbiger Kreide Botschaften auf den Asphalt. Botschaften, mit denen sie ihre Sympathie mit den «Cindy’s»-Mitarbeitern bekunden, die seit einer Woche für einen Sozialplan kämpfen. «Ein Herz für die Belegschaft» ist da zu lesen oder «Ihr seid nicht alleine». Gestartet wurde die Kreide-Aktion via Facebook.

Montag, 11.30 Uhr. Vor dem «Cindy’s Diner» befindet sich eine riesige Wasserlache. Ein Mitarbeiter hat die vielen Botschaften mit dem Schrubber entfernt. Polizisten haben vormittags im Fast-Food-Restaurant vorbeigeschaut. Es kursiert unter den Angestellten das Gerücht, es sei Anzeige gegen die Kreide-Schreiber vom Sonntag erstattet worden. Markus Melzl, Sprecher der Basler Staatsanwaltschaft, dementiert jedoch: nein, es gibt keine Anzeige. Doch die Behörden seien informiert, dass nachmittags um 14 Uhr eine Demonstration der Gewerkschaft Unia stattfinde.

Keine Verhandlungen

Montag, 14 Uhr. Vor dem «Cindy’s Diner» stehen zwar mehrere Gewerkschaftsvertreter. Von einer Demonstration jedoch keine Spur. Dies erkennt auch der Basler Polizeisprecher Martin Schütz, der sich für einen kurzen Augenschein vor dem Restaurant einfindet. Stattdessen ziehen die Gewerkschafter mit zwölf Mitarbeitern ins Restaurant des Rialto-Hallenbads. Dort wird an einer Mitarbeiterversammlung über das weitere Vorgehen diskutiert. «Cindy’s»-Besitzerin Marché International, ein Unternehmensbereich der Mövenpick-Gruppe, hat der Gewerkschaft Unia einen Brief zukommen lassen. Darin geht sie nicht auf die Forderung nach einem Sozialplan ein.

Montag, 14.15 Uhr. Im «Cindy’s» sitzt die Personalchefin, die von der Marché-Zentrale in Kemptthal nach Basel gekommen ist. Sie möchte nicht mit der BaZ sprechen. Dabei hätte sie ein wenig Werbung in eigener Sache machen können. Einem «Cindys»-Mitarbeiter hat ihr Unternehmen mittlerweile einen neuen Job im Marché-Restaurant in Deitingen vermittelt. Zwei andere Angestellte durften sich am Vormittag in der Mövenpick-Brasserie am Marktplatz vorstellen. Derweil sind sieben «Cindy’s»-Angestellte an diesem Nachmittag zur Schicht eingeteilt. «Normalerweise sind es zwei oder drei», sagt Mitarbeiterin Caliskan. Unia-Gewerkschaftssekretär Roman Künzler bezeichnet dies als «Trick», um die Mitarbeiterversammlung klein zu halten.

Montag, 17 Uhr. Die Versammlung der Mitarbeiter und der Gewerkschaft Unia ist beendet. «Wir halten an unserer Forderung nach einem Sozialplan fest», sagt Gewerkschafter Künzler. Die Signale von der Unternehmensleitung seien jedoch nicht positiv. Man habe ihnen mittlerweile auch noch mündlich mitgeteilt, dass Marché International keine Verhandlungen mit der Belegschaft und der Gewerkschaft wünscht. Montag, 19 Uhr. Ein scheinbar ganz normaler Abend im «Cindy’s». Die Mitarbeiter sorgen dafür, dass die Kundschaft wie gewohnt ihre Burger und Pizzen erhält. Mittlerweile haben die Angestellten 1500 Unterschriften für ihre Petition zusammengetragen, die ein «faires Ende» für das «Cindy’s» fordert.

Mehr zum Thema erfahren Sie in der Basler Zeitung von Mittwoch. (Basler Zeitung)

Erstellt: 15.02.2011, 13:03 Uhr

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10 Kommentare

Romeo Zolin

15.02.2011, 14:18 Uhr
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@ Ch. Müller.Das Cindy in Basel wurde mit Managerfehlern kaputt gemacht. Die neuen kaderleute haben total versagt und nicht auf die langjährigen Mitarbeiter im Cindy gehört. Und jetzt wird alles auf dem Buckel dieser Angestellten ausgetragen,die Manager sahnen dennoch weiter ab. Deshalb bin ich in diesem Fall sehr dafür dass die UNIA das Maul aufreist. Frage: Wenn nicht die UNIA, dann wer? Antworten


rene huber

15.02.2011, 14:28 Uhr
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Einmal mehr kommt die UNIA erst, wenn es nichts mehr zu verhandeln gibt. Wir sollten die UNIA abschaffen, weil sie keinerlei Gewicht für irgendetwas hat. Den Leuten bei der UNIA geht es vorallem um ihren eigenen Job. Antworten



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