Basel
Kriminaltouristen machen Halt in Basel
Von Alexander Müller. Aktualisiert am 28.08.2010
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Als sie ihre Einkäufe bezahlen wollte, stellte eine Rentnerin am Donnerstag mit Schrecken fest, dass ihr Portmonnaie nicht mehr in ihrer Tasche war. Taschendiebe hatten es ihr kurz zuvor gestohlen. Doch die Rentnerin hatte Glück im Unglück: Fahnder der Basler Polizei beobachteten kurze Zeit später einen Mann am Claraplatz, der vergeblich versuchte, bei einem Bankomaten Geld zu beziehen – mit der Karte der bestohlenen Frau. Der Mann gehörte einer Gruppe Roma an, die den Fahndern zuvor schon aufgefallen war. Der Mann und seine zwei Begleiterinnen wurden verhaftet.
Der Taschendiebstahl ist kein Einzelfall. Erst einen Tag zuvor erwischten die Fahnder drei Taschendiebe, die in einem Zug ihrem «Handwerk» nachgingen. Der Basler Kriminalkommissär Markus Melzl bestätigt, dass die Polizei derzeit vermehrt ähnliche Delikte registriert. Man verzeichne auch eine Häufung der Anzeigen von Ladenbesitzern. In den meisten Fällen handle es sich um Kriminaltouristen, die für ihren Lebensunterhalt stehlen, so Melzl: «Derzeit sind einige Roma-Gruppen in der Region aktiv». Über das Schengen Informationssystem SIS kann die Polizei die Wanderung der Reisenden verfolgen: Wo immer die Taschendiebe mal wieder geschnappt werden, gibt es einen Eintrag in der europäischen Polizeidatenbank. «Die bewegen sich quer durch den ganzen Kontinent, von Osteuropa über Frankreich bis nach Portugal», so Melzl. Und aktuell machen einige von ihnen also einen Stopp in der Region Basel.
Katz und Maus
Für die Polizei ist die Jagd nach ihnen eine zermürbende Sisyphusarbeit. Der Aufwand, einen Taschendieb auf frischer Tat zu erwischen, ist mitunter enorm: Teilweise werden verdächtige Personen oder Gruppen über Stunden beschattet, bevor ein Zugriff erfolgen kann. Es ist ein ständiges Katz und Maus Spiel, bei dem die Maus stets weiss, dass die Katze in der Nähe ist. Um nicht aufzufallen, werden die Zivilfahnder im Laufe einer Beschattung deshalb immer wieder ausgetauscht, erklärt Melzl. Die Fahnder werden häufig von den Ladenbesitzern darüber verständigt, dass sich verdächtige Personen im Geschäft herumtreiben.
Ein beliebter Tatort sind die Umkleidekabinen in den Kleiderläden: Das ist meist die einzige Stelle im Laden, die nicht Video-überwacht ist. Und zugleich der Ort, wo die Handtasche manchmal für einen kurzen Augenblick unbewacht ist – dann nämlich, wenn die potenzielle Käuferin die anprobierten Kleider ausserhalb der Kabinen der kritischen Meinung von anderen aussetzt.
Geringe Strafen
Geht der Basler Polizei mal eine Maus in die Falle, fehlt aber meist die Handhabe, um sie länger festzuhalten. Die Kleinkriminellen kommen oft mit einer geringen Busse davon. Ist die Busse bezahlt, werden die Ganoven wieder auf freien Fuss gesetzt. Wenn sie nicht bezahlen ebenfalls – denn kein Geld zu besitzen, sei kein Haftgrund, erklärt Melzl.
Leidtragende sind, neben den Bestohlenen, oft die Kinder: Bei den drei gestern geschnappten Roma war auch ein neunjähriges Mädchen, welches vom Sozialdienst der Polizei für die Zeit, während die Eltern hinter Schwedischen Gardinen verbringen, in einem Basler Kinderheim platziert wird. (baz.ch/Newsnet)
Erstellt: 27.08.2010, 15:55 Uhr


